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Leoniden-Spektakel am HimmelHeute Nacht regnet es wieder Sternschnuppen

Es werden durchschnittlich 15 Sternschnuppen pro Stunde erwartet. Was Sie in dieser Nacht der Wünsche beachten müssen, um eine möglichst gute Sicht zu haben.

Die Leoniden gehören zum schnellsten Meteorstrom überhaupt: Eine Sternschnuppe am Nachthimmel von Washington D.C.
Die Leoniden gehören zum schnellsten Meteorstrom überhaupt: Eine Sternschnuppe am Nachthimmel von Washington D.C.
Foto: EPA/ Nasa/Keystone 

In diesen Tagen ist es wieder so weit: Die Erde durchquert den Sternschnuppenstrom der Leoniden. Zwar sind bereits seit Anfang November vereinzelt immer wieder Sternschnuppen sichtbar. In der Zeit vom 16. bis 18. November erreichen die Leoniden jedoch ihren Höhepunkt. Das Einzige, was dem begeisterten Himmelsgucker noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte, ist jedoch das Wetter.

Der Meteorstrom erreichte bereits am Dienstagmittag sein eigentliches Maximum, dann, wenn ihn von blossem Auge niemand sehen konnte. In der Nacht auf Mittwoch sind jedoch immer noch einige Sternschnuppen am Firmament beobachtbar. Laut Daniel Karbacher von der Urania-Sternwarte in Zürich ist mit durchschnittlich 15 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen – ein im Vergleich zu vergangenen Leoniden-Strömen «eher schwacher» Strom, wie der Experte meint.

Was die Leoniden jedoch speziell macht, ist deren hohe Geschwindigkeit, mit welcher sie durch die Erdatmosphäre fliegen. Mit etwa 70 Kilometern pro Sekunde – oder 250’000 Kilometern pro Stunde – gehören sie laut Karbacher zu den schnellsten Meteorströmen. Dadurch hinterlassen sie besonders lange Striche am Firmament.

Meteorsturm im Joshua-Tree-Nationalpark im US-Bundesstaat Kalifornien im November 1998. Leoniden-Meteorstürme passieren in der Regel nur alle 33 Jahre. Foto: Los Angeles Times / Getty Images
Meteorsturm im Joshua-Tree-Nationalpark im US-Bundesstaat Kalifornien im November 1998. Leoniden-Meteorstürme passieren in der Regel nur alle 33 Jahre. Foto: Los Angeles Times / Getty Images
Muroto in Japan am 18. Nobember 2009. Foto:  The Asahi Shimbun / Getty Images
Muroto in Japan am 18. Nobember 2009. Foto: The Asahi Shimbun / Getty Images
Rio de Janeiro in Brasilien am 17. November 1998.  Foto: Reuters
Rio de Janeiro in Brasilien am 17. November 1998. Foto: Reuters
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Wer die Sternschnuppen beobachten will, sollte nach Mitternacht am besten an einen dunklen Ort gehen, wo man freie Sicht auf den Nachthimmel hat, rät Karbacher. Die Blickrichtung spiele dabei grundsätzlich keine Rolle. Entscheidend sei allerdings, dass das Wetter mitspiele und der Himmel klar sei. In Städten steht die hohe Lichtverschmutzung dem im Weg.

Hat man ein Plätzchen für sich gefunden, muss man zuerst einmal etwa eine halbe Stunde abwarten, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Besonderes Equipment ist zum Beobachten nicht erforderlich. Ein Fernrohr etwa enge die Sicht nur unnötig ein, meint Karbacher. Auch bringe es nichts, zu einer Sternwarte zu gehen. «Am besten ist es, man schaut wie in einem Cabrio einfach nur geradeaus», meint der Astronom.

«Sternschnuppen müssen sich als ‹Photobomb› auf das Bild schmeissen»

Um das Spektakel auch noch bildlich festzuhalten, ist (Hobby-)Fotografen geraten, möglichst ein Stativ sowie Kabel- oder Fernauslöser zu verwenden. «Die Strategie ist es, ein Bild nach dem anderen zu machen, den Verschluss also immer offen zu halten, und dann darauf zu hoffen, dass in dieser Zeit ein Stern vom Himmel fällt», riet Fotograf Alessandro Della Bella.

Fast am wichtigsten sei es, den Autofokus abzuschalten und manuell scharf zu stellen. Dafür eigne sich ein beliebiger heller Punkt am Firmament, auf den man bei maximaler Vergrösserung fokussiere. Della Bella rät, vor dem Fotografieren zuerst ein Testbild zu machen.

Der Fotograf Alessandro Della Bella zeigt in 10 Schritten, wie Sie zum unvergesslichen Sternschnuppenbild kommen.
Video: Anja Stadelmann

Schlussendlich seien schöne Bilder jedoch Glückssache: «Sternschnuppen kann man eigentlich nicht fotografieren. Sie müssen sich als ‹Photobomb› auf das Bild schmeissen», sagte Della Bella. Er empfehle jedem, nicht nach draussen zu gehen, um die Sternschnuppen zu fotografieren, sondern um sie von blossem Auge zu