«Es wäre gelogen zu sagen, dass es mit Galladé nie Differenzen gab»

Die kantonale SP-Präsidentin Priska Seiler Graf kann nicht verstehen, dass Chantal Galladé die Partei verlässt.

Plötzliche entfremdet: Die Winterthurerin Chantal Galladé ist nicht die einzige Politikerin, die mit ihrer Partei im Clinch lag.

Wann haben Sie von Chantal Galladés Plänen erfahren?
Gestern am späten Abend. Sie hat uns per E-Mail informiert.

Was war Ihre Reaktion?
Ich bedaure den Parteiwechsel sehr. Chantal Galladé ist eine wichtige Figur in der Partei und hat ihr ein Gesicht gegeben.

Was ändert sich jetzt?
Im Moment nichts, da Chantal Galladé kein Interesse für ein weiteres politisches Amt hat.

Kam der Parteiwechsel überraschend?
Ja. Ich habe nicht gewusst, dass sie einen Austritt plant. Ich war glücklich, dass Chantal Galladé nach ihrer Zeit im Nationalrat die Stelle als Kreisschulpräsidentin erhielt. Dort macht sie einen guten Job. Aber klar, es wäre gelogen zu sagen, dass es nie inhaltliche Differenzen gab. Chantal Galladé stand ja eher am rechten Rand der SP. Die innerparteilichen Diskussionen habe ich aber immer als konstruktiv wahrgenommen. Sie waren stets auf der inhaltlichen und nicht auf der persönlichen Ebene.

Fühlen Sie sich vor den Kopf gestossen?
Die SP hat Chantal Galladé immer unterstützt. Viele Ämter hat sie wegen der Partei erhalten. Persönlich kann sich jemand auch entwickeln. Deshalb verurteile ich den Wechsel nicht, aber bedaure ihn sehr.

Gibt es in der SP zu wenig Spielraum für rechte sozialliberalere Positionen? Ich empfinde das nicht so. Die SP ist eine breite Partei, da muss jeder Flügel mal zurückstecken können. Sowohl der linke als auch der rechte Flügel der SP sind wichtig. Ich selbst war auch radikaler, als ich noch jünger war, wollte die Armee abschaffen. Jetzt bin ich gemässigter geworden. In der SP ist eine solche Entwicklung möglich. Ich persönlich dachte nie, dass ich am falschen Ort bin.

Corina Gredig, die Co-Präsidentin von Chantal Galladés neuer Partei, sagte, dass die GLP alle willkommen heisse, denen die Linken zu stur und zu ideologisch seien. Ist die SP das?
Alle Parteien haben Ideologien. Die GLP auch. Aber ja, wir haben Grundwerte, wir stehen für eine soziale Schweiz ein und sind eine linke Partei.

Chantal Galladé gab ihren Parteiwechsel kurz vor den Wahlen im Kanton Zürich bekannt. Wird das einen Einfluss haben?
Innerparteilich sind wir gut aufgestellt und haben ein klares Ziel. Am vergangenen Samstag hatten wir ein Fest: Die Stimmung ist gut. Auch dass wir das Hundegesetz- und das Wassergesetzreferendum gewonnen haben, beflügelt uns. Was der Weggang von Chantal Galladé bei den Wählerinnen und Wählern auslöst, kann ich nur spekulieren.

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