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Wahlen im AargauGrüne Parteien sind die grossen Sieger, SVP bleibt grösste Fraktion

Bei den Grossratswahlen holen die Grünliberalen und die Grünen insgesamt 10 neue Sitze. Die SVP verliert zwei Sitze, holt jedoch 30,3 Prozent der Wählerstimmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Kanton Aargau wurden der Regierungsrat und der Grosse Rat neu gewählt.

  • Die SP hat ihren Sitz in der Kantonsregierung mit Dieter Egli verteidigt.

  • Bei der Wahl des Parlaments holen die Grünliberalen und die Grünen insgesamt 10 neue Sitze.

  • Die SVP verliert zwei Sitze, bleibt aber grösste Fraktion im Parlament.

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Zusammenfassung

Im Kanton Aargau haben die GLP und die Grünen die Grossratswahlen gewonnen. Sie legten deutlich zu. Verlierer sind die SP, SVP und FDP. Im Regierungsrat sitzen weiterhin nur Männer: Die SP verteidigte ihren freien Sitz auf Anhieb. Die grüne Kandidatin scheiterte.

«Erdrutsch» für Grüne Parteien

Bei den Grossratswahlen hat die GLP 6 Sitze gewonnen und kommt neu auf 13 Mandate. Die Partei legte um 4,0 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent zu. Die Grünen gewannen 4 Sitze und haben nun 14 Mandate, was einem Plus von 3,0 Punkten auf 10,0 Prozent entspricht.

Die GLP sprach auf Twitter von einem «Erdrutsch». «Ein tolles Resultat»: Das schrieben die Grünen Schweiz ebenfalls auf Twitter.

SP als grosse Verliererin

Mit einem Minus von 4 Sitzen ist die SP die grösste Verliererin. Sie kommt auf 23 Mandate. Sie büsste 2,4 Punkte ein und liegt noch bei 16,6 Prozent Wähleranteil. Vor vier Jahren war die SP mit einem Plus von 5 Sitzen noch die Wahlsiegerin gewesen.

Man habe nicht mit den Verlusten gerechnet, sagte Kantonalpräsidentin und Nationalrätin Gabriela Suter im Regionalsender Tele M1.

SVP weiterhin grösste Fraktion

Die SVP muss 2 Sitze abgeben, bleibt jedoch mit 43 Sitzen die grösste Fraktion. Sie büsste um 1,6 Prozentpunkte ein und liegt nun bei 30,3 Prozent. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», sagte Kantonalpräsident und Nationalrat Andreas Glarner im Radio SRF.

Konstante Mitte

Die FDP verlor einen Sitz und kommt noch auf 21 Mandate. Sie büsste 1,3 Punkte ein und landete bei 14,7 Prozent. Die CVP legte um einen Sitz auf 18 Mandate zu, was einem Plus von 0,7 Punkten auf 12,8 Prozent entspricht.

Die Partei hatte gehofft, davon zu profitieren, dass die BDP nicht mehr antrat. Die BDP hatte 2016 noch 4 Sitze erobert. Zwei BDP-Grossräte wechselten in diesem Jahr zur CVP. Die EVP behält ihre 6 Sitze, ebenso die EDU ihre 2. Der Grosse Rat zählt 140 Sitze.

Die neue Sitzverteilung: SVP 43 (-2), SP 23 (-4), FDP 21 (-1), CVP 18 (+1), Grüne 14 (+4), GLP 13 (+6), EVP 6 (-), EDU 2 (-). Die Wahlbeteiligung betrug 33,0 Prozent.

Einzig Männer in der Regierung

Der Regierungsrat besteht in den kommenden vier Jahren aus fünf Männern. SP-Fraktionspräsident Dieter Egli hat den den freien SP-Sitz auf Anhieb verteidigt. Die Kandidatin der Grünen übersprang das absolute Mehr. Sie scheidet jedoch als Überzählige aus. Dem Regierungsrat gehören weiterhin zwei SVP-Vertreter an sowie je ein Vertreter von CVP, FDP und SP. Die vier bisherigen Regierungsräte wurden im Amt bestätigt.

SVP bleibt grösste Fraktion

Die SVP muss 2 Sitze abgeben, bleibt jedoch mit 43 Sitzen die grösste Fraktion. Sie büsste um 1,6 Prozentpunkte ein und liegt nun bei 30,3 Prozent.

Die FDP verlor einen Sitz und kommt noch auf 21 Mandate. Die CVP legte um einen Sitz auf 18 Mandate zu. Die EVP behält ihre 6 Sitze, ebenso die EDU ihre 2. Der Grosse Rat zählt 140 Sitze.

Die neue Sitzverteilung: SVP 43 (-2), SP 23 (-4), FDP 21 (-1), CVP 18 (+1), Grüne 14 (+4), GLP 13 (+6), EVP 6 (-), EDU 2 (-). Nicht mehr angetreten ist die BDP, die 2016 noch 4 Sitze erobert hatte.

GLP und Grüne holen 10 neue Sitze

Bei den Grossratswahlen hat die GLP 6 Sitze gewonnen und kommt auf 13 Mandate. Die Grünen legen um 4 auf 14 Sitze zu. Die SP verlor 4 Sitze und kommt auf 23 Mandate.

Guyer: «Das ist nicht mehr zeitgemäss»

Die Kandidatin der Grünen, Christiane Guyer, übersprang bei den Regierungsratswahlen zwar das absolute Mehr von 60'103 Stimmen. Die Stadträtin von Zofingen scheidet aber als Überzählige aus.

Sie zeigte sich über den Ausgang der Wahl sehr enttäuscht. Es ärgere sie, dass der Aargau weiterhin eine Männerregierung habe, sagte Guyer im Radio SRF: «Das ist einfach ein Rückschritt – und es ist einfach nicht mehr zeitgemäss.»

Christiane Guyer und Daniel Hölzle, Parteipräsident der Aargauer Grünen, werden interviewt.
Christiane Guyer und Daniel Hölzle, Parteipräsident der Aargauer Grünen, werden interviewt.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Es sei schade, dass die Grünen gemeinsam mit der SP nicht zwei Sitze in der Regierung erobert hätten, sagte Grünen-Präsident Daniel Hölzle: «Es ist halt der Aargau.»

Der Aargau als bevölkerungsmässig viertgrösster Kanton ist kein Sonderfall. Auch den Regierungen in den Kantonen Luzern und Uri gehören einzig Männer an.

Frauen haben schweren Stand

Das gleiche Schicksal wie Guyer hatte vor 20 Jahren bereits die damalige FDP-Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer ereilt. Nach acht Jahren schaffte sie die Wiederwahl nicht. Sie überschritt das absolute Mehr – und belegte ebenfalls den sechsten Platz.

Dem Regierungsrat gehörten neben Mörikofer bislang nur zwei Frauen an. Das waren Susanne Hochuli (Grüne), die während acht Jahren im Amt war. Die glücklose Franziska Roth (Ex-SVP) trat nach kurzer Amtszeit im Juni 1999 zurück. Die SP versuchte mehrfach mit einer Frau, einen zweiten Sitz in der Regierung zu erobern.

SP verteidigt Sitz

Die SP hat im Kanton Aargau ihren freigewordenen Sitz in der Kantonsregierung verteidigt. Gewählt wurde Dieter Egli. Die vier bisherigen Regierungsräte von SVP (2 Sitze), CVP und FDP wurden bestätigt. Der Regierung gehören einzig Männer an.

Das beste Resultat erzielte Finanzdirektor Markus Dieth mit 95'611 Stimmen, dicht gefolgt von Baudirektor Stephan Attiger mit 95'404 Stimmen. Das absolute Mehr von 57'198 Stimmen übersprangen ebenfalls Bildungsdirektor Alex Hürzeler mit 87'413 Stimmen und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati mit 74'492 Stimmen.

Neu auf Anhieb in den Regierungsrat gewählt wurde SP-Fraktionspräsident Dieter Egli. Er erhielt 69'747 Stimmen. Er übernimmt den freiwerdenden Sitz von SP-Regierungsrat Urs Hofmann, der nicht mehr antrat.

Die Kandidatin der Grünen, Christiane Guyer, übersprang zwar das absolute Mehr von 60'103 Stimmen. Sie scheidet aber als Überzählige aus. Die Wahlbeteiligung betrug 32,3 Prozent.

Auf Anhieb in den Aargauer Regierungsrat gewählt: Dieter Egli (SP).
Auf Anhieb in den Aargauer Regierungsrat gewählt: Dieter Egli (SP).
Foto: Keystone
GLP und Grüne gewinnen, SP verliert

Bei den Aargauer Grossratswahlen gewinnen GLP und Grüne gemäss Zwischenergebnis Wähleranteile dazu. Auch die SVP kann mit einem leichten Plus rechnen. Die SP dürfte Anteile verlieren, ebenso die FDP.

Ausgezählt sind sechs der elf Bezirke. Demnach legt die GLP um 3,3 Prozentpunkte zu und kommt auf 8,6 Prozent. Die Grünen steigern ihren Wähleranteil um 2,4 Punkte auf 9,4 Prozent. Die SVP als wählerstärkste Partei steigert ihren Anteil gemäss Zwischenergebnis um 0,6 Punkte auf 32,5 Prozent.

Für die SP zeichnet sich ein Wählerverlust von 2,8 Prozentpunkten ab. Sie käme noch auf 16,0 Prozent. Die FDP verliert 1,1 Punkte und erhält 14,8 Prozent. Die CVP liegt praktisch unverändert bei einem Wähleranteil von 12,0 Prozent. Kaum verändert ist auch der Anteil der EVP mit 4,1 Prozent. Genaue Rückschlüsse auf die Sitzverteilung lassen diese Zahlen allerdings noch nicht zu.

Die aktuellen Zwischenergebnisse
SP-Egli auf Kurs

Es braucht wohl doch keinen zweiten Wahlgang, um alle fünf Aargauer Regierungsräte zu bestimmen. Nach vier ausgezählten Bezirken liegt der fünftplatzierte Dieter Egli (SP) rund 1300 Stimmen über dem absoluten Mehr. Seine Konkurrentin Christiane Guyer liegt über 2000 Stimmen hinter Egli.

Grüne Parteien im Aufschwung

100 mehrheitlich kleinere Gemeinden sind ausgezählt: Gemäss der «Aargauerzeitung» gewinnen die Grünliberalen bislang 3,3 Prozent, die Grünen 2,3. Die SVP bleibt ungefähr unverändert, SP und FDP verlieren.

Zweiter Wahlgang nötig?

Bei der Aargauer Regierungsratswahl zeichnet sich eine Bestätigung der vier bisherigen Regierungsräte von SVP (zwei Sitze), FDP und CVP ab. Für den freien SP-Sitz liefern sich der SP-Kandidat und die Kandidatin der Grünen ein enges Rennen.

Ausgezählt sind bislang vier der elf Bezirke. Das beste Resultat erzielte demnach Finanzdirektor Markus Dieth (CVP), dicht gefolgt von Baudirektor Stephan Attiger (FDP) und Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP). Das absolute Mehr schafft gemäss Zwischenergebnis auch Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati (SVP), der noch kein Jahr im Amt ist.

Der freie Sitz der SP dürfte erst im zweiten Wahlgang vergeben werden. SP-Kandidat Dieter Egli erzielte bislang mehr Stimmen als Christiane Guyer von den Grünen. Gemäss Zwischenergebnis könnte er das absolute Mehr schaffen.

Guyer ist die einzige Frau mit Wahlchancen. Schafft Egli das Rennen, gehört der Kantonsregierung keine Frau an. Die Wahlbeteiligung liegt unter 30 Prozent.

Grüne Welle wohl auch im Aargau

Die Endresultate zu den Parlamentswahlen werden zwar erst für 17 Uhr erwartet, erste Ergebnisse aus den Gemeinden lassen aber vermuten, dass Grüne und Grünliberale auch im Aargau zulegen.

Egli vor Guyer

Erste Zwischenergebnisse deuten darauf hin, dass alle vier bisherigen Regierungsratsmitglieder im Aargau wieder gewählt werden. Im Kampf um den fünften Platz hat Dieter Egli (SP) einen kleinen Vorsprung auf Christiane Guyer (Grüne) - die Aargauer Regierung könnte also ein reiner Männerklub bleiben.

Überblick über die Parteistärken
SVP auf dem Prüfstand

Bei der Wahl der 140 Mitglieder des bürgerlich dominierten Grossen Rates steht die SVP auf dem Prüfstand. Sie verfügt seit 12 Jahren über 45 Sitze und ist mit Abstand die grösste Fraktion. Bei der Nationalratswahl im Oktober 2019 verlor die SVP knapp 6,5 Prozentpunkte und landete bei einem Wähleranteil von 31,5 Prozent.

Die SP, mit 27 Sitzen die zweitgrösste Fraktion, ist leicht im Aufwärtstrend – wie bereits vor vier Jahren bei der Grossratswahl. Unterschiedlich ist der Trend bei FDP (22 Sitze) und CVP (17 Sitze). Vor vier Jahren legte die FDP leicht zu, büsste aber bei der Nationalratswahl Prozentpunkte ein. Gerade umgekehrt lief es der CVP.

BDP ist nicht mehr dabei

Die bürgerlichen Parteien erhoffen sich Sitzgewinne, weil die BDP (4 Sitze) nicht mehr antritt. Seit 12 Jahren sind die Grünen mit 10 Sitzen im Grossen Rat vertreten. Die Grünliberale Partei hält derzeit 7 Sitze. Bei der Nationalratswahl legten beide Parteien zu. Eine Konstante in der aargauischen Politik ist die EVP mit 6 Sitzen im Parlament.

Die Verteilung der 140 Sitze im Grossen Rat nach der Wahl 2016: SVP (45), SP (27), FDP (22), CVP (17), Grüne (10), GLP (7), EVP (6), BDP (4), EDU (2).

Die Parteien konnten keine Listenverbindungen eingehen, um sich Reststimmen zu sichern. Der Aargau setzt seit 2009 auf das Wahlsystem «Doppelter Pukelsheim».

Grüne machen SP Regierungsratssitz streitig

Zur Wiederwahl stellen heute im Aargau vier der fünf Regierungsräte. Das sind Finanzdirektor Markus Dieth (CVP), Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP), Baudirektor Stephan Attiger (FDP) und Jean-Pierre Gallati (SVP). Die Bisherigen können mit einer Bestätigung rechnen – auch Gallati, der sein Amt erst im Dezember nach der Ersatzwahl wegen des Rücktritts der glücklosen Regierungsrätin Franziska Roth (Ex-SVP) antrat.

Nach elf Jahren verabschiedet sich Justizdirektor Urs Hofmann (SP) aus dem Exekutivamt. Die Bürgerlichen bestreiten den SP-Sitz in der Regierung nicht. Die SP will mit Fraktionspräsident Dieter Egli weiterhin mitregieren. Wenn er gewählt wird, so gehören der Regierung einzig Männer an. Eine Männerregierung im bevölkerungsmässig viertgrössten Kanton verhindern – das wollen die Grünen: mit Christiane Guyer, Mitglied der Stadtregierung von Zofingen. Möglicherweise wird der freie fünfte Sitz erst bei der Stichwahl am 27. November vergeben.

Beginn des Live Tickers

sda/red

76 Kommentare
    Paul Gonseth

    Die Grünen und Grünliberalen als „grosse Sieger“? Das wäre doch ein sehr seltsames Sieger-Verständnis. Zusammen kommen die beiden Parteien auf 27 Sitze, grad mal 4 mehr als die SP allein. Die Sieger dieser Wahlen sind immer noch die SP und die SVP. Von einer grünen Welle zu sprechen, ist unsinnig. Es ist allenfalls ein Bächlein, in dem zurzeit etwas mehr Wasser fliesst.