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Mit Konstanz und Brillanz

Wacker Thuns Schlüsselspieler Lukas von Deschwanden blickt auf aufregende Wochen zurück.

Den Sprung in die Bundesliga hat Lukas von Deschwanden geschafft, kürzlich unterschrieb er beim TVB Stuttgart, für den er ab der nächsten Saison auflaufen wird.
Den Sprung in die Bundesliga hat Lukas von Deschwanden geschafft, kürzlich unterschrieb er beim TVB Stuttgart, für den er ab der nächsten Saison auflaufen wird.
Andreas Blatter

Es ist Mitte September 2012, und Trainer und Fanionteam Wacker Thuns befinden sich auf dem Weg nach Schaffhausen. Coach Martin Rubin sitzt ganz vorn. Er beordert Lukas von Deschwanden zu sich, bittet den Aufbauer vor dem Qualifikationsspiel gegen die Kadetten zum Gespräch.

Er sagt dem 23-Jährigen, er erwarte, dass er in dieser Saison explodiere, die Nummer 1 auf seiner Position werde und Borna Franic, den alternden Eckpfeiler, allmählich ablöse; es sei Zeit für den Generationenwechsel. Rubin lobt seinen Schützling, hält fest, «du beherrschst jeden Wurf, kannst im Grunde alles». Die vergleichsweise geringe Körpergrösse von 1,92 müsse kein Hindernis sein, es gar nach Deutschland zu schaffen, in die beste Liga der Welt.

Die Berner Oberländer gewinnen in jener Saison erstmals die Meisterschaft. Einen grossen Anteil daran hat von Deschwanden, der Topskorer und zum wertvollsten Akteur überhaupt ausgezeichnet wird, in der entscheidenden Partie um den Titel 10 Tore wirft, obwohl er verletzt ist.

Der Dialog hat den Urner nicht unmittelbar zu einem besseren Handballer gemacht. Aber er hat etwas ausgelöst. Der Rückraumakteur war davor ein hochinteressanter Spieler gewesen, der punktuell brillierte, aber zu wenig Konstanz an den Tag legte, als dass er eine dominante Rolle hätte einnehmen können. Nun ist es gerade die Beständigkeit, die den agilen Techniker auszeichnet.

Es ist Mitte Januar 2018, und Lukas von Deschwanden blickt auf die vielleicht aufregendsten Tage seiner Laufbahn zurück. Den Sprung in die Bundesliga hat er geschafft, kürzlich unterschrieb er beim TVB Stuttgart, für den er ab der nächsten Saison auflaufen wird. Während der Transfer kommuniziert wurde, weilte der Innerschweizer im Kreise der Nationalmannschaft, mit der er zunächst den Yellow-Cup und später die WM-Qualifikationsmatchs bestritt.

Der Regisseur war dabei stärkster Feldspieler, übernahm vorn wie hinten einen zentralen Part und jede Menge Verantwortung, was ihm, dem Leader, entspricht. Der in Thun Wohnhafte hat nun Zeit, runterzufahren, er spricht von intensiven, ereignisreichen Wochen, die hinter ihm lägen. Auf seinen Wechsel nach Deutschland habe er viele Reaktionen erhalten, natürlich auch welche aus dem Wacker-Umfeld, erzählt er.

«Die Leute haben sich für mich gefreut und mir gratuliert. Der Tenor war: Schade, gehst du – aber du hast dir das verdient.» 29 wird der Urner bei seinem Bundesligadebüt sein. In einem Alter, da andere Schweizer ihre Handballkarriere beendet haben, wird der Aufbauer immer noch besser. Er wolle noch eine ganze Weile spielen, vielleicht bis er 35, 36 sei.

Es ist eine nicht alltägliche Karriere, die der Mann aus Altdorf da hinlegt. Ob er auch in der besten Liga der Welt eine dominante Rolle innehaben wird, ist unklar. Unterschätzen sollte man den Spätzünder jedenfalls nicht.

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