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Interview mit legendärer Werberin «Entscheidend war, dass ich die Männer nicht als Feinde betrachtete»

Vor 50 Jahren hat Doris Gisler Truog (93) geschafft, woran viele gescheitert waren: skeptische Männer von einem Ja zu überzeugen. Warum sie trotzdem heftig kritisiert wurde, erzählt sie im Interview.

Doris Gisler Truog mit dem Plakat zur Ja-Kampagne, die sie 1969 entwickelt hat.
Doris Gisler Truog mit dem Plakat zur Ja-Kampagne, die sie 1969 entwickelt hat.
Foto: Samuel Schalch 

Wann haben Sie zum ersten Mal so richtig realisiert, dass Sie nicht gleichberechtigt sind?

Es war nicht das erste Mal, aber ein Schlüsselerlebnis, als mein erster Mann Kaspar Gisler Ende der Fünfzigerjahre beschlossen hatte, mich zur gleichberechtigten Partnerin seiner Werbeagentur zu machen. Ich musste dafür jedoch das Einverständnis der Amtsvormundschaft haben. Das zweite Schlüsselerlebnis war, als ich eine Arbeitserlaubnis für eine philippinische Hausangestellte beantragte und eine Ablehnung erhielt, in der wörtlich drinstand: Wenn Frau Gisler mit ihren Töchtern in eine kleinere Wohnung ziehen würde, würde sie keine Hausangestellte brauchen. Das war, nachdem mein Mann tödlich verunglückt war, also nach der Abstimmung 1971, als ich alleine unsere Werbeagentur weiterführte und unsere beiden Töchter grosszog. Einem Mann hätte man so etwas nie geschrieben.

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