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Die FavoritenDrei Metal-Alben für die Ewigkeit

Die persönlichen Top-3-Alben von Heavy-Metal-Kenner Jörg Scheller.

Black Sabbath: «Black Sabbath»

Der Beweis, dass es Heavy Metal vor Heavy Metal gab. Erst Ende der 1970er-Jahre wurde der Genrebegriff geprägt. Doch auf Black Sabbaths Debütalbum (1970) sind die wichtigsten Komponenten der Metalmaschine schon da: prägnante Riffs, exaltierte Soli, komplexe Strukturen, wuchtiges Drumming, okkulte Texte, düstere visuelle Ästhetik. Was bei den Arbeiterkids aus Birmingham noch Züge des Art-Rocks der 60er-Jahre trug, stampften Judas Priest auf dem Album «Stained Class» (1978) zu kompakten Songs ein, ergänzt vom genreprägenden Leder-Nieten-Look.

Foto: PD

Behemoth: «I Loved You at Your Darkest»

Hätte Karl Lagerfeld ein Black-Metal-Album aufgenommen, so hätte es wohl wie dieses geklungen. Die polnischen Extremmetaller vereinen auf ihrem 11. Studioalbum (2018) die Eleganz einer Haute-Couture-Modenschau mit den Abgründen des Luziferischen. Dunkel und schillernd, mit brutalstmöglicher Emotionalität und verführerisch samtenem Sound – natürlich mit tödlichen Spitzen besetzt –, öffnen sie die Tore zum Verdrängten des christlichen Abendlandes.

Foto: PD

Chthonic: «Bù-Tik»

Taiwan und Extreme Metal? Begriffe, die wenige spontan miteinander in Verbindung bringen würden. Dabei sind Chthonic schon seit 1995 aktiv. Die Band des taiwanesischen Politikers Freddy Lim und seiner Ehefrau Doris Yeh kombiniert skandinavischen Black Metal à la Dimmu Borgir mit taiwanesischer Folklore, Historie und Mythologie. So auch auf «Bù-Tik» (2013). Das hymnische Album handelt von tragischen Ereignissen der Kolonialgeschichte Taiwans. Die Botschaften Lims sind unmissverständlich: «For our sovereign country / We face the martyr's test / For our piece of heaven / We storm the halls of hell.» Chthonic zeigen, wie der einst kritische, aber nicht aktivistische Metal zum Verstärker dissidenter politischer Bewegungen geworden ist.

Foto: PD

Hier lesen Sie das Interview mit Jörg Scheller.