«Schweden tat, was es kann – gegen uns war das genug»

Vladimir Petkovic fehlten im Spiel seiner Mannschaft die Emotionen. Und er sagt, die Schweiz sei nicht gut genug, für einen WM-Viertelfinal.

«Wir haben zu langsam von hinten aufgebaut», sagt Trainer Vladimir Petkovic nach dem Spiel gegen die Schweden. Bild: foto-net

«Wir haben zu langsam von hinten aufgebaut», sagt Trainer Vladimir Petkovic nach dem Spiel gegen die Schweden. Bild: foto-net

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Äusserlich wirkt er wie immer. Vladimir Petkovic spricht mit ruhiger, sonorer Stimme, als er das Aus seiner Mannschaft gegen Schweden erklären soll. Aber auch der Nationaltrainer kann unmittelbar nach der Partie nicht genau darlegen, warum seine Spieler derart gehemmt wirkten, als es darum ging, den grössten Erfolg einer Schweizer Nationalmannschaft zu erringen.

Können Sie Ihre Gefühle nach diesem Ausscheiden im Achtelfinal beschreiben?
Die Enttäuschung ist in der ganzen Mannschaft gross. Wir wollten mehr machen. Aber wir müssen den Schweden gratulieren. Sie haben das getan, was sie können, was sie sich gewohnt sind. Gegen uns war das heute genug. Natürlich könnten wir mehr machen. Aber heute waren wir nicht gut genug, um das Spiel zu gewinnen.

Diese Partie galt vor dem Anpfiff als das wichtigste Spiel einer ganzen Generation. Und dann wirkte es von aussen, als ob im Schweizer Spiel überhaupt keine Emotionen wären. Wie kann das sein?
Sicher haben die Emotionen gefehlt. Aber die Schweden spielen so, dass es schon andere Mannschaften vor uns nicht geschafft haben, grosse Emotionen ins Spiel zu bringen. In den letzten 15 Minuten haben wir Emotionen gezeigt. Aber nicht genug, um das Spiel auf unsere Seite kippen zu lassen.

Hinterfragen Sie sich da selbst? Machen Sie sich Vorwürfe, dass Sie die Spieler nicht mit mehr Feuer aufs Feld schicken konnten?
Es ist schwierig, das direkt nach dem Spiel zu analysieren. Wir stehen ja auch nicht alleine auf dem Platz. Vielleicht ist es auch der Verdienst des Gegners, dass wir diese Emotionen nicht entfachen konnten.

Selbst einige Ihrer Spieler haben vor dem Spiel gefragt: «Wann, wenn nicht jetzt?» Denken Sie, dass diese Niederlage die Mannschaft in ihrer Entwicklung möglicherweise weit zurückwirft?
Seit dem Aus im Achtelfinal an der WM in Brasilien war das ein Thema und nach dem Aus an der EM in Frankreich auch. Die Mannschaft hat ­bewiesen, dass sie den Willen und das Talent hat, um sich weiterzuentwickeln. Wir haben nach dem Achtelfinal gegen Polen in Frankreich einen ähnlichen Zustand erlebt wie jetzt. Die Schweizer Mannschaft ist auf einem guten Weg. Aber sie ist nicht gut genug, um mal einen Viertel­final zu erreichen.

Ausgerechnet heute hat die Schweiz ihre schwächste Leistung an dieser WM gezeigt. Können Sie sich das erklären?
Es ist einfach: weil wir nicht unseren Fluss im Spiel gefunden haben. Wir waren etwas verklebt. Vielleicht waren die falschen Emotionen im Spiel. Oder waren wir zu locker? Für viele waren wir der Favorit. Und wir haben gezeigt, dass wir mit dieser Rolle in diesem Spiel nicht gut zurechtkamen. Aber Schweden war auch nicht die klar bessere Mannschaft. Darum haben Kleinigkeiten entschieden.

Hatte die Verwarnung für Valon Behrami einen Einfluss? Danach wirkte das Schweizer Zentrum desorientiert. Und gleich darauf kam auch das Gegentor.
Das glaube ich nicht. Es war sicher eine ungerechtfertigte Gelbe Karte. Und ihretwegen konnten wir in der Mitte nicht mehr so aggressiv spielen wie zuvor. Aber irgendwie war es klar: Dieses Spiel konntest du nur mit einem Eigentor oder einem Weitschuss gewinnen.

Was war Ihr Plan für das Spiel?
Wir wollten mehr über die Seite spielen. Aber wir waren zu langsam in der ersten Halbzeit, wir haben zu langsam von hinten aufgebaut. Eines der möglichen Rezepte wären auch Diagonalpässe gewesen. Wenn wir unsere Angriffe über den Flügel zu Ende gespielt haben, hatten wir auch immer halbe oder gar richtige Tormöglichkeiten.

Warum ist es so schwierig, gegen Schweden zu spielen? Und können sie im Turnier noch weit kommen?
Sie waren sicher bislang nie die Favoriten. Nicht in der Qualifikation, nicht in der WM-Gruppe. Trotzdem haben sie sich gegen Holland, Italien und Deutschland durchgesetzt. Alle haben gedacht, die Schweden seien ein B-Team. Aber sie sind ein A-Team. Sie haben zwei homogene Viererketten mit körperlicher Präsenz. Und wenn sie mal ein Tor schiessen, wird es schwierig, sie zu knacken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.07.2018, 21:56 Uhr

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