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Wegen Quarantäne-GefahrErste Berner Fussballer verzichten auf ihr Hobby

Der Drittligist FC Oberdiessbach musste nach einem positiven Corona-Fall eines gegnerischen Teams zehn Tage in Quarantäne. Einige Spieler bleiben dem Fussball nun fern.

Dario Wüthrich vom FC Oberdiessbach wird künftig Abstand von seinem geliebten Hobby nehmen.
Dario Wüthrich vom FC Oberdiessbach wird künftig Abstand von seinem geliebten Hobby nehmen.
Foto: Christian Pfander 

Dario Wüthrich spielt seine 17. Saison beim Drittligisten FC Oberdiessbach. Nun ist plötzlich Schluss für das 33-jährige Urgestein. «Ich bin zwar ein leidenschaftlicher Fussballer, aber ich kann es mir nicht leisten, nochmals in Quarantäne zu müssen», sagt der 180 Zentimeter grosse Innenverteidiger. Und fügt hinzu: «Dafür ist mir der Sport dann doch zu wenig wichtig.»

Bereits mehrere Berner Equipen wie Meiringen, Münsingen, Köniz oder Roggwil mussten in den letzten Wochen wegen positiver Covid-19-Tests in eine zehntägige Quarantäne. Dann traf es auch die beiden Drittligisten Dürrenast und Oberdiessbachnach einem positiv getesteten Spieler von Dürrenast.

«Aus Rücksicht gegenüber meiner Familie und dem Arbeitgeber höre ich mit dem Fussballspielen auf.»

Dario Wüthrich

Weil die beiden Teams zuvor eine Meisterschaftspartie gegeneinander ausgetragen hatten, verhängte der Kantonsarzt den Oberdiessbachern ebenfalls eine Quarantäne. Dario Wüthrich sagt: «Ein gegnerisches Team in die Quarantäne zu stecken, erachte ich als übertrieben.»

Kurios: Jene Spieler, die 90 Minuten auf der Bank gesessen sind, durften sich weiterhin frei bewegen. Dies, obwohl diese drei Akteure zusammen mit den anderen Teamkollegen anschliessend in der Garderobe waren und wegen eines Geburtstages mit einem Bier angestossen haben. «Völlige Willkür», findet Oberdiessbach-Trainer Markus Aeschbacher, der selbst auch nicht in Quarantäne musste.

Übrigens: Keiner der Spieler vom FC Oberdiessbach hatte in den letzten zehn Tagen Symptome aufgewiesen und alle konnten am Mittwochmorgen gesund aus der Quarantäne.

Wenn der Coach am Donnerstagabend zum ersten Training nach der Quarantäne bittet, wird er auf seinen Routinier Dario Wüthrich verzichten müssen. Der Oberdiessbacher arbeitet in einem kleinen Betrieb als Innen-/Aussendienstmitarbeiter und konnte während der Quarantäne nicht arbeiten. «Aus Rücksicht gegenüber meiner Familie und dem Arbeitgeber höre ich mit dem Fussballspielen auf», erzählt der zweifache Familienvater.

Mehrere Spieler geben Hobby auf

Wüthrich ist aber nicht der Einzige, der im Training fehlen wird. Drei weitere Akteure haben Trainer Aeschbacher mitgeteilt, dass sie entweder aus beruflichen oder schulischen Gründen ihr Hobby vorerst aufgeben werden.

«Ich weiss zurzeit aber nicht, ob ich noch ein konkurrenzfähiges Team zusammenstellen kann.»

Oberdiessbach-Trainer Markus Aeschbacher

Einer absolviert eine Weiterbildung als Sozialversicherungsfachmann und darf seine anstehenden Prüfungen im Oktober auf keinen Fall verpassen. Ein anderer arbeitet in einer Garage als Automobil-Mechatroniker. Weil Homeoffice für ihn nicht möglich ist, möchte er sich der erneuten Quarantäne-Gefahr, die im Fussball lauert, nicht nochmals aussetzen. Der Dritte ist Landwirt und will sich auch nicht mehr isolieren müssen.

«Ich verstehe die Jungs absolut», sagt Coach Aeschbacher. «Ich weiss zurzeit aber nicht, ob ich noch ein konkurrenzfähiges Team zusammenstellen kann.» Dieses Dilemma will die Mannschaft am Donnerstagabend im Training klären. Am kommenden Samstag bestreitet Oberdiessbach nämlich das nächste Pflichtspiel gegen EDO Simme.

Zieht sich Oberdiessbach zurück?

Im Extremfall steht sogar ein Rückzug aus der Meisterschaft im Raum. «Ein solches Szenario wollen wir wenn möglich verhindern, doch realistisch ist es», bemerkt Aeschbacher. Vorerst soll das ausgedünnte Kader mit Spielern aus der zweiten Mannschaft oder Junioren aufgefüllt werden.

«Von der Fairness her wäre es richtig, die Meisterschaft abzubrechen.»

Dario Wüthrich

Oberdiessbach bewegte sich in den letzten Jahren in der oberen Tabellenregion, ein Abstieg wäre demnach «ein Schlag ins Gesicht», wie ein Spieler sagt, der ebenfalls dem Fussball fernbleiben wird.

Andere Akteure hinterfragen derweil, ob es so Sinn macht, die Saison weiter- beziehungsweise fertigzuspielen. «Von der Fairness her wäre es richtig, die Meisterschaft abzubrechen», findet Wüthrich.

Verband sieht noch keine Notsituation

Im Falle eines erneuten Abbruchs hat der Schweizerische Fussballverband vorgesorgt und festgelegt, dass mindestens die Hälfte der Saison gespielt werden muss, damit die Meisterschaft gewertet wird. «Von einem Abbruch sind wir weit entfernt. Der Meisterschaftsbetrieb ist zwar von Covid-19 betroffen, mehrere Spiele mussten bereits verschoben und neu angesetzt werden. Dennoch sind wir im Zeitplan», sagt Kurt Bieri, Leiter Spielbetriebsadministration beim Fussballverband Bern-Jura.

Wenn jedoch immer mehr Teams in Quarantäne müssen, dürfte sich das bald ändern.