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Thun historisch: Vor 150 JahrenEin Meilenstein der Thuner Abwasserentsorgung

Mit dem Aufbau der Wasserversorgung kamen Anwohner der Innenstadt gleichzeitig in den Genuss der ersten Kanalisation. Die Aborte anzuschliessen, blieb jedoch vorerst verboten.

Marktszene in der Oberen Hauptgasse um 1890. Zwanzig Jahre zuvor wurde hier der Bau der ersten Kanalisation in Angriff genommen.
Marktszene in der Oberen Hauptgasse um 1890. Zwanzig Jahre zuvor wurde hier der Bau der ersten Kanalisation in Angriff genommen.
Foto: PD

Der Aufbau einer zentralen Wasserversorgung in Thun wurde in den 1860er-Jahren tatkräftig vorangetrieben. Zur selben Zeit wurde unter dem Eindruck von Cholera- und Typhusepidemien klar, dass das aus dem Mittelalter übernommene Entsorgungssystem ausgedient hatte. Abwässer und ein grosser Teil der Abfälle landeten bis dahin in Sickergruben. Diese wiederum verunreinigten das Trinkwasser der städtischen Sodbrunnen. 1870 wurde deshalb der Bau der ersten Kanalisation in Angriff genommen.

Im «Thuner Blatt» vom 27. April informierte der Präsident der Wasserversorgungskommission die Hausbesitzer über die geplanten Arbeiten. «In nächster Zeit werden die Kanalisierungsarbeiten, deren Ausführung die Gemeinde seinerzeit gleichzeitig mit der Wasserversorgung beschlossen hat, in Angriff genommen werden, und zwar vorläufig in der Kupfergasse, der ganzen Länge der Hauptgasse, dem Rosengarten und dem Viehmarkt.» Auf die Strassennamen der heutigen Zeit übersetzt, erhielten also die Hauptgasse, die Freienhofgasse und die Marktgasse eine Kanalisation.

Weiter hiess es, dass «mit ausdrücklichem Ausschluss der Abtrittsjauche» alles Abwasser aus den Häusern in diese Kanäle abgeleitet werden könne. Mit der raschen Verbreitung der Wasserklosetts wurde jedoch der Wert menschlicher Exkremente vermindert, und gleichzeitig verloren sie ihren Ruf als bestmöglicher Dünger in der Landwirtschaft, sodass auch die Aborte schon bald an die Kanalisation angeschlossen werden durften.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

