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Was uns diese WM in Sachen Fussballkunst lehrt

Die Halbfinalisten der Weltmeisterschaft in Russland haben zumindest etwas gemein.

Den Anfang der zwei Halbfinal machen Frankreich und Belgien. Die Nachbarländer treffen am Dienstag um 20:00 Uhr aufeinander. Die Franzosen schlugen im Viertelfinal Uruguay 2:0, es trafen Raphael Varane (Bild) und Antoine Griezmann.
Den Anfang der zwei Halbfinal machen Frankreich und Belgien. Die Nachbarländer treffen am Dienstag um 20:00 Uhr aufeinander. Die Franzosen schlugen im Viertelfinal Uruguay 2:0, es trafen Raphael Varane (Bild) und Antoine Griezmann.
Vassil Donev, Keystone
Belgien seinerseits schlug mit Brasilien einen der meistgenannten Favoriten des Turniers. Und das nachdem es gegen Japan kurz vor dem Ausscheiden stand. Das vorentscheidende 2:0 erzielte Manchester-City-Superstar Kevin De Bruyne nach einem herrlichen Konter noch vor der Pause.
Belgien seinerseits schlug mit Brasilien einen der meistgenannten Favoriten des Turniers. Und das nachdem es gegen Japan kurz vor dem Ausscheiden stand. Das vorentscheidende 2:0 erzielte Manchester-City-Superstar Kevin De Bruyne nach einem herrlichen Konter noch vor der Pause.
Robert Ghement, Keystone
Am späten Samstagabend komplettierte dann Kroatien das Feld der Viertelfinalisten. Wieder ging es ins Penaltyschiessen, diesmal gegen Russland nach einem spektakulären 2:2, wieder versenkte der Schweiz-Kroate Ivan Rakitic den letzten Penalty.
Am späten Samstagabend komplettierte dann Kroatien das Feld der Viertelfinalisten. Wieder ging es ins Penaltyschiessen, diesmal gegen Russland nach einem spektakulären 2:2, wieder versenkte der Schweiz-Kroate Ivan Rakitic den letzten Penalty.
Manu Fernandez, Keystone
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Irgendwann schlich auch der Mannschaftsarzt durch die Gänge des Fischt-Stadions von Sotschi. Russlands Verantwortliche sind im Prinzip arg genervt von Fragen nach ihrer sportmedizinischen Herangehensweise an dieses Turnier, aber in diesem Moment war Eduard Besuglow sogar trotz des Ausscheidens recht freundlich. Und, na klar, berichtete er auskunftsfreudig, auch heute habe die Mannschaft wieder Ammoniak benutzt, als sei es die natürlichste Sache der Welt. Er sieht kein Problem darin, Ammoniak ist nicht verboten. Aber mancher Anti-Doping-Experte empfindet den Konsum als bedeutend kritischer, weil der Stoff stimulierend wirken soll – und weil es Ausweis einer Mentalität ist, zur Leistungssteigerung alles zu tun, was irgendwie geht.

Russlands überraschend langer Durchmarsch bei diesem Heim-Turnier wird noch für lange Zeit ein Thema für Pharmakologen und Physiologen sein, so viel steht fest. Die Sbornaja hat nicht wirklich Fussball gespielt, sie hat Fussball gelaufen und quasi einen ganz anderen Sport betrieben als viele andere Teilnehmer. Aber abseits aller medizinischen Fragen gilt es auch festzuhalten, dass der Auftritt der Sbornaja in anderer Hinsicht durchaus exemplarisch ist für einen Trend dieses Turnieres: für die Kraft der Gruppendynamik gegenüber dem Star-Fussball.

Ein europäischer Weltmeister

Frankreich und Belgien, Kroatien und England – das sind die vier Halbfinalisten, und aus dieser Konstellation lassen sich nun zwei Debatten ableiten. Die eine erzeugt der Umstand, dass ausschliesslich europäische Mannschaften im Halbfinale stehen (über das frühe Aus der Südamerikaner lesen Sie hier). Erstmals seit 2006 ist das der Fall und zum fünften Mal in der WM-Historie; zum vierten Mal in Serie wird es einen Weltmeister aus Europa geben. Diverse beteiligte Trainer glauben, dass das auf Dauer so bleiben könnte. Das Kapital konzentriert sich nun mal in Europa, die spielerische Qualität in Europas Clubs.

Die andere Debatte dreht sich darum, welche Teams genau im Halbfinale stehen. Natürlich unterscheiden sich die vier Teilnehmer in ihrer Spielanlage stark. Aber zumindest in der groben Sortierung lassen sich doch Gemeinsamkeiten festhalten, etwa starke Torhüter und eine erkennbar gute Präparierung für dieses Turnier. Hinzu kommt ein Umstand, den Kroatiens Trainer Zlatko Dalic als einen gemeinsamen «Charakter» der vier verbliebenen Mannschaften beschreibt. Es seien «die Teams, die hart arbeiten, die kompakt sind, die vereint und gut organisiert sind», sagt er.

Die Stars dieser WM sind Dienstleister ihrer Teams

Natürlich gibt es auch bei diesem Quartett Stars. Das ist neben manch glücklichen Entscheidungen (siehe der nicht gegebene Strafstoss bei Belgiens Sieg gegen Brasilien, siehe die Elfmeterschiessen Englands und Kroatiens) auch der Grund, warum es diese vier geschafft haben und gruppendynamisch ebenfalls gute Teams wie Russland und Schweden etwa nicht. Aber diese Stars haben andere Funktionen als die A-Klassen-Heroen Ronaldo, Messi oder Neymar. Sie sind eher Dienstleister ihrer Teams.

Bei Frankreich und Belgien funktioniert es mehr über einen Offensiv-Dreizack als Ganzes denn durch eine Zuspitzung auf einen Einzelnen; bei England ist das Klassensprecher-Amt von Angreifer Harry Kane mindestens so bedeutsam wie seine Rolle als Torjäger; und die Kroaten, die haben diesen Luka Modric. Also keinen, der andauernd offensiv glänzt und vollstreckt, sondern einen Strategen, der beim Viertelfinal-Sieg über Russland zudem mit einer Lauf-Ausdauer gesegnet war, als habe er mal bei russischen Sportmedizinern reingeschnuppert.

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Kane versenkt im Achtelfinal den ersten Penalty gegen Kolumbien. Video: SRF

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Wer von ihnen das WM-Turnier letztlich am meisten prägt, ist noch offen. Aber geklärt ist wohl, dass nach einer Dekade der Dauerherrschaft von Ronaldo und Messi endlich mal ein anderer Spieler in den Genuss kommt, «Weltfussballer des Jahres» zu werden.

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