Eine neue Ära kündigt sich an

Serie A Die italienische Liga befindet sich im Aufschwung. Die Mailänder Klubs wollen mit ihren chinesischen Besitzern zurück an die Spitze. Der Kampf um den Titel verspricht Spannung.

Hoffnungsträger: Zugang Leonardo Bonucci wird bei Milan vorgestellt.

Hoffnungsträger: Zugang Leonardo Bonucci wird bei Milan vorgestellt.

(Bild: Keystone)

In Italien dachten sie zuletzt mit Wehmut an die Zeiten der «sette sorelle», der sieben Schwestern, zurück. Es waren die Zeiten zum Ende der Neunzigerjahre und die erste Phase nach der Jahrtausendwende. Die «sieben Schwestern» waren die sieben Grossklubs, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen antrieben. Zwischen 1998 und 2001 holten vier verschiedene Vereine den Scudetto (Juventus, Milan, Lazio Rom, AS Roma). In der gleichen Zeitspanne gewannen drei Klubs einen europäischen Titel (Inter, Parma, Lazio). Zudem wurde die Serie A zwischen 1999 und 2002 stets am letzten Spieltag entschieden. Tempi passati. Seit 2012 hiess der Meister immer ­Juventus Turin, und der Titelgewinn stand jeweils vorzeitig fest.

Juventus erfährt Konkurrenz

Doch nun kündigt sich eine neue Ära an. Die beiden Mailänder Vereine Milan und Inter wollen zurück an die Spitze, Napoli wird so oft als Titelanwärter genannt wie seit den Zeiten von Diego Maradona nicht mehr, und auch die AS Roma will nach sieben zweiten Plätzen in den letzten zwölf Jahren endlich zum grossen Wurf ausholen.

Entscheidend wird die Beantwortung solcher Fragen sein: Wie stark ist die alternde Juventus-Defensive nach dem Abgang von Abwehrpatron Leonardo Bonucci? Wie gut arbeitet der neue Roma-Trainer Eusebio Di Francesco nach Jahren in der Provinz (Sassuolo) in der hektischen Hauptstadt? Ist das Kader Napolis breit genug, um in der Serie A und der Champions League eine wichtige Rolle zu spielen? Wie schnell findet die mit Transfers für weit über 200 Millionen Euro und mit zehn neuen potenziellen Stammspielern zusammengestellte AC Milan zu einem Kollektiv? Kann der neue Inter-Trainer Luciano Spalletti be­weisen, dass die in der letzten Saison enttäuschenden Mailänder (7. Platz) nicht nur auf dem Papier hochkarätig besetzt sind?

Während Inter seit einem Jahr im Besitz des chinesischen Elek­trounternehmens Suning ist, besass das «neue» Milan in diesem Jahr fast ein Monopol auf die (Sommer-)Schlagzeilen. Keine Woche verging, in der nicht ein neuer Spieler präsentiert wurde. Vor allem die Verpflichtung von Bonucci, einem der weltweit besten Verteidiger, sowie die Vertragsverlängerung mit dem grossen Goalietalent Gianluigi Donnarumma sorgten für Aufsehen. Aber auch der Zugang des Schweizers Ricardo Rodriguez stimmte die Fans zuversichtlich.

Geld auf Pump

Doch wer bezahlt das alles, in Wirklichkeit? Auf den ersten Blick die chinesischen Investoren um den Klubpräsidenten Li Yonghong. Genau genommen aber eigentlich der amerikanische Hedgefonds Elliott, der den Chinesen zunächst Geld für die letzte Rate des Kluberwerbs, danach für die Tilgung der Schulden aus der letzten Saison und zum Schluss noch für die Sommertransfers lieh. Diese Leihgeschäfte wurden nötig, weil die chine­sische Regierung seit Monaten Auslandszahlungen blockiert. Insgesamt geht es um rund 500 Millionen Euro, welche bis in 24 Monaten samt horrenden Zinsen in Höhe von bis zu 11 Prozent zurückgezahlt sein sollten.

Vorderhand drückt die Uefa betreffend Financial Fairplay beide Augen zu. Den Businessplan mit grossen Marketingumsätzen in Ostasien und baldigen Einnahmen aus Champions-League-Teilnahmen erachten die Analysten in Nyon offenbar als seriös. Doch ist die neu zusammengestellte Squadra zum Erfolg verdammt. Mindestens Platz 4 und damit die Qualifikation für die Champions League 2018/2019 muss Milan erreichen.

Euphorie bei Milan

Während einige Beobachter aus der Finanzwelt die Geschäfte rund um Milan kritisch beäugen, hat die Tifosi eine Welle der Euphorie erfasst, welche mit den ersten Jahren der Ära von Silvio Berlusconi (1986 bis 2017) verglichen wird. Nach jahrelanger Magerkost lechzen die Milan-Fans nach Champagnerfussball. Für das erste Pflichtheimspiel, das Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Uni Craiova, strömten 65 763 Zuschauer ins San Siro.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt