Ein Zürcher Date mit Frankie Boy

Einst war Stephen Triffitt Verkäufer, dann sang er in einer Karaokebar «New York, New York». Seither gilt er als bester Frank-Sinatra-Imitator.

Whiskey, Witz und Women: Bei Stephen Triffitts Frank Sinatra ist der Lebemann gespielt. Foto: Urs Jaudas

Whiskey, Witz und Women: Bei Stephen Triffitts Frank Sinatra ist der Lebemann gespielt. Foto: Urs Jaudas

Auf diese Chance hatten zig Frauen ein Leben lang gewartet: Einmal mit Frank Sinatra Kaffee trinken, ganz allein mit ihm. Wegen seiner Stimme, seiner blauen Augen, seines Sex-Appeals. Dann sitzt er einem im Backstage-Bereich der Maag-Halle gegenüber. «Hello, I’m Stephen», sagt er und nippt an einem doppelten Espresso. Seine blauen Augen sind eine Wucht, der hölzerne Klang der Stimme lässt einen schaudern, doch der vermeintliche Womanizer wirkt mehr müde als cool. Trotzdem, Stephen Triffitt (51) geht als Verkörperung der Swinglegende durch. Er mimt den Sänger seit über 20 Jahren und hat mit seinen Auftritten in London, Las Vegas und auf seinen Tourneen grosse Erfolge gefeiert. Nun ist er eben in Zürich gelandet, um bis Ende November in «The Definitive Rat Pack» den Sinatra zu geben.

Im Smoking zum Unterhalter

«Mein Frank Sinatra auf der Bühne, das bin ich, nur mit einem amerikanischen Akzent», sagt der Brite Triffitt. Man glaubt dem ruhigen Gegenüber, der auf einer Insel mitten in der Themse wohnt, nur halb. Sobald er sich das weisse Hemd zuknöpfe und in seinen Tuxedo, sprich Smoking, schlüpfe, gehe er aufrechter, bewege sich bewusster und werde zum Unterhalter. «Dann fühle ich mich selbstsicher genug, um den ganzen Saal mit der Show und der Stimme einzunehmen.» Genau das zeichnet ihn als Sinatra-Imitator aus. Robbie Williams habe stimmlich nie ganz mithalten können, Michael Bublé sei noch zu jung. «Yes, I am supposed to be the best», sagt Triffitt, lacht und wirkt erstmals charmant. Aber es stecke auch eine Menge Arbeit dahinter, schiebt er nach.

Es war in einer Nacht auf Teneriffa vor über 20 Jahren. Triffitt war dort Verkäufer und Hausmann und verbrachte den Abend mit Freunden in einer Karaokebar. Hier getraute er sich das erste Mal, in ein Mikrofon zu singen. «New York, New York» von Frank Sinatra sollte es sein. Die Musik des Meisters kannte Triffitt, seit er 13 Jahre alt war. Während seine Freunde der Rockmusik von Beatles und Stones gefrönt hatten, lauschte Triffitt der Platte «Classic Sinatra». Gesungen hatte er die Gute-Laune-Musik bis zum Abend in der Karaokebar aber nur heimlich.

Seine Freunde in der Bar waren hin und weg von Triffitts Stimme und ermunterten ihn, mehr aus seinem Talent zu machen. «Zum Glück war ich an jenem Abend betrunken, sonst hätte ich kaum gesungen», sagt er. Trinkt er gerne? Wie Frankie Boy? Ja, sagt Triffitt, aber nicht so exzessiv wie sein Vorbild, und keinen Jack Daniel’s, sondern den irischen Jameson. Rauchen tue er auch.

Triffitt scheitelte also sein Haar wie Frankie Boy und klopfte bei einer britischen Talentshow an. Diese katapultierte ihn direkt an die Spitze und in die Staaten, als Darsteller in einem Sinatra-Musical. 2002 stieg Triffitt in die erste «Rat Pack»-Produktion ein, jene Show, die dem Sänger-Trio Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. Tribut zollt. Die Rattenmeute war in den 60er-Jahren bekannt für ihre Alkoholexzesse und Gelage. Sie bestritt im legendären Sands-Hotel in Las Vegas Bühnenshows, die ein Mix aus Musik, Kabarett und Interaktion mit dem Publikum waren. Nach einer von Triffitts Shows kam Tina Sinatra, die Tochter des Meisters, auf ihn zu und stellte sich als seine, Triffitts Tochter, vor. «Ein grösseres Kompliment gibt es nicht», sagt der Imitator.

Professionell geschult hat Triffitt seine Stimme nie, Bücher über Sinatra liest er keine. Er holt sich einzig Tipps bei all jenen, die Sinatra gekannt hatten. Die Schauspielerin Stefanie Powers riet ihm beispielsweise, sich auf der Bühne weniger zu bewegen.

Seit zehn Jahren ist Triffitt nun mit Dean-Martin-Interpret Mark Adams und George Daniel Long alias Sammy Davis Jr. unterwegs. In Zürich zeigen sie in «The Definitive Rat Pack» die kabarettistische Show von einst und werden begleitet von einem neunköpfigen Orchester und drei Sängerinnen.

Und wo bleibt der Frauenheld Triffitt? «Ach, ich bin viel unterwegs, habe kaum Zeit. Frauen interessieren mich sicher weniger, als sie es Sinatra taten», sagt er, lacht und steht auf. Er müsse los, um sein Hemd zu bügeln – etwas, das Sinatra sicher nie selber gemacht habe.

The Definitive Rat Pack, Zürich, Maag-Halle, bis 30. November.

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