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Ernährungsratgeber«Gestillte Kinder haben weniger Allergien»

Ein neues Buch liefert Eltern hilfreiche Erkenntnisse. Ein Gespräch mit Magen-Darm-Arzt und Buchautor George Marx.

Kinder, die in den ersten vier bis sechs Monaten ausschliesslich gestillt wurden, leiden später weniger unter Lebensmittelallergien.
Kinder, die in den ersten vier bis sechs Monaten ausschliesslich gestillt wurden, leiden später weniger unter Lebensmittelallergien.
Foto: Getty 

Herr Marx, das Thema Ernährung boomt. Weshalb jetzt noch eine Publikation mehr?

Weil es für Kinder bisher kein vergleichbares Buch gibt. Auch Eltern berichten uns in der Sprechstunde immer wieder, dass sie zwar viele Informationen im Internet fänden, diese aber oft widersprüchlich seien.

Zum Beispiel über Lebensmittelallergien?

Ja, das ist ein häufiges Thema bei Kindern und ihren Eltern.

Nehmen solche Allergien und Unverträglichkeiten tatsächlich zu?

Ja, sowohl Lebensmittelallergien als auch Unverträglichkeiten nehmen deutlich zu.

Kann man vorbeugen?

Zumindest teilweise. So hat Stillen einen präventiven Effekt. Die Neugeborenen müssen aber die ersten vier bis sechs Monate ausschliesslich gestillt werden. Ganz verhindern lässt sich allerdings eine Allergie nicht. Verdächtige Symptome sollten ärztlich abgeklärt und das auslösende Nahrungsmittel wenn nötig vermieden werden.

George Marx ist Facharzt für Kinder-Gastroenterologie und Ernährung und Fachbuchautor.
George Marx ist Facharzt für Kinder-Gastroenterologie und Ernährung und Fachbuchautor.
Foto: PD

Auch Koliken bei Säuglingen lassen viele Eltern verzweifeln. Kann da die Ernährung ebenfalls helfen?

Ja, das ist möglich. Häufig lassen sich Koliken mit dem probiotischen Keim Lactobazillus reuteri vorbeugen. Dieser Keim kommt zum Beispiel in der Muttermilch vor und ist im Handel erhältlich. Trotzdem muss man nach den Ursachen suchen, die sehr verschieden sein können. Das Weglassen blähender Gemüse wie Kohl, Zwiebeln, Knoblauch bei Kind und stillender Mutter kann ebenfalls helfen.

Wer sein Kind gesund ernähren will, muss die Lebensmittel auch beurteilen können. Was bringen die neuen Ampelsysteme?

Sie liefern einen raschen Überblick über den Nährwert eines Produktes, also über Energie-, Zucker- oder Fettgehalte. Der Nachteil ist, dass das vorherrschende Ampelsystem, der Nutri-Score, keine Auskunft gibt über Qualität des Anbaus und der Tierhaltung. Allergene, Süssstoffe oder die Zutatenliste bleiben ebenfalls unerwähnt.

Sollten sich Kinder nicht besser vegan ernähren?

Nein, das ist nicht empfehlenswert. Ein Kind braucht eine möglichst vielseitige Ernährung mit ausreichend Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien. Wenn doch vegan, dann unbedingt begleitet von einem Arzt oder einer Ernährungsberaterin.

Buchtipp: «Kinderernährung – Expertenwissen für den Alltag», George Marx und Andrea Mathis, Karger-Verlag, 2020.
Buchtipp: «Kinderernährung Expertenwissen für den Alltag», George Marx und Andrea Mathis, Karger-Verlag, 2020.
16 Kommentare
    Steffi B.

    Da ich viele Frauen kenne, die aus verschiedene Gründe nicht stillen können und sich deshalb z.T. unbegründet Vorwürfe machen: Die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird. Mein erstes Kind wurde ausschliesslich gestillt, und leidet unter starken Allergien. Mein zweites Kind erhielt zu Beginn Milchpulver (Neonatologie), und weist keinerlei Allergien auf. Am Schluss ist wohl vieles einfach Glück oder Pech. Und es sollte kein Druck auf die jungen Mütter ausgeübt werden, denn diese Zeit ist auch sonst schon aufwühlend genug, trotz all der schönen Seiten.