Ein Traktor bringt Theater ins Dorf

Langnau

Gilbert und Olegs Fahrieté verwandelt das Dorf zusammen mit dem Zirkus Chnopf in ein Theaterfestival. Der Spielort ist nicht zufällig gewählt: Zwei Protagonisten sind hier aufgewachsen.

Das cloweneske Duo: Gilbert und Oleg alias Andreas Vettiger und Dominik Rentsch (v. r.)

Das cloweneske Duo: Gilbert und Oleg alias Andreas Vettiger und Dominik Rentsch (v. r.)

(Bild: zvg)

Langnau wird zum Zirkusschauplatz der etwas anderen Art. Im Rahmen des Kultursommers machen der Zirkus Chnopf und Gilbert und Olegs Fahrieté für fünf Tage halt auf dem Vieh- und Pferdemarktplatz. Das Fahrieté ist ein fahrendes Kleintheater in einem Zirkuswagen, in welchem das clowneske Duo seine fünf neusten Stücke aufführen wird.

Im Wagen selbst finden 40 Zuschauer Platz. «Auf der gedeckten Aussenbühne können wir 150 Zuschauer bespielen», sagt Dominik Rentsch von Gilbert und Oleg. Der ausgebildete Bewegungsschauspieler ist in Langnau aufgewachsen und lebt heute mit seiner Familie und zwei Hasen in Freiburg im Breisgau.

Ständig unterwegs

«Ein Feuerwerk von Komik, Artistik, Musik und Poesie für die ganze Familie» will er nun nach Langnau bringen. Wobei auf mehreren Bühnen Spektakel dargeboten werden und auch für das leibliche Wohl gesorgt wird. «Das Dorf gehört seit Beginn zu unseren Gastspielorten, und wir werden dort immer mit offenen Herzen empfangen», freut sich der 44-Jährige.

Bereits seit zwanzig Jahren ist das Duo mit dem einzigartigen Kleintheater auf Rädern unterwegs. Die Faszination an der Zirkuswelt und das ständige Unterwegssein, hat die beiden zusammengeführt. Dank der Kleinheit des Unternehmens können sie ihr Fahrieté zwischen Miststock und Apfelbäumen stationieren und so auch kleinen Dörfern die Türen zu einem Theater öffnen.

Ja, man kann davon leben

«Zu unserer Freude haben wir ein sehr breites Publikum: Erwachsene, Kinder, Familien aus allen Gesellschaftsschichten.» Der Fahrieté-Verein, welcher von Kleinkunstfreunden getragen wird, finanziert den Unterhalt der Traktoren und Zirkuswagen. Und so können sowohl Dominik Rentsch als auch sein Clown-Partner Andreas Vettiger haupt-beruflich von ihrem Theaterschaffen leben.

Vom Zirkus infiziert: Der Langnauer Konrad Utzinger in Aktion. Foto: Yaran Buergi.

Nebst den ­Einnahmen von Aufführungen erhalten sie Produktionsbeiträge von Institutionen und Gemeinden. «Wir wenden uns auch immer mehr der pädagogischen Arbeit in Form von Kursen oder durch Begleiten von Schulprojekten zu», ergänzt Rentsch.

Das Zirkusvirus

Nebst Rentsch besucht ein weiterer ehemaliger Langnauer sein Heimatdorf: Konrad Utzinger vom Zirkus Chnopf. Bereits als Kind wurde er «vom Zirkusvirus infiziert» und startete seine Karriere als Jugendlicher Artist beim Zirkus Chnopf. Später besuchte er die damals einzige Schweizer Zirkusschule in Sitten. «Nicht nur von Aufbauen, Abbauen, Weiterziehen war ich angetan, mich hat auch fasziniert, dass die Akrobaten, Jongleure und Clowns als Gruppe am gleichen Strick ziehen, um etwas Ungewöhnliches, Farbiges in den Alltag der Menschen zu bringen», sagt der 35-Jährige, der mittlerweile in Zürich wohnt.

Nach einer Schweizer Tournee mit dem Zirkus Starlight und eignen Artistik- und Kleinkunstprojekten ging er schliesslich «back to the roots», zurück zu den Wurzeln also, und übernahm die Gesamtleitung des Zirkus Chnopf in Zürich. Es handelt sich dabei um einen gemeinnützigen Verein, der den zeitgenössischen Zirkus und insbesondere dessen Nachwuchs fördert.

«Die Kombination von Leitung, Organisation und Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs gefällt mir ebenso wie das Leben im Zirkusquartier und die Arbeit auf der Bühne.» Auf Letzterer wird der Zirkus Chnopf in Langnau sein Programm «Gugus» darbieten, bei welchem Artistik, Tanz und Slapstick ineinanderfliessen.

1. Langnauer Marktplatz Theaterfestival:8. bis 12. August, Viehmakt/Pferdemarkt, Eintritt frei (Kollekte), Reservation Fahrieté/Märchenmobiliothek: 032 944 22 43 oder fahriete@sunrise.ch.

Berner Zeitung

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