2.4.1870 Man wünscht in ein Café ersten Ranges in Luzern eine Tochter zum Servieren, aus achtbarer Familie, mit angenehmen Äusseren, welche Deutsch und Französisch spricht. Erwünscht wäre, wenn dieselbe die Bernertracht tragen würde.2.4.1870 Aus Anlass seines Wegzuges von Thun empfiehlt sich Freunden und Bekannten bestens, von Steiger, Oberst, an der Länggass.2.4.1870 Kupferstich-Verein Thun. Folgende Nummern wurden als Gewinner eines Berliner Kupferstiches ermittelt: Nr. 10, 23, 28, 32, 41 und 60. Der Vorstand.6.4.1870 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. 1.00 bis 1.02 Fr. Kartoffeln per Zentner 2.50 bis 2.80 Fr. 12 bis 13 Eier für 60 Cts.6.4.1870 Louis Gaffner an der Kreuzgasse ist jetzt mit dem viel verlangten echt englischen «Waterproof» in verschiedenen Farben, dienlich bei jedem Wetter, versehen und garantiert für Wasserdichte von Mänteln und Surtouts.6.4.1870 Wie im ganzen Kanton stimmte auch Thun einer kantonalen Subvention von einer Million für die Gotthardbahn mit 531 Ja gegen 51 Nein zu.6.4.1870 Baderöffnung. Auf dem Allmendbad kann man alle Tage warme Bäder haben und Dienstag und Freitag schröpfen lassen.9.4.1870 Es wird bekannt gemacht, dass der künftige Ostersamstag-Jahrmarkt vom 16. April nächsthin mit jeder Art von Vieh befahren werden kann, da in dieser Gegend keine Seuche herrscht.13.4.1870 Alex Kunz, Schreiner, hat sich im Hause des Herrn Gerbermeisters Wunderlich auf dem Schweinemarkt etabliert und sichert solide und saubere Arbeit zu.13.4.1870 Vom 18. dies hinweg werden die äusseren Aareschleusen jeweils wöchentlich wieder 3-mal geöffnet, nämlich Montag, Mittwoch und Samstag. Der auf den Charfreitag fallende Schiffstag wird auf den 14. dies verlegt.13.4.1870 Von nun an sind im Bällizbad täglich warme Bäder sowie Sol- und Eisenbäder zu haben. Dällenbach, Badwirt.13.4.1870 (Eingesandt). Wie nötig die Erweiterung der Kupfergasse ist, hat letzter Tage wieder ein Fall bewiesen, der beinahe ein Menschenleben gefordert hätte. Ein Knabe aus Oberhofen geriet daselbst zwischen zwei Wagen und konnte sich schliesslich in grosser Angst in einen Hausgang flüchten.13.4.1870 Bei Emil Immer, Sohn, Spengler und Lampist, der sich im Geschäft seines Vaters etabliert hat, könnte auf Ostern zu billigen Gedingungen ein Lehrling eintreten.13.4.1870 Unterzeichnete zeigt den Tit. Damen an, dass sie das Damenfrisieren gründlich erlernt hat, und empfiehlt sich daher für Hochzeiten und andere Anlässe bestens. Auch wäre sie geneigt, wöchentliche Abonnements zu billigen Preisen zu übernehmen. Maria Kleiner-Wyler, Modistin und Coiffeuse.16.4.1870 Der Einwohnerverein hat die sofortige Erstellung neuer und die Verbesserung alter Fusswege beschlossen, welche den Zugang zu den schönen Aussichtspunkten des Brändlisberges und des Grüsisberges erleichtern sollen.16.4.1870 Im Bälliz-Bad wird von heute an wieder gutes Bier ausgeschenkt, auch kann man wieder guten und billigen Erdäpfelbranntwein haben zum Forttragen.16.4.1870 Die Unternehmer der Wasserversorgung in Thun machen hiermit diejenigen Hauseigentümer längs der Allmendstrasse und dem Bälliz, welche ihre Besitzungen mit Wasser versorgen wollen, darauf aufmerksam, dass die Hauptleitung in diesen Strassen innert den nächsten 14 Tagen gelegt werden wird, und ersuchen dieselben, ihre Wasserverträge rechtzeitig mit den Unternehmen abzuschliessen.20.4.1870 Das Promotionsfest findet Sonntag, den 24. April, Nachmittag, statt. Geordneter Zug, die Jüngsten voran unter dem Läuten aller Glocken vom Rathausplatz in die Kirche.20.4.1870 Berichtigungsweise wird bekannt gemacht, dass die Schleusen von Thun jeweils Freitag, und nicht Samstag wie publiziert, geöffnet werden.23.4.1870 Den geehrten Frauen Thuns mache ich die hiermit ergebenste Anzeige, dass ich mich als Schneiderin etabliert habe und mich für Arbeiten ins Haus oder auf Stören angelegentlich empfehle. Emilie Spring, im Hause des Herrn Schmied-Liebi an der Hauptgasse.27.4.1870 Kegelschieben in der Wirtschaft Jenni bei der neuen Kaserne den 1. und den 2. Mai um 250 Fr. fix, wozu jedermann freundlich einladet, Jenni, Wirt.30.4.1870 Tanz und Eieraufleset auf dem Strättlighügel den nächstkommenden 8. Mai, bei schöner Entlibucher-Musik. Es ladet hiermit freundlich ein Joh. Stähli.30.4.1870 Friedrich Burkhard, Sohn, hat das Geschäft des Hrn. Müller, Schuhmachermeister im Bälliz, übernommen.

Quelle: Stadtarchiv Thun; Bähler, Anna (2007): Gebändigt und genutzt. Die Stadt Thun und das Wasser in den letzten 300 Jahren. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 69/3.