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Die Anti-Sympathie-TrägerinGegen sie ist Machiavelli ein Chorknabe

Als Darstellerin in der HBO-Serie «Succession» ist Sarah Snook für einen Emmy nominiert. Sie steckt in Melbourne im Lockdown fest.

Mit ihrer TV-Figur gewachsen: Sarah Snook als die durchtriebene Shiv Roy in «Succession».
Mit ihrer TV-Figur gewachsen: Sarah Snook als die durchtriebene Shiv Roy in «Succession».
Foto: HBO

Sarah Snook schlief noch, als morgens um acht eine Freundin ihr das Kissen unter dem Kopf wegriss und mit der grossen Neuigkeit herausplatzte: «Weisst du was? Du bist für einen Emmy nominiert!»

Für Snook, 32, ist es die erste Nominierung beim wichtigsten US-Fernsehpreis. Die Nachricht erreichte sie in ihrer Heimat Australien, genauer in Melbourne. Dort wurde gerade wieder ein Lockdown verhängt. Niemand darf sein Zuhause verlassen, ausser für einen Einkauf oder eine Joggingrunde. Snook ist zum Nichtstun im Haus ihrer Freundin verdammt, statt in New York die dritte Staffel der HBO-Erfolgsserie «Succession» zu drehen.

«Succession» (lesen Sie unsere Besprechung hier) zählt mit 18 Nominierungen zu den grossen Abräumern dieser Emmy-Saison. Sarah Snook spielt darin die Tochter von Logan Roy, einem vom echten Rupert Murdoch inspirierten erfundenen Medienmogul und Multimilliardär. Es wäre einfacher, für darstellerische Leistungen in der Serie Preise zu verleihen, als zu entscheiden, welche Figur darin die unsympathischste ist.

Patriarch Logan ist hart, aber ungerecht. Die Tochter Shiv und ihre drei Brüder intrigieren unablässig. Das tun sie gegen- und untereinander und gegen den zurückintrigierenden Vater. Die Koalitionen und hinterrücks eingefädelten Meuchelmorde um der Karriere willen drehen sich atemberaubend schnell. Gewürzt werden sie bevorzugt mit Kraftausdrücken aus der untersten Schublade.

Dafür ist der Hintergrund umso nobler: Limousinenfahrten und Multimillionenapartments in Manhattan, Privatjets, englische Schlösser und eine Superjacht im Mittelmeer, auf der auch mal heile Familie gespielt wird. Nicht einmal Machiavelli hätte sich so einen Plot ausdenken können. In der Schweiz ist «Succession» auf Teleclub Play und Sky Show zu sehen.

Sarah Snooks Figur Shiv geht auch mal mit Fäusten auf den einen oder anderen Bruder los und eröffnet ihrem Bräutigam in der Hochzeitsnacht, dass sie eine offene Ehe führen wird. Ihr Vater hat ihr schon erklärt, dass er sie für smart genug hält, seine Nachfolge anzutreten. Und von Folge zu Folge scheint sie den dafür nötigen Killerinstinkt zu entwickeln. Ob Shiv aber durch all die Mördergruben, Schlangennester und Minenfelder ihrem Ziel näher kommt, muss offen bleiben. Die dritte Staffel ist fertig geschrieben, aber Corona machte die Drehplanung zunichte, auf unbestimmte Zeit.

Im (Telefon-)Interview mit dem «Hollywood Reporter» sagte Sarah Snook, dass sie an ihrer Figur gewachsen ist: «Ich war nie so selbstbewusst wie Shiv, aber davon hat jetzt etwas auf mich abgefärbt.» Und es klingt bewundernd, wenn Snook genüsslich erklärt, wie Shiv ihren Mann beruflich und privat hintergeht.Snook hat eine solide Theaterkarriere hinter sich (Shakespeare, Shaw) und steht noch heute häufig auf der Bühne. In Serien und Filmen (unter anderen «Steve Jobs») spielte sie bisher Nebenparts. Die Rolle in «Succession» ist ihre bisher bedeutendste in ihrem bisher erfolgreichsten Projekt. Ein Emmy an der Verleihung am 20. September wäre eine Bestätigung.

Lieber aber stünde Sarah Snook vor der Kamera. Aber so wie Shivs Karriere Pandemie-bedingt auf Eis gelegt ist, muss Snook nun im Lockdown abwarten, ob es weiter aufwärtsgeht.