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Besuch unter AuflagenHallensport in Zeiten von Corona: Es funktioniert

Einen geschlossenen Raum während zweier Stunden mit vielen Fremden teilen – das hört sich gegenwärtig nach einer schlechten Idee an. Ein Erfahrungsbericht anlässlich des Handballspiels Wacker Thun - TV Solothurn.

Handballclub Wacker Thun testet gegen den TV Solothurn – und vor allen Dingen sein Corona-Schutzkonzept.
Handballclub Wacker Thun testet gegen den TV Solothurn – und vor allen Dingen sein Corona-Schutzkonzept.
Foto: Manuel Zingg

Spätestens jetzt denke ich: Das ist gerade der wohl sicherste Ort des Landes!

Als ich mich der Halle näherte, wurde ich ein erstes Mal gebeten, mir die Hände zu desinfizieren. Dann musste ich auf einem Formular meine Kontaktdaten ausfüllen – mit einem Kugelschreiber, der davor und danach gereinigt wurde. Ich händigte es einem Mann aus, der Maske trug und dennoch hinter einer Glasscheibe stand. Bevor er mich passieren liess, musste ich ihn anrufen – damit er sichergehen konnte, dass ich auch wirklich meine eigene Handynummer angegeben hatte.

Dann darf ich die Halle endlich betreten – und werde erneut aufgefordert, die Hände zu desinfizieren.

Ich staune, ich fühle mich ausgesprochen sicher – und an die ersten Tage nach dem Lockdown erinnert, als man sich zögernd, passiv und leicht verängstigt kleineren Menschenansammlungen wie einem Café näherte, in Sorge, versehentlich eine der zahlreichen Auflagen zu verletzen.

So geht Sportkonsum in Zeiten von Corona also. Handballspitzenclub Wacker Thun trägt sein erstes Spiel der Saison aus, Nationalliga-B-Club Solothurn gastiert. Der Anlass ist ein Test – für die Akteure, welche sich auf die Anfang September beginnende Meisterschaft vorbereiten, vor allen Dingen aber für die Funktionäre. Sie wollen wissen, ob ihr Schutzkonzept funktioniert.

In die Halle darf nur, wer das Formular mit seinen Kontaktdaten abgibt – und an diesem Stand den Beweis erbringt, dass diese korrekt sind.
In die Halle darf nur, wer das Formular mit seinen Kontaktdaten abgibt – und an diesem Stand den Beweis erbringt, dass diese korrekt sind.
Foto: Manuel Zingg

Die Veranstaltung am hochsommerlichen Samstag ist eine Lightversion davon, was die Verantwortlichen ab dem Herbst erwarten wird. Maximal 300 Leute dürfen heute rein; das ist die Grenze, welche sich der Club selber auferlegt hat. In der Meisterschaft sollens dann aus jetziger Optik 1000 sein.

Wacker empfiehlt den Besuchern, eine Maske zu tragen, und stellt welche zur Verfügung. Überall liegen Packungen auf. Die Leute des Clubs tragen allesamt eine – im Gegensatz zum Grossteil der rund 100 Zuschauer.

Masken und die «Empfehlung», sie zu tragen: Das ist hierzulande ja so eine Sache.

Aufwand: 30 Stunden

Die Partie ist zu Ende. Die Thuner siegen 25:15. Geschäftsführerin Nicole Kaufmann ist aus andern Gründen erleichtert. Ihr Konzept funktioniert – und bräuchte wohl auch die Prüfung des kritischsten BAG-Mitarbeiters nicht zu fürchten.

Rund 30 Stunden hat die 25-Jährige im Vorfeld aufgewendet. Die Erarbeitung eines tauglichen Schutzkonzeptes ist für den Verein insofern alternativlos, als er auf Dauer nicht überleben wird, wenn er keine Zuschauer empfangen darf.

Heute hat der Club Corona gewissermassen ein erstes Mal besiegt. Weitere Prüfungen werden folgen. Das Virus ist längst zum ultimativen Gegner aller Sportclubs geworden, unnachgiebiger als der grösste Erzrivale.