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Meine Frau kann nichts wegwerfen

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Messie-Syndrom.

Peter Schneider
Im Wohnzimmer von Herr und Frau B. stapeln sich Berge von Tageszeitungen. Foto: Keystone
Im Wohnzimmer von Herr und Frau B. stapeln sich Berge von Tageszeitungen. Foto: Keystone

Wir sind ein ganz normales Ehepaar. 47 Jahre verheiratet. Ich 79, sie 78. Meine Frau ist ein liebes Täubchen – aber eine Marotte hat sie: Sie kann nichts weg­werfen. Im Wohnzimmer stapeln sich Berge von Tageszeitungen. Der Fuss­boden ist belegt mit ­Illustrierten und Zeitschriften. Sie lässt sich nicht helfen, den Berg abzubauen. Besuche gibt es keine mehr. Auch das Sofa ist mit Lektüren übersät. Was soll ich tun? R. B.

Lieber Herr B.

Ihre Bitte um Rat klingt so liebevoll wie verzweifelt. Es sieht so aus, als handle es sich beim Sammeldrang Ihrer Frau um mehr als nur um eine harmlose Marotte. Es widerstrebt mir, Ihnen beiden die RTL2-Sendung «Das Messie-Team» zur Abschreckung zu empfehlen. Dort könnten Sie ­sehen, wie «Messie-Therapeutin Sabina Hankel-Hirtz und Entrümpelungsprofi Dennis Karl das Problem an der Wurzel» packen und «das Leben der Betroffenen» aufräumen.

Es ist keis schöns Luege, das mitanzusehen – nicht zuletzt, wie Menschen mit einem Aufbewahrungszwang dem Fernsehpublikum vorgeführt werden. Wenn es um das Wegwerfen der anderen geht, sind die Leute nämlich immer schnell mit Abscheu und Ratschlägen zur Hand; da wird an Extrembeispielen immer gern das durchexerziert, was man auf dem eigenen Estrich nicht schafft.

Was Sie Ihrer Frau aber durchaus mit Nachdruck sagen können, ist, dass es so nicht weitergehen kann und dass sie eine gemeinsame Lösung finden müssen. Wie die aussehen kann, ist schwierig zu sagen, denn ich bin ziemlich sicher, dass Ihre Frau überzeugt ist, das alles noch einmal lesen zu wollen und brauchen zu können. Gegen diese Überzeugung hilft in der Regel wenig.

Aussortieren, Aufräumen, Einlagern

Allenfalls können hartnäckige Argumente zeigen, dass es Ihnen ernst ist, diesem Anhäufungszwang nicht länger tatenlos zuzusehen. Ein erster Schritt könnte sein, mit Ihrer Frau auszusortieren, was tatsächlich ins Altpapier kann. Seien Sie dabei grosszügig, geben Sie Einwänden bereitwillig nach und versuchen Sie vor allem die Menge des Materials zu vermindern (indem Sie z.B. Werbebeilagen als Erstes wegwerfen). Fussboden und Sofa sollten dabei frei werden.

Danach räumen Sie den wahrscheinlich immer noch viel zu grossen Rest so um, dass er möglichst konzentriert herumsteht und Sie erst einmal durchschnaufen können. Und dann, nach einiger Zeit, sollten Sie sich gemeinsam überlegen, das Material, das Ihre Frau für unverzichtbar hält, irgendwo – möglichst wenig störend – zwischen- oder endzulagern. Zum Beispiel in Zügelkisten im Keller oder schlimmstenfalls im Gästezimmer, wenn Sie eines haben. Das ist zwar alles nur Symptombekämpfung, aber immerhin ein Anfang.

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