Frauen denken bei der Waffenfrage viel rationaler als Männer

Weibliche Stimmen werden in Bern viel zu wenig gehört.

Arthur Rutishauser@rutishau

Eigentlich müsste in Bern Hochspannung herrschen. Zwei Bundesratssitze sind zu vergeben, einer davon im wichtigsten Departement, dem Infrastrukturdepartement von Doris Leuthard. Doch stattdessen herrscht Langeweile und Ratlosigkeit. Bei der FDP ist das Rennen gelaufen. Karin Keller-Sutter müsste einen Riesenfehler machen, um nicht gewählt zu werden. Das wird sie nicht. Die CVP hingegen bringt es fertig, drei Frauen und einen Bauern zur Auswahl zu bringen, aber alle wollen nur den Parteipräsidenten Gerhard Pfister wählen, den Mann mit den meisten Nennungen in den Schweizer Medien und die logische Wahl aus dem Führungspersonal der kleinsten Bundesratspartei.

Gut möglich, dass am Schluss doch die Vernunft siegt und darum ein wichtiges Anliegen nicht durchkommt, nämlich dass es wieder drei Bundesrätinnen gibt. Eine Dreiervertretung der Frauen im Bundesrat wäre aber wichtig, weil weibliche Stimmen in Bundesbern viel zu wenig gehört werden. Das zeigt die Analyse unserer Datenjournalisten. Gehört werden müssten sie zum Beispiel in der Waffenfrage. Frauen vertreten da viel rationalere Standpunkte. Sei es beim persönlichen Waffenbesitz oder beim der Debatte um die Waffenausfuhren. Hier hat sich der scheidende Bundesrat Johann Schneider-Ammann total verrannt. Geblendet von seiner Mission als Handelsminister unserer Industrie überall in der Welt Marktzugang zu geben, hat er alle Grundsätze vergessen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Schweiz wegen einem Exportvolumen von 15 Millionen Franken in einen der blutigsten Kriege des 21. Jahrhunderts ziehen lässt und Waffen an Bahrein und die Arabischen Emirate liefert.

Es sind nicht nur moralische Gründe, die gegen solche Exporte sprechen. Verschärfend kommt hinzu, dass die Schweiz nur an eine Kriegspartei liefern kann, und darum die Neutralität mit Füssen tritt. Dem Iran und seinen Verbündeten Waffen zu verkaufen, das wagt nicht einmal der hart gesottenste Rüstungslobbyist. Aber irgendwann ist der Krieg vorbei, irgendwann werden die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben, und dann werden sich alle Parteien daran erinnern, wer die Gegner mit Waffen beliefert hat. Das ist schlecht fürs Geschäft und auch schlecht für die Sicherheit der Mitarbeiter jener Firmen, die im Arabischen Raum Geschäfte machen wollen. Was das heissen kann, konnte man letzte Woche wieder lesen, als das Buch von ABB-Mitarbeiter Max Göldi über seine zwei Jahre als Geisel Gaddafis erschien. Es kann auch schlimmer kommen, immer wieder werden Mitarbeiter von westlichen Firmen Opfer von Terroranschlägen. Bleibt zu hoffen, dass wir uns nicht in ein paar Jahren die Frage stellen lassen müssen, warum wir es wegen 15 Millionen Franken Export so weit haben kommen lassen, die ein paar Männern wichtiger waren als Moral und Neutralität.

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