Fortnite ist zurück – Fans atmen auf

40 Stunden lang mussten die Spieler auf das Game verzichten. Seit Dienstagmittag läuft es wieder – mit neuen Möglichkeiten.

Neues Kapitel für Fortnite, eines der beliebtesten Onlinespiele überhaupt. (Video: Epic Games)

Ein schwarzes Loch. Das war noch übrig vom Videospiel Fortnite. Mehr als eine Million Menschen erlebten am Sonntag live, wie die postapokalyptische Insel, auf der Spieler zu Beginn einer Runde landeten und sich dann gegenseitig zu töten versuchten, von Raketen und einem Kometen zerstört worden war. Zwei Tage lang konnte niemand mehr spielen, auf der Startseite war von einem «technischen Problem» die Rede. Sämtliche Fortnite-Accounts von Hersteller Epic, ob auf sozialen Netzwerken wie Twitter oder Streamingportalen wie Twitch, waren leer geräumt. Nichts ging mehr.

250 Millionen Menschen weltweit haben die kostenlose Version des Spiels heruntergeladen, Fortnite ist ein popkulturelles Phänomen, das weit über die virtuelle Welt hinausgeht: Ein Sieg in der Online-Version Battle Royale (100 Spieler landen per Fallschirm auf dieser Insel, sie sammeln Ressourcen, rennen vor einem Sturm weg und eliminieren einander – der letzte Überlebende gewinnt) ist in etwa das, was früher auf einem Platz ein Sieg gegen die Jungs aus dem anderen Stadtteil gewesen ist. Jugendliche vollführen die Tänze aus dem Spiel auf dem Schulhof, an Halloween werden zahlreiche Kinder als Fortnite-Figuren verkleidet sein.

Die Aufregung über die Unerreichbarkeit der Server war entsprechend gross, selbst der Milliardär Elon Musk schaltete sich mittlerweile eint. Es hatte zunächst das Gerücht gegeben, dass Musk das Spiel gekauft und gelöscht habe, damit Jugendliche endlich weg von Computer und Konsole gehen und hinaus in die wirkliche Welt, sonst sei der Fortbestand der Menschheit in Gefahr, weil sich niemand mehr fürs Küssen interessieren würde. «Musste gemacht werden», schrieb Musk augenzwinkernd bei Twitter: «Bitteschön.»

Epic erwirtschaftet einen Profit von drei Milliarden Dollar

Es gibt Leute, die halten Videospiele allgemein für einen Vorboten auf das Ende des Abendlandes, Horst Seehofer zum Beispiel, nach dem Anschlag von Halle forderte der Innenminister: «Wir müssen die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen.»

Epic hat im vergangenen Jahr aufgrund des Erfolgs von Fortnite einen Profit von drei Milliarden Dollar erwirtschaftet, das private Unternehmen wird mittlerweile mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Es wäre töricht gewesen, das Spiel nach der zehnten Staffel einfach so zu beenden. Es gab bereits zahlreiche Hinweise auf eine Fortsetzung: Ein Zahlencode um das schwarze Loch herum führte zum Beispiel bei Google Maps zu einem Tanz von Krebsen – ein Hinweis auf einen der beliebtesten Tänze im Spiel. Wer auf seinem Controller den so genannten «Konami-Code» (hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, links, rechts, B, A, Starttaste) eingab, der gelangte zu einem Mini-Spiel, bei dem eine Pizza ein paar Burger erledigen musste – noch eine Hommage an populäre Elemente.

Es ist ganz einfach so: Epic setzte die Spieler auf Entzug.

Epic soll das Spiel entwickelt haben, um die Leute süchtig zu machen

Das ist freilich eine Reaktion auf die Sammelklage, die in Kanada gegen das Unternehmen angestrengt wird: Die Anwaltskanzlei Calex Légal hat die Klage der Eltern zweier Kinder, zehn und 15 Jahre alt, zur Sammelklage erweitert. Epic soll das Spiel bewusst mit dem Ziel entwickelt haben, die Leute süchtig zu machen. Deshalb hätte die Firma einen Warnhinweis anbringen müssen, so ähnlich wie auf Zigarettenschachteln.

Es ist gewiss auch eine Reaktion darauf, dass zahlreiche Spieler die Änderungen in der zehnten Spielzeit heftig kritisiert hatten und das Wachstum stagnierte – viele Zocker forderten einen Neustart mit veränderter Insel, überarbeitetem Gameplay und einer Rückkehr zu den Wurzeln: weniger Schnickschnack, mehr Spielspass. Die Musikerin Taylor Swift hatte vor zwei Jahren ein neues Album beworben, indem sie sämtliche Accounts auf sozialen Medien ohne Warnung leer räumte. Das funktionierte, allein das Video zur ersten Single sahen am ersten Tag der Veröffentlichung 43,2 Millionen Leute.

Epic schien nun mit diesem Event, das The End hiess, eine ähnliche Strategie zu verfolgen. Es ist ein ausgebuffter Marketing-Schachzug, der allerdings auch riskant war. Es gibt mittlerweile viele Spiele mit Battle-Royale-Modus, Daddler müssen den Entzug nicht akzeptieren, sie können einfach wechseln, hätte Epic zu lange ein schwarzes Loch präsentiert. Zudem setzet sich die Firma selbst massiv unter Druck.

Nun hat Epic Games am Dienstag das Game neu gestartet und einige Änderungen gebracht, wie 20min.ch schreibt. Eine neue Map, ein neues Layout, ein neuer Battle-Pass und neue Skins – das Battle-Royale-Game «Fortnite» zeigt im neuen Trailer eine Vielzahl an Änderungen am Spiel. Season 11 bleibt aus, stattdessen schlägt Epic Games eine neues Kapitel auf: Kapitel 2, Saison 1 lautet das Update und ist ab sofort live.

* nach der Erstpublikation ergänzt mit weiteren Informationen.

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