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LeserreaktionenGesellschaftliche Penetranz gegen Alte

Meinungen von Leserinnen und Lesern zu aktuellen Themen.

Patientenverfügungen haben im Rahmen der Corona-Krise eine neue Brisanz erhalten.
Patientenverfügungen haben im Rahmen der Corona-Krise eine neue Brisanz erhalten.
iStock

Zu «Er will nicht an den Beatmungsschlauch»

Gesellschaftliche Penetranz gegen Alte

Die Penetranz, mit der wir Alten aufgrund der gegenwärtigen Pandemie in allen Medien immer wieder aufgefordert werden, eine Patientenverfügung zu verfassen, nervt. Man wird den Eindruck nicht los, die Gesellschaft erwarte von uns, dass wir möglichst bald freiwillig abtreten. Meiner Ansicht nach sollen Leute, die sich unter keinen Umständen intensivmedizinisch behandeln lassen wollen, eine solche Verfügung niederschreiben. Alle anderen Leute, ob jung oder alt, gesund oder krank, können ohne eine Patientenverfügung darauf hoffen, dass sie nach allen Regeln der heutigen medizinischen Kunst behandelt werden. Sie bezeugen damit, dass sie hier in der Schweiz grosses Vertrauen in unsere Ärzte haben. Sie vertrauen auf eine Medizin mit Augenmass, die ihre Möglichkeiten und Grenzen kennt. Und sie sind dankbar, dass sie von einem der besten Gesundheitssysteme profitieren dürfen.

Heinz Mumenthaler, Liebefeld

Zitat des Tages

«Man wird den Eindruck nicht los, die Gesellschaft erwarte von uns, dass wir möglichst bald freiwillig abtreten.»

Heinz Mumenthaler, Liebefeld
Zum Thema Patientenverfügung

Damit überforderte Dritte nicht entscheiden müssen

Jeder Mann und jede Frau können plötzlich in eine Lage kommen, in der eine Patientenverfügung sehr nützlich ist, nämlich wenn man seinen Willen nicht mehr selbst äussern kann. Besonders schwer Kranke und Ältere sollten eine Verfügung haben, damit nicht überforderte Dritte für sie entscheiden müssen. Dies gilt für normale Zeiten und heute erst recht.

Martin Niederhauser, Bowil, Hausarzt

Zum Thema Coronavirus

Flut von Anglizismen

Nicht nur die Schutz- und Verhaltensmassnahmen gegen die Coronaviren machen älteren Menschen Mühe, sondern auch die im Zusammenhang dieser Pandemie in den Medien verwendete Flut von anglizistischen
Renommierausdrücken. Wie vielen Mitmenschen, insbesondere Älteren, sind Ausdrücke wie Homeoffice, Worst Case, Lockdown, Homeschooling, Contact Tracing, Social Distancing, Food Waste, Stayathome, Overdrive, Shutdown oder Standtogether wohl nicht geläufig? Verlieren wir durch die Corona-Tragödie nebst vielen Menschenleben auch noch unsere eigene Sprache?

Toni Brunner, Münchringen

Was will uns das Virus sagen?

Was will uns das Virus sagen? Dass unser Leben und Benehmen nicht in gleichem Stil weitergehen kann. Dass ein neues Bewusstsein und neue Verhaltensregeln im Umgang miteinander dringend nötig sind. Dass eine Entschleunigung vonnöten ist. Dass vieles, wie etwa die Familie, wieder vermehrt wertgeschätzt werden soll. Dass unser Konsumverhalten übertrieben ist, wir besser wieder mehr beim lokalen Gewerbe einkaufen sollten. Dass die Regierungen dieser Welt sowie die Wirtschaftsführer nun in ihrem Denken und ihren Ansprüchen umdenken müssen. Dass Habgier, das Abzocken und das Ausbeuten jeglicher Art ein Ende haben müssen.

Peter Bigler-Nessier, Habstetten-Bolligen

Zu «Tanz auf dem Deck der Titanic»

Freiwilliger Verzicht funktioniert nicht

Beim Lesen des Artikels ist mir fast der Kragen geplatzt. Was sind das bloss für rücksichtslose Egoisten, die trotz der weltweiten Corona-Gefahr in die Skiferien fahren? Auf freiwilligen Verzicht setzen funktioniert nicht, das haben wir im eigenen Land erlebt. Bisher habe ich Schweden immer als vorbildliche Nation wahrgenommen. Aber was da jetzt passiert, geht für mich unter grobfahrlässige Körperverletzung.

Anita Neuenschwander, Belp