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Einspruch gegen Europacup-SperreFür Manchester City beginnen die Tage der Wahrheit

Dem Club drohen nach einer Uefa-Sperre zwei Jahre ohne Champions League. Am Montag startet nach dem Einspruch der Engländer die Anhörung am Sportgerichtshof.

Nachdem die Uefa Premier-League-Club Manchester City mit einer zweijährigen Europacup-Sperre belegt hat, wird nun der Einspruch des Clubs vor dem CAS in Lausanne verhandelt.
Nachdem die Uefa Premier-League-Club Manchester City mit einer zweijährigen Europacup-Sperre belegt hat, wird nun der Einspruch des Clubs vor dem CAS in Lausanne verhandelt.
Foto: Keystone
Das Urteil im Fall um den Club von Startrainer Pep Guardiola kann als Wegweiser für das weitere Vorgehen des europäischen Fussballverbands bei Vergehen gegen das Financial Fairplay gedeutet werden.
Das Urteil im Fall um den Club von Startrainer Pep Guardiola kann als Wegweiser für das weitere Vorgehen des europäischen Fussballverbands bei Vergehen gegen das Financial Fairplay gedeutet werden.
Foto: Keystone
Bei einer Europacup-Sperre muss mit dem Abgang der Stars von City gerechnet werden. Es ist schwer vorstellbar, dass Spieler wie Raheem Sterling (l.) und Kevin De Bruyne  zwei Saisons auf die ganze grosse Bühne verzichten.
Bei einer Europacup-Sperre muss mit dem Abgang der Stars von City gerechnet werden. Es ist schwer vorstellbar, dass Spieler wie Raheem Sterling (l.) und Kevin De Bruyne zwei Saisons auf die ganze grosse Bühne verzichten.
Foto: Getty Images
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Auch Manchester Citys Startrainer Pep Guardiola wird am Montag gespannt nach Lausanne blicken. Dort verhandelt der Internationale Sportgerichtshof (CAS) über den Einspruch des Clubs gegen die Sperre, mit der der europäische Fussballverband Uefa den Verein aus der Premier League belegt hat. Wegen jahrelangen Finanzbetrugs wurde City für zwei Saisons von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen.

Zwei Jahre ohne Champions League – das käme für City und Guardiola einer Katastrophe gleich. Der aus Abu Dhabi alimentierte Club hat in den letzten Jahren alle nationalen Titel abgeräumt: Meisterschaft, FA-Cup, Ligacup und Supercup. Aber international fehlte zuletzt eine Trophäe. Die Königsklasse ist das primäre Ziel der Inhaber. Die laufende – derzeit noch unterbrochene – Champions-League-Saison bietet Manchester City womöglich die vorerst letzte Chance dazu. Das Achtelfinal-Hinspiel bei Real Madrid gewann City mit 2:1.

Drei Tage soll die nicht öffentliche Anhörung in Lausanne dauern, die per Videoschaltung durchgeführt wird. Ein Urteil sei nicht sofort zu erwarten, teilte eine CAS-Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Nach der Anhörung wird sich das dreiköpfige Schiedsgericht zunächst beraten. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, lasse sich nicht sagen, hiess es. Britische Medien spekulierten, dass es bis zu zwei Monate dauern könnte.

Football Leaks machen vermeintlichen Betrug öffentlich

Beim derzeitigen Tabellenzweiten der Premier League werden die Verantwortlichen eine Weile zittern müssen. Haupteigner des Clubs ist Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan, Halbbruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Khalifa bin Zayed al-Nahyan.

Das unabhängige Finanzkontrollgremium der Uefa hatte dem sechsmaligen englischen Meister eine bewusste Täuschung zur Umgehung der Financial-Fairplay-Regelungen vorgeworfen. Auslöser waren clubinterne E-Mails und Dokumente, die von der Plattform Football Leaks öffentlich gemacht wurden und angeblich systematischen Betrug nahelegen.

Zwischen 2012 und 2016 soll Man City Sponsoreneinkünfte weit über Gebühr bewertet haben. Gelder, die als Einnahmen durch Sponsoren aus Abu Dhabi deklariert wurden, sollen in Wirklichkeit von Scheich Mansour gezahlt worden sein. Darunter sind demnach auch Zahlungen von Etihad Airways, Citys Hauptsponsor. Etihad ist die nationale Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate.

City als Opfer, Entscheid als Wegweiser

Manchester City geriert sich indes als Opfer. Der Fall sei von der Uefa initiiert, von der Uefa verfolgt und von der Uefa beurteilt worden, kritisierte der Club, der immer wieder versucht hatte, eine Urteilsfindung zu verhindern. Die Vorwürfe seien falsch, betonte Geschäftsführer Ferran Soriano wiederholt. Den Fans versicherte er, man werde «alles tun, was möglich ist, um das zu beweisen». City hat mehrere Topanwälte eingeschaltet, um der Uefa-Sperre zu entgehen.

Sollte das nicht gelingen, steht Manchester City vor unruhigen Zeiten. Trainer Guardiola betonte zwar, er wolle bleiben, «egal was passiert». Mehrere Topstars, darunter Raheem Sterling oder Kevin De Bruyne, könnten den Verein jedoch verlassen. «Zwei Jahre wären lang», sagte Mittelfeld-Ass De Bruyne der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws». Er wolle erst mal die Entscheidung abwarten, so der Belgier.

Auch für die Uefa steht viel auf dem Spiel. Der Entscheid gilt als richtungsweisend. Eine Niederlage vor dem CAS würde der Autorität der Fussball-Union enormen Schaden zufügen. In den vergangenen Jahren wurde der Uefa immer wieder eine schwache Durchsetzung der eigenen Regeln vorgeworfen. Sollte die Sperre für City nun kassiert werden, könnte dies das Financial Fairplay deutlich infrage stellen.

dpa