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Langenthaler WortgeschichtenGütterli

Halb daneben ist fast getroffen: An dieser Stelle interpretiert Stadtliterat Alexander Estis Mundartwörter auf seine Weise.

Das Gütterli, in Wahrheit ein kleiner hölzerner Zug.
Das Gütterli, in Wahrheit ein kleiner hölzerner Zug.
Alexander Estis/PD

Meine Schwiegertochter konnte ich früher beim besten Willen nicht als eine einfache Person bezeichnen.

Man mag einwenden: Wer ist schon eine einfache Person? Etwa du, Gotlind? Du mit deinem Gejammer über den Fortschritt der Arthritis, den Rückschritt der Kultur und den Arschtritt, den man den ganzen arbeitslosen Pennern vor dem Bahnhof endlich einmal verpassen sollte? Du mit deiner Trägheit, mit deiner Empörtheit, mit deiner Alterstorheit?

Das will ich ja alles gar nicht leugnen; aber meine Schwiegertochter war früher eben auch kein Zuckerschlecken. Immer rannte sie umher, immer motzte sie herum, immer hatte sie was auszusetzen. Nie konnte ich es ihr recht machen. Wenn ich ihr riet, wie man Ehezwist vermeiden kann, schrie sie, ich solle mich nicht einmischen; wenn ich mich zurückhielt, hiess es, ich könne doch auch mal was sagen. War ich zugegen, dann nervte ich nur; blieb ich fern, war mir die Familie nichts wert. Gab ich dem Enkelsohn, was er wollte, dann verhätschelte ich ihn nur, und enthielt ich ihm etwas vor, dann attestierte sie mir drakonische Erziehungsmassnahmen.

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