«Gebühren werden steigen»

Postfinance fehlt Geld. Jetzt müssten Kunden ihren Beitrag leisten, sagt ihr Chef.

«Wir sparen nicht nur beim Personal»: Posfinance-Chef Hansruedi Köng. Foto: Tomas Wüthrich (13 Photo)

«Wir sparen nicht nur beim Personal»: Posfinance-Chef Hansruedi Köng. Foto: Tomas Wüthrich (13 Photo)

Im Herbst verkündeten Sie einen Abbau von 45 Stellen, nun wollen Sie weitere 500 streichen. Warum diese Salamitaktik?
Das ist keine Salamitaktik. Wir haben vergangenes Jahr den Abbau von 45 Stellen angekündigt, die dieses Jahr wegfallen werden. Wir haben damals schlicht noch nicht gewusst, was an zusätzlichen Massnahmen bis Ende 2020 nötig sein wird. Diese Kenntnis haben wir nun, das haben wir diese Woche kommuniziert.

Aber was wissen Sie jetzt, was Sie damals nicht wussten?
Wir haben per Mitte 2017 die Bank komplett reorganisiert. Wir haben auch unser Kernbankensystem erneuert. Jetzt, in der neuen Aufstellung, konnten wir innerhalb der neuen Organisationseinheiten genau abklären, welche Einsparschritte nötig sind.

Rund 100 Stellen sollen im Vertrieb eingespart werden, und Sie legen die Sparte Geschäftskunden mit den Privatkunden zusammen. Müssten Sie beim Kundenkontakt nicht eher investieren?
Das tun wir ja. Aber wir investieren in effiziente, zunehmend digitalere Prozesse und Dienstleistungen und nicht in den Ausbau der Filialen. Der Service für die Kunden wird durch die Einsparungen nicht schlechter werden. Unser Geschäft ist anders als das einer Privatbank. Wenn dort ein Kunde eine Million Franken Anlagegelder hat und die Bank daran ein Prozent verdient, generiert die Bank so Einnahmen von 10'000 Franken, die sie in die Kundenbeziehung investieren kann. Wir dagegen bieten im Geschäftskundenbereich Basisdienstleistungen an, die wenig bis gar keine Erträge erzielen.

Was sparen Sie pro Jahr mit den nun angekündigten Kürzungen ein?
Wenn Sie 500 Vollzeitstellen abbauen und dabei durchschnittliche Personalkosten von 100'000 Franken zugrunde legen, kommen Sie auf ein Einsparpotenzial von rund 50 Millionen Franken allein durch die Personalkürzungen. Aber wir sparen nicht nur beim Personal, wir sehen uns auch gezwungen, Gebührenerhöhungen vorzunehmen.

Wie viel sollen die Preiserhöhungen bringen?
Das will ich nicht beziffern. Aber bedenken Sie: Wir kommen von einem Gewinnniveau von jährlich rund 400 bis 500 Millionen Franken. In den kommenden zwei Jahren laufen aber Anleihen mit hohem Zins aus, was uns Einnahmen von rund 360 Millionen Franken kostet. Falls wir nichts unternähmen, würden wir gegen die Nulllinie segeln. Der Sparplan muss also einen Betrag einbringen, der irgendwo zwischen null und 300 Millionen Franken liegt.

Sprich, wenn Sie 50 Millionen durch den Personalabbau sparen, muss die Gebührenerhöhung mindestens noch mal so viel einbringen?
Das wird sicherlich in dieser Dimension sein.

Wann erhöhen Sie die Preise? Und was wird teurer?
Wir werden das im dritten oder vierten Quartal bekannt geben. Wir haben 2,5 Millionen Kunden. Zahlt jeder von ihnen 10 Franken mehr pro Jahr, dann kommen wir auf 25 Millionen Franken.

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Also muss jeder Kunde 20 Franken mehr zahlen?
Das ist Ihre Rechnung. Von der Dimension her ist es nicht ganz falsch. Es wird eine breitflächige Massnahme sein. Einzelheiten kann und will ich jetzt noch nicht nennen.

Und welchen Beitrag leistet die Eignerin, die Schweizerische Post? Werden Sie auch die Dividende an die Post kürzen?
Für das Jahr 2017 wurde noch eine Dividende ausgeschüttet – jedoch mit der Massgabe, dass dieses Geld als Kapitaleinlage wieder an uns zurückflösse, sollte dies aufgrund der neuen Eigenkapitalforderungen nötig werden. Für das laufende Geschäftsjahr und die darauf folgenden Jahre rechne ich damit, dass die Dividende ausfallen wird. Denn wir können nicht Stellen im geplanten Ausmass abbauen und gleichzeitig eine Dividende an den Eigner auszahlen.

Müssen Sie sich nicht vorwerfen lassen, dass Sie zu spät zu wenig gemacht haben, um neue Erlösquellen zu erschliessen?
Da sind wir schon seit Jahren dran. Aber das geht nicht so schnell. Uns brechen im Zinsgeschäft derart schnell und massiv die Erträge weg, dass wir das nicht in gleichem Tempo durch kreative Neugeschäfte kompensieren können.

Anderen Banken gelingt das. Die Zürcher Kantonalbank hat mit der Übernahme der Fondsgesellschaft Swisscanto ihre Abhängigkeit vom Zinsgeschäft dramatisch gesenkt.
Ja, aber dafür hat die Zürcher Kantonalbank ein Rieseninvestment getätigt. Das hätten wir in der gleichen Form nicht leisten können. Und der Anteil vom Zinsergebnis am Gesamtergebnis bei uns beträgt heute noch 50 Prozent, das ist eine gute Quote.

Welche neue Erlösquellen wollen Sie neben dem Anlagegeschäft noch erschliessen?
Wir wollen das Plattformgeschäft weiter ausbauen, also Finanzgeschäfte gegen Kommission vermitteln, etwa Hypotheken. Wir denken zum Beispiel daran, Hypotheken über eine Internetplattform zu vermitteln. Das allein wird nicht reichen, die dramatisch sinkenden Zinseinnahmen zu kompensieren.

Warum beteiligen Sie sich nicht einfach an einer anderen Bank und steigen so ins Kreditgeschäft ein?
Erstens ist uns das verboten, und ­zweitens dürfte uns unser Eigner dafür nicht die nötigen Mittel zur Verfügung stellen.

Und ihre Eigenmittel? Wegen der neuen Regeln braucht Postfinance 2 Milliarden Franken. Wo soll das Geld herkommen?
Es gibt drei Szenarien: Gewinneinbehaltung, eine Privatisierung oder eine Patronatserklärung durch den Eigentümer. Dazu muss der Bund Stellung nehmen, welche Option er bevorzugt.

Eine Privatisierung ist politisch heikel, die Gewinne sinken. Bleibt nur die Patronatserklärung, also eine Zahlungsgarantie des Bundes?
Das muss der Bund entscheiden.

Von der Politik drohen zudem eher Zusatzkosten, Postfinance soll verpflichtet werden, Auslandschweizern ein Konto anzubieten. Was würde das kosten?
Sicherlich einen zweistelligen Millionenbetrag. Aber das ist nicht einmal das Hauptproblem. Denn mit der Angebotspflicht für Auslandschweizer würden wir in einigen Ländern in Konflikt mit den lokalen Gesetzen geraten. Beispielsweise unterliegt das Angebot einer Kreditkarte je nach nationaler Finanzmarktgesetzgebung einer Bewilligungspflicht.

Sprich, die Politik droht damit, Ihre Einsparbemühungen wieder zunichtezumachen?
Das ist so, ja.

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