Dürfen EL-Bezügerinnen die Kasse wechseln?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Krankenkasse.

Auf Anfang 2021 treten die neuen EL-Bestimmungen in Kraft, sie betreffen auch die freie Kassenwahl. Foto: Keystone

Auf Anfang 2021 treten die neuen EL-Bestimmungen in Kraft, sie betreffen auch die freie Kassenwahl. Foto: Keystone

Andrea Fischer@tagesanzeiger

Ich lebe im Tessin und beziehe neben meiner Altersrente auch Ergänzungsleistungen (EL). Die Prämie für die Grundversicherung wird bis zu einem bestimmten Betrag ebenfalls übernommen. Kann ich trotzdem aufs nächste Jahr die Kasse wechseln? So könnte ich die Differenz zwischen meiner Prämie und der Rückvergütung verkleinern.

Ja. Auch als EL-Bezüger können Sie die Krankenkasse frei wählen. Dieses Recht steht allen Versicherten zu. Die öffentliche Hand vergütet Ihnen in jedem Fall die in Ihrer Region gültige Durchschnittsprämie, egal, wie viel Sie für Ihre Grundversicherung zahlen. Ist Ihre Prämie tiefer als die Durchschnittsprämie, so erhalten Sie die Differenz ausbezahlt.

Angenommen, die Durchschnittsprämie inklusive Unfalls liegt bei 500 Franken, Ihre Prämie beträgt aber nur 480 Franken – so gehören die 20 Franken Differenz Ihnen. Umgekehrt müssen Sie die Mehrkosten selber berappen, wenn Ihre Prämie höher ist. Wie hoch die Durchschnittsprämien für 2020 sind, erfahren Sie bei der zuständigen EL-Behörde. Erkundigen Sie sich rechtzeitig danach; so können Sie die Suche nach einer passenden Krankenkasse danach richten.

Auf Anfang 2021 treten voraussichtlich die vom Parlament beschlossenen neuen EL-Bestimmungen in Kraft. Damit ändern auch die Regeln für die Prämienvergütung. Bezügerinnen von Ergänzungsleistungen bekommen dann für die Grundversicherung nur noch so viel, wie sie effektiv zahlen, höchstens aber den Betrag der kantonalen Durchschnittsprämie.

Konkret: Wenn etwa die Durchschnittsprämie bei 500 Franken liegt, ein EL-Bezüger für seine Grundversicherung aber nur 480 Franken zahlt, bekommt er genau diesen Betrag erstattet. Die 20 Franken Differenz werden nicht mehr wie heute ebenfalls vergütet. Damit fällt wohl für viele EL-Beziehende der Anreiz weg, eine möglichst günstige Kasse zu wählen. Für die öffentliche Hand dürfte es deshalb künftig kaum billiger werden, obwohl genau das die Absicht der Parlamentsmehrheit war.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

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