Flöten gehen

Maria Künzli über ihre gelassene Zweitklässlerin und den fakultativen Blockflötenunterricht.

Die Sommerferien sind vorbei. Und ich gelassene Mutter einer gelassenen Zweitklässlerin. Was war das noch für ein Stress vor einem Jahr beim Schulanfang. Herzrasen, Zukunftsängste, Schweissausbrüche. Weinen in der Toilette. Weinen im Tram.

Dieses Jahr wissen wir, wies läuft. Nicken den nervösen Erstklässlereltern aufmunternd zu und winken unserem Kind zum Abschied locker ­hinterher. Wir gehören jetzt zu den Grossen.

Doch: Auch auf uns warten Herausforderungen. Probleme, die analysiert und gelöst werden wollen. Ein Problem haben wir uns selbst eingebrockt: Das Kind nimmt jetzt am fakultativen Blockflötenunterricht teil. Ja, das ist heute fakultativ. Bevor die Flöte im Haus war, fanden wir das eine gute Sache. Sagten zum Kind: «Weisch, Rhythmus und so.»

Nur spielt das Kind jetzt richtig gern Flöte. Es hüpft durch die Wohnung und flötet. Frühmorgens und spätabends. Und dazwischen auch. Das klingt fürchterlich falsch. Laut und piepsig und tinnitus­fördernd.

Wie kommen wir aus dieser Nummer bloss wieder heraus? Mit chinesischer Kriegsführung: Kannst du die Flöte nicht besiegen, umarme sie. Wir ­machen also mit. Die Flöten sind schnell besorgt, falsch spielen können wir auch. Frühmorgens und spätabends. Und dazwischen auch. Und ja, das macht richtig Spass. Ich kann jetzt «Alle meine Entchen» fast fehlerfrei, der Mann übt noch.

Nur das Kind hält von chinesischer Kriegsführung nicht so viel. Schlägt uns vor, doch mal wieder ein Buch zu lesen: «Weisch, Mama, Ruhe und so.»

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