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Kommentar zu BurkadebatteEin Gesichtsschleier ist keine Pizza

Argumente verständlich zu machen, ist richtig. Doch heikle Vergleiche banalisieren die Debatte um Frauenrechte.

Ananas auf der Pizza ist Geschmacksache. Hinter der Burkadebatte steckt mehr.
Ananas auf der Pizza ist Geschmacksache. Hinter der Burkadebatte steckt mehr.
Foto: Getty Images / iStockphoto

Die junge Organisation Operation Libero ist bekannt für frische Gesichter und muntere Kampagnen. Doch ihr jüngstes Argument gegen die Verhüllungsverbots­initiative ist etwas gar flapsig: «Wo kämen wir hin, wenn wir alles verbieten, was wir nicht mögen?» So fragt die Operation Libero und liefert Beispielantworten in Form von Bildern: Koriander, Pizza Hawaii, Céline Dion oder Crocs, die wenig eleganten Sommerschlappen.

Solche Vergleiche werden der politischen Dimension eines Verhüllungsverbots nicht gerecht. Ein Gesichtsschleier lässt sich nicht mit einer aus der Mode gefallenen Pizza vergleichen oder mit einer Sängerin, die mit zuckrigen Klängen polarisiert. Es gibt Frauen, die den Schleier tragen wollen. Andere müssen ihn tragen.

Auf jeden Fall ist der Umgang mit einem Verbot eine staatspolitisch relevante Frage. Die Frage, ob man Koriander verbieten soll, weil manche ihn nicht mögen, ist lächerlich. Vor allem aber banalisiert sie die Debatte über die Unterdrückung von Frauen.

Die Kampagne wertet die Bedeutung des Schleiers ab.

In der Schweiz mag die Verhüllung eine Modeerscheinung sein, die von ein paar Dutzend Konvertitinnen gelebt wird. Weltweit jedoch dürfte es viele Frauen geben, die sich nicht freiwillig verhüllen. Vor diesem Hintergrund ist es zynisch, den Schleier mit einem beliebigen Verbrauchsartikel zu vergleichen. Vergleiche haben oft eine Asymmetrie, welche die ursprünglich beabsichtigte Botschaft entstellt. So auch hier. Die Kampagne wertet die Bedeutung des Schleiers ab. Das ist nicht gerechtfertigt, ob man nun für oder gegen die Initiative ist.

Die Operation Libero zeigt mit weiteren Aktionen, dass Argumente gegen die Initiative durchaus verständlich und zugänglich formuliert werden können. Zum Beispiel hat sie Fragen und Antworten zur Abstimmung auf ihrer Website aufgeschaltet, in denen beispielsweise steht: «In einer freien Gesellschaft zeigt man sein Gesicht? Nein. In einer freien Gesellschaft entscheidet jeder selber, was er zeigt.» Auch hat die Operation Libero rund hundert Frauen aus Politik, Wissenschaft und Religion zusammengetrommelt, die für ein «feministisches Nein» einstehen. Dies ist ein starkes Signal. Eine Pizza Hawaii ist es nicht.

255 Kommentare
    Lars König

    Die Burka ist das Symbol des politischen Islams. Darin sind sich wohl alle einig. Und folgerichtig ist es sinnvoll, dass solche Symbole auch symbolisch bekämpft werden.

    Das Problem dieser Initiative ist es, dass es aus der rechten Ecke des Egerkinger Komitees kommt. Und viele sog. Feministinnen, die eigentlich die Unterdrückung der Frauen durch das Patriarchat bekämpfen müssten, deshalb Hemmungen haben. Lieber verbiegen sie sich und verlieren sich in einer « Freiheitsdebatte ». Als ob die Frauen, denen man diese Kleidung aufzwingt eine Wahl hätten.