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Start verschobenFlybair hofft nun auf Jungfernflug im Juli

Die neue Berner Fluggesellschaft hebt wegen der Corona-Krise vorerst nicht ab. Ihre Angestellten und jene des Flughafens Bern-Belp gehen in Kurzarbeit.

Flybair in der Luft: Das bleibt mindestens bis Juli eine Vision.
Flybair in der Luft: Das bleibt mindestens bis Juli eine Vision.
Foto: zvg

Die Geschichte des Belpmoos ist um einen Rückschlag reicher. Die neue Fluggesellschaft Flybair hat den geplanten Erstflug vom 2. Mai um zwei Monate hinausgeschoben. Grund ist die Corona-Krise, wie die Berner Airline am Freitag mitteilte.

«Wir wären gerne im Mai gestartet und hätten dies gekonnt. Wegen einer ausserordentlichen Lage, die nicht in unserer Verantwortung liegt, ist dies aber leider nicht möglich», sagte Flybair-Chef José González. Damit tritt er einem möglichen Vertrauensverlust gegenüber der neuen Airline entgegen. Tatsächlich haben weltweit Fluggesellschaften den Betrieb wegen der Pandemie reduziert oder eingestellt.

Vor zwei Wochen hatte Flybair am Start im Mai aber noch festgehalten. Jetzt bleibt nichts anderes übrig, als den Erstflug zu verschieben. Denn die Zielländer Griechenland, Italien und Spanien haben Einreisebeschränkungen erlassen. Zudem ist die Nachfrage eingebrochen: «Wie andere Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen stellen auch wir seit ein paar Wochen einen deutlichen Buchungsrückgang fest», sagte González. In den letzten Tagen gingen praktisch gar keine Buchungen mehr ein.

Am 2. Juli soll nun der Start erfolgen, sofern es die Situation bis dahin zulässt, wie der Flybair-Chef sagte. Er macht vorläufig keine Abstriche am geplanten Streckennetz für die erste Sommersaison. Ab Juli bis Oktober sollen weiterhin acht Mittelmeer-Destinationen ab Bern sowie die Strecke Sitten–Mallorca angeboten werden.

Kosten herunterfahren

Und wenn es doch nicht klappt? Geht dann Flybair schnell das Geld aus, nachdem sich rund 1400 Aktionäre an der Kapitalerhöhung auf 1,6 Millionen Franken beteiligt haben? Zwei Gründe sprechen dagegen. Erstens ist Flybair eine sogenannte virtuelle Fluggesellschaft. Sie verfügt selber über kein eigenes Flugzeug, sondern will eines samt Crew von Helvetic mieten. Diese Partnerschaft besteht weiterhin.

Für die gestrichenen Flüge im Mai und Juni muss Flybair aber nichts an Helvetic zahlen. Zudem wurden alle Aktivitäten reduziert, auch die Werbung. Und der eigene Personalbestand ist mit 2,4 Vollzeitstellen verteilt auf vier Personen klein. Konkret sind es Mitarbeitende der Flughafen Bern AG, die für Flybair tätig sind.

Kurzarbeit beantragt

Zweitens soll der Geldabfluss mit Kurzarbeit weiter gebremst werden. Nicht nur den Flybair-Mitarbeitern wird das Arbeitspensum gekürzt. Wegen der Corona-Krise hat die Flughafen Bern AG für die gesamte Belegschaft inklusive Kader und Geschäftsleitung Kurzarbeit beantragt. Das gab Flughafen-Chef Urs Ryf auf Anfrage dieser Zeitung bekannt. Betroffen seien fast 100 Mitarbeitende, die sich 56 Vollzeitstellen teilen. Ihr Arbeitspensum soll per 1. April um zwei Drittel reduziert werden.

Ryf ist überzeugt, dass das Kurzarbeitsgesuch genehmigt wird. «Wir fallen klar unter das Regime, denn der Bundesrat hat internationale Flüge an Regionalflughäfen vorläufig untersagt.» Auch die Privatfliegerei sei praktisch zum Erliegen gekommen. Die Liquidität des Unternehmens ist laut Ryf aber dank der Massnahmen des Bundes wie Kurzarbeit und Notdarlehen sichergestellt.