Ein Entscheid für die Zukunft der Familie

Dragan Marjanac wird Ende Saison den BSV Bern Muri verlassen. Zuvor will der 33-jährige serbische Torhüter mit den Bernern aber noch zumindest die Playoff-Halbfinals erreichen.

<b>Nicht mehr lange im BSV-Tor:</b> Dragan Marjanac wehrt hier einen Wurf des Krienser Topskorers Adrian Blättler ab.

Nicht mehr lange im BSV-Tor: Dragan Marjanac wehrt hier einen Wurf des Krienser Topskorers Adrian Blättler ab.

(Bild: Manuel Zingg)

Reto Pfister

Dragan Marjanac ist ein Handballer, dem die Lebensumstände neben dem Sport sehr wichtig sind. So erklärt sich, warum der Serbe seit sieben Jahren für den BSV Bern Muri spielt und den Verein nicht verlassen hat, obwohl er Angebote aus der Bundesliga und aus Dänemark besass.

«Hier lässt es sich sehr gut leben», sagt der 33-jährige Torhüter, der Vater eines 4-jährigen Sohnes ist. Und so findet sich auch die Erklärung dafür, warum Marjanac Ende Saison doch Abschied nimmt und zu Suhr Aarau wechselt.

Offerte des Lebens

Die Aargauer, als Sechste der Finalrunde zwei Plätze hinter dem BSV klassiert, haben Marjanac einen Fünfjahresvertrag angeboten. Solch langen Kontrakte sind im Handballsport unüblich, die Berner etwa schliessen aus Prinzip keine so langen Arbeitspapiere ab. Es ist nachvollziehbar, dass der langjährige BSV-Akteur sagt: «Eine solche Offerte erhält man nur einmal im Leben.»

Sie eröffnet den Marjanacs - seine Frau Tanja ist ebenfalls Handballerin und hat in der Schweiz für Rotweiss Thun gespielt - eine langfristige Perspektive, im Land zu bleiben, sich gar später allenfalls einbürgern lassen zu können. «Wir sehen unsere Zukunft hier», sagt der Torhüter.

Das sportliche Konzept von Suhr Aarau habe ihn ebenfalls überzeugt, Trainer Mi­sha Kaufmann ist ein früherer Mitspieler beim BSV. Zudem wird Marjanac als Goalietrainer dem Nachwuchs der Aargauer sein Wissen weitergeben.

Am letzten Wochenende hat die Familie einen grossen Teil des Hausrats gezügelt, die zukünftige Wohnung nahe der Aarauer Schachenhalle ist früher als geplant frei geworden.

«In Bern sind noch ein paar Kleider», sagt Marjanac, der die sieben Jahre in der Bundesstadt aber noch nicht abgehakt hat. Eine letzte Aufgabe wartet noch. Sie beinhaltet, die Saison mit dem BSV Bern Muri möglichst spät zu beenden.

Vom Sieg überzeugt

1:1 steht es in der Best-of-5-Viertelfinalserie zwischen den Bernern und Kriens-Luzern. Heute (19.45 Uhr) treffen die beiden Teams in Gümligen aufeinander, am Freitag in der Innerschweiz, ein fünftes Spiel würde am Sonntag (16 Uhr) wieder im Berner Vorort über die Bühne gehen.

Marjanac ist überzeugt davon, dass sein Team die Serie gewinnen wird. «In 80 Prozent der Partien in dieser Saison haben wir auf gutem Niveau gespielt», sagt der BSV-Goalie. «Gelingt es uns, wieder auf diesem Level zu agieren, sind wir die bessere Mannschaft.

Und dann haben wir die Serie am Freitag für uns entschieden.» Im Siegesfall kommt es mit grosser Wahrscheinlichkeit im Halbfinal zum Berner Derby gegen Wacker Thun.

Der Abschied aus Bern soll noch ein bisschen auf sich warten lassen. Dennoch zieht Marjanac bereits jetzt seine erste Bilanz seiner Zeit beim BSV. «Ich gehe mit einem positiven Gefühl», sagt er. «Ich habe hier viele schöne ­Erlebnisse gehabt.»

Nur eines wurmt ihn: «Wir haben keinen Titel gewonnen.» Die Fussballer von YB werden in diesem Jahr wohl erstmals seit dem Cupsieg 1987 einen oder gar zwei Pokale in Empfang nehmen können, bei den Berner Handballern wird der Meistertitel 1985 nach wie vor als letzter Triumph geführt werden.

Ausser sie können sich in diesem Jahr als Champion feiern lassen, was aber einer Überraschung gleichkommen würde.

Im Dezember besassen sie im Cupfinal in der Wankdorfhalle die grosse Chance, die Titellosigkeit zu beenden. «Pfadi Winterthur war besser», sagt Marjanac lakonisch. Und so verlässt wohl auch er Bern, ohne grosse Feierlichkeiten miterlebt zu haben.

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