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Glosse mit CIA-ProtokollDonald Trump im Achtsamkeitsseminar

Daniele Ganser hat ein Buch über die USA geschrieben. Darin macht er einen Vorschlag, der die Welt verändern könnte.

Ein in sich gekehrter Donald Trump im Rosengarten des Weissen Hauses.
Ein in sich gekehrter Donald Trump im Rosengarten des Weissen Hauses.
Foto: Kevin Lamarque (Reuters) 

Seit Wochen steht es auf der Bestsellerliste: Das neue Buch des Schweizers Daniele Ganser mit dem Titel «Imperium USA». Niemand, der es gelesen hat, wird dem Autor den fiesen Vorwurf machen, er wolle darin einen differenzierten oder gar originellen Blick entwickeln.

Ganser hat nur ein Ziel: Er will beweisen, dass die USA «die grösste Gefahr für den Weltfrieden» darstellen, was irgendwie schon immer so war – und dass heute «300’000 superreiche US-Amerikaner» dieses Imperium «lenken» würden. Dafür lässt Ganser aus seiner Perspektive nochmals die ganze Geschichte der USA Revue passieren, von Kolumbus über 9/11 bis Donald Trump.

Kriegstreiber waren die USA selbst im Zweiten Weltkrieg, obwohl sie mit den Alliierten die Welt von Hitlers NS-Regime befreiten. So zumindest, wenn wir «Imperium USA» glauben wollen. Glauben muss man, denn Ganser – ein promovierter Historiker – erweckt mit seinen trüben Quellen und Spekulationen nie den Eindruck, er wolle noch allzu viel mit der Wissenschaft zu tun haben. So etwa, wenn er schreibt, dass «nicht bewiesen werden» könne, dass der frühere CIA-Direktor Allen Dulles die Ermordung von Präsident John F. Kennedy in Auftrag gegeben habe, was für Ganser aber kein Grund ist, dies im Kapitel mit dem Titel «Die Rache von CIA-Direktor Allen Dulles» nahezulegen.

Schlimm, gäbe es in diesem Buch nicht einen wichtigen Vorschlag zwecks Weltverbesserung: Mit den Milliarden, die für Rüstung ausgegeben werden, könnte «viel Gutes» bewirkt werden; sie könnten unter anderem «in Achtsamkeitsseminare» investiert werden, schreibt Ganser. Hier das Protokoll des ersten Achtsamkeitsseminars, das uns von der CIA zugespielt wurde:

Donald Trump: Who‘s that guy?

Angela Merkel: Dr. Ganser.

Trump: A medical doctor? I’m not sick!

Merkel: He is a historian with a PhD.

Trump: A what?

Merkel: Pscht…!

Ganser: Das Prinzip Achtsamkeit ist ein Leuchtstern für die Friedensbewegung. Wenn wir mit geschlossenen Augen den Blick nach innen richten, können wir erkennen, wie verschiedene Kriegstreiber unsere Gedanken und Gefühle durch Kriegspropaganda seit Jahrzehnten verwirrt haben und dies auch heute noch tun.

Trump: I don’t understand Danish. What is he talking about?

Merkel: We should look inward with our eyes closed. Close your eyes, Donald.

Trump: You sound like my mother, I like that!

Merkel: Close your eyes!

Trump (schliesst die Augen): I see nothing. It's all black. Aaah, aaaah, aaaaahhh!

Merkel: Schschsch, everything is okay.

Ganser: Wenn wir uns an das Prinzip Menschheitsfamilie erinnern, wachen wir aus dem unbewussten Zustand auf. Dann wird uns klar, dass jede und jeder durch seine Geburt zur Menschheitsfamilie gehört, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, Bildung, Religion oder Vermögen. Und in der Familie gilt die einfache Regel, dass man durchaus unterschiedliche Ansichten vertreten darf, sich aber nicht untereinander töten soll. Zusammen sollten wir lernen, uns nicht zu töten, weil alles Leben heilig ist.

Trump (öffnet erschrocken die Augen): Family? Mr. Gooser is my son? But I used always condoms when I was with the hookers!

Merkel: No, he says, we're all part of the human family, and that we shouldn't kill each other.

Trump: He want’s to have an affair with Ivanka?

Merkel: No…

Trump: But shes hot!

Ganser: Die CIA trainierte und bewaffnete die Gegner von Präsident Assad, obschon das UNO-Gewaltverbot es strikt untersagte, in fremden Ländern militante Gruppen zu bewaffnen.

Trump: How does he know that?

Merkel: From the internet, from any media and books, what do I know.

Trump: I wrote about Syria in «The Art of the Deal»?

Merkel: There are other books.

Trump: He’s so smart. I should adopt him!

Alle Ganser-Zitate sind aus Daniele Gansers «Imperium USA», Orell Füssli, 392 Seiten, ca. 35 Fr.

32 Kommentare
    Heinrich Frei

    Weshalb präsentiert der Tages Anzeiger Daniele Ganser in dieser Glosse als Blödmann, der das «Rezept für den Weltfrieden» gefunden habe? Statt sein Buch «Imperium USA» auf normale Art und Weise kritisch zu besprechen? - In diesem Sommer ist es doch nicht so heiss? - Oder ist dieser Text, der auch auf Trump zielt, einfach ironisch, satirisch, sarkastisch, verleumderisch gemeint? Als Leser des Tages Anzeigers seit bald sechzig Jahren und auch Leser der Bücher von Ganser erwarte ich, dass mein Leibblatt auf seriöse Art und Weise sich mit Ganser auseinandersetzt und ihn nicht diffamiert. Es lohnt sich die Bücher von Daniele Ganser zu lesen.