Zum Hauptinhalt springen

Der braune Sumpf in sozialen Netzwerken

Rechtsextreme in Deutschland nutzen zur Verbreitung ihrer Propaganda immer stärker Facebook, Youtube und Twitter.

Gedankengut wird vor allem über Twitter verbreitet: Rechtsradikaler.
Gedankengut wird vor allem über Twitter verbreitet: Rechtsradikaler.
Keystone

Unter dem Deckmantel emotionaler Themen wie der Finanzkrise oder sexuellem Missbrauch erreichten sie dort «rasend schnell ein Millionenpublikum», ergab der am Mittwoch in Berlin vorgestellte Jahresbericht von Jugendschutz.net. Die Organisation sieht die Plattformbetreiber in der Pflicht.

Jugendschutz.net ist eine von den Bundesländern ins Leben gerufene Organisation, die sich für die Einhaltung des Jugendschutzes im Internet einsetzt. Der Seite wurden dem Jahresbericht zufolge im vergangenen Jahr 629 Hinweise anderer Internetnutzer auf rechtsextreme Aktivitäten in sozialen Netzwerken gemeldet. Damit habe sich die Zahl der Beschwerden über Angebote auf diesen Seiten von 2008 bis 2011 mehr als verdreifacht. Dazu kamen 978 Hinweise auf rechtsextreme Inhalte auf anderen Websites, im Jahr davor gab es 880 derartige Hinweise.

Vor allem Twitter im Visier

Besonders stark wuchsen den Angaben zufolge die Aktivitäten von Rechtsextremen im Kurznachrichtendienst Twitter: Dort verdoppelte sich nahezu die Zahl der von Rechtsextremen betriebenen Kanäle binnen eines Jahres von 73 auf 141. Vor allem die rechtsextreme NPD und Neonazigruppen würden Twitter nutzen.

Neonazis geben sich dem Bericht zufolge in den sozialen Netzwerken und auf Videoplattformen inzwischen radikaler und fühlen sich anscheinend sicherer vor Strafverfolgung. «Neonazis schaffen auf den Plattformen ein Klima der Gewalt», konstatierte Stefan Glaser, Leiter des Bereichs Rechtsextremismus bei Jugendschutz.net. Die Betreiber der Seiten müssten deshalb «unbedingt» mehr dagegen unternehmen.

Verschleierungstaktik

Nach den Untersuchungen der Experten bedienen sich die Rechtsextremen einer Verschleierungstaktik, um ihre junge Zielgruppe zu erreichen. Zu emotionalen Themen wie der Finanzkrise, Arbeitslosigkeit oder sexuellem Missbrauch veröffentlichen sie Beiträge und versuchen, so auch Menschen ausserhalb der Szene zu erreichen. Der rechtsextreme Kontext werde zwar verschleiert, Links auf den Seiten würden aber einen Einstieg in die Szene bieten. Ein von Rechtsextremen angelegtes Facebook-Profil zum Thema Kindesmissbrauch habe es etwa auf über 35'000 Zustimmungen gebracht.

Wie der Jahresbericht von Jugendschutz.net ferner ergab, führte die dem Zwickauer Neonazi-Trio zugeschriebene Mordserie zu einer Vielzahl von Interneteinträgen. Binnen drei Wochen nach Beginn der Berichterstattung über die zehn Morde habe es allein im von Rechtsextremen betriebenen Thiazi-Forum mehr als 1500 Postings gegeben, die unter anderem den rechtsextremen Terror bezweifelten, die Gewalttaten guthiessen und die Opfer verhöhnten.

AFP/ah

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch