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Lauberhornrennen ohne Zuschauer«Eine riesige Vorfreude ist sicher nicht vorhanden»

Die Lauberhornrennen vom 17. bis 19. Januar werden ohne Zuschauer stattfinden. Für OK-Präsident Urs Näpflin kommt der Entscheid nicht überraschend.

Urs Näpflin, OK-Präsident der Lauberhornrennen.
Urs Näpflin, OK-Präsident der Lauberhornrennen.
Foto: Bruno Petroni

Nun ist es Gewissheit: Die alpinen Weltcup-Anlässe in der Schweiz werden im bevorstehenden Winter ohne Zuschauer durchgeführt. Dies gaben Swiss-Ski und verschiedene Organisatoren am Freitag in einer Mitteilung bekannt.

Davon betroffen sind auch die Internationalen Lauberhornrennen in Wengen vom 17. bis 19. Januar. Der Entscheid habe sich in zahlreichen Gesprächen abgezeichnet, die in den letzten Wochen stattfanden, sagt Urs Näpflin, OK-Präsident der Lauberhornrennen, auf Anfrage. «Der Beschluss hat sich dadurch vereinfacht, dass die nationale Corona-Lage derzeit in eine falsche Richtung geht», sagt er. Ein Anlass mit vielen Zuschauern in Wengen sei derzeit undenkbar.

«Mit dem üblichen Skifest würde Wengen möglicherweise zu einem zweiten Ischgl», sagt Näpflin. Als Corona-Hotspot, der massgeblich zur Verbreitung des Virus in Europa beigetragen habe, geriet der Tiroler Wintersportort im Frühling in die Schlagzeilen. So etwas dürfe in Wengen nicht passieren, sagt Näpflin. «Welche medialen Auswirkungen dies haben würde, mag ich mir gar nicht vorstellen.»

Immerhin: Defizit ist abgedeckt

Ein positiver Punkt des jüngsten Entscheids sei die Planungssicherheit. Ein Grossteil der Infrastrukturen braucht nicht aufgebaut zu werden, womit das finanzielle Risiko für die Organisatoren weit geringer ausfällt. Wie sich der Beschluss konkret auf das Budget der Lauberhornrennen auswirkt, ist noch nicht im Detail klar. Beispielsweise sei man mit einigen Sponsoren noch in Gesprächen.

Klar ist jedoch, dass mit den Zuschauern eine wichtige Einnahmequelle wegbricht. Gemäss Näpflin rechnet man in Wengen aufgrund der Mindereinnahmen mit einem Minus von rund zwei Millionen Franken. Das Defizit wird durch das Stabilisierungspaket des Bundes beglichen. «Die schriftliche Zusicherung liegt uns vor», sagt Näpflin. Die Tranche 2020 dieses Pakets, in das sämtliche Veranstalter unter der Federführung von Swiss-Ski eingebunden sind, wurde von den eidgenössischen Räten bereits beschlossen; die Tranche 2021 wird im Dezember behandelt.

Schutzmassnahmen als Zusatzaufwand

Einen massiven Zusatzaufwand bedeutet für das Lauberhorn-OK die Umsetzung des Schutzkonzepts, das ebenfalls in Zusammenarbeit mit Swiss-Ski ausgearbeitet wird. Sämtliche Athleten und Betreuer müssen mit einem negativen Testergebnis anreisen oder sich direkt vor Ort testen lassen, wofür in Wengen ein Covid-19-Testzentrum eingerichtet wird. Auch diese Kosten sind durch das Stabilisierungspaket abgedeckt. «Athleten und Teams werden sich in einer eigenen Blase bewegen, ohne Kontakt zu den Organisatoren», sagt Näpflin. Auf Zeremonien wird verzichtet; im Zielraum wird es nur kleine Siegerehrungen geben.

Kann sich der OK-Präsident unter all diesen Umständen überhaupt auf die Rennen freuen? «Eine riesige Vorfreude ist sicher nicht vorhanden, denn man kann es sich einfach nicht vorstellen», sagt Urs Näpflin. «All die Emotionen, als Beat Feuz im vergangenen Januar mit Bestzeit über die Ziellinie fuhr. Wenn er nun erneut Bestzeit fährt, ist da einfach nichts, keine Fans, keine Stimmung.» Letztlich stehe aber der Sport im Vordergrund – beispielsweise müssen sich die Athleten auch für die Weltmeisterschaft vom Februar in Cortina qualifizieren.