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Nach einem Rassisten benanntGrindelwald lehnt Umbenennung des Agassizhorns erneut ab

Die Bergspitze in den Berner Alpen darf ihren Namen wohl behalten, obschon der namensgebende Gletscherforscher ein bekennender Rassist gewesen ist.

Schon 2008 forderte die schweizerisch-haitianische Künstlerin Sasha Huber die Umbenennung des Agassizhorns. Der Gemeinderat von Grindelwald will davon weiterhin nichts wissen.
Schon 2008 forderte die schweizerisch-haitianische Künstlerin Sasha Huber die Umbenennung des Agassizhorns. Der Gemeinderat von Grindelwald will davon weiterhin nichts wissen.
Foto: Keystone

Das Agassizhorn soll seinen Namen behalten, obwohl Naturforscher Louis Agassiz ein Rassist war. Dieser Meinung ist der Gemeinderat von Grindelwald. Gemeindepräsident Beat Bucher bestätigte einen Bericht der Zeitung «Der Bund». Man könne die Flecken der Geschichte nicht wegputzen, sagte der parteilose Politiker. Besser sei es, sich mit der Geschichte samt ihren positiven und negativen Seiten auseinanderzusetzen.

Der Gemeinderat bleibe deshalb beim 2010 gefassten Nein. Die Vorfahren hätten den Gipfel nach Agassiz benannt, weil sie diesen als grossen Naturforscher würdigen wollten. Seine aus heutiger Sicht verwerflichen rassistischen Ansichten habe man 2012 in einer Ausstellung im Heimatmuseum Grindelwald kritisch beleuchtet.

Louis Agassiz (1807-1873) war ein bekannter Gletscherforscher, der nach der Übersiedlung in die USA rassistische Theorien verbreitete. Für ihn war klar, dass es eine «wissenschaftliche Rangfolge der Rassen» gebe und dunkelhäutige Menschen minderwertig seien.

Sache der Gemeinden

Ein Komitee um den Historiker Hans Fässler verlangte deshalb schon 2007 die Umbenennung des Agassizhorns – und blitzte 2010 bei den drei Standortgemeinden Grindelwald, Guttannen und Fieschertal ab. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung unternahm das Komitee nun einen neuen Anlauf.

Nach dem Nein des Grindelwaldner Gemeinderats sind die Blicke auf die zwei anderen Standortgemeinden gerichtet. Fieschertal soll am heutigen Mittwoch entscheiden. Guttannen hält seinen Beschluss von letzter Woche noch unter Verschluss. Die Gemeinde will sich äussern, sobald der Antwortbrief ans Komitee verschickt wird.

Historiker: «Chance verpasst»

Historiker Fässler reagierte enttäuscht auf den Grindelwaldner Entscheid. Der Gemeinderat mit seiner freisinnigen Mehrheit habe die Chance verpasst, Grindelwald als weltoffene, aufgeschlossene und moderne Gemeinde zu präsentieren.

Stattdessen bleibe dem Ort der «Problemberg Agassizhorn» erhalten. Übrigens sei der Gipfel nicht von einer dem Forscher dankbar verbundenen Nachwelt so benannt worden, sondern 1840 von einer Expedition unter der Leitung des «damals noch ziemlich unbekannten Glaziologen und Fischforschers Agassiz».

Nun müsse der Bundesrat korrigierend eingreifen, fordert Fässler – zumal die Standortkantone Bern und Wallis mit Simonetta Sommaruga und Viola Amherd in der Landesregierung vertreten seien.

Der Bundesrat wollte sich bislang nicht einmischen. 2007 hielt er fest, der Bund sei nicht zuständig für die Benennung oder Umbenennung von Berggipfeln. Das Bundesamt für Landestopographie übernehme lediglich die gewählten Namen. Eine Ausnahme gab es 1863, als der Bundesrat der Dufourspitze ihren Namen gab.

SDA

1 Kommentar
    Schneider Beat

    Wenn das so weitergeht, muss man plötzlich auch Amerika, Kolumbien, Cook-Inseln und anderes nach Namen benannte umbenennen. Vielleicht hatte der eine oder andere Entdecker ja aus heutiger Sicht unpassende Ansichten, wer weiss? Oder hatte schlechte Manieren im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Oder dann gleich Umbenennungen zwecks Gender-Ausgleich, da Entdecker meist Männer waren. Ist doch ungerecht. Die Jungfrau auch, die könnte sensible Gemüter als sexistisch belasten. Sie muss auch noch direkt neben dem Mönch stehen. Ups, da gibt es noch ganz viel zu tun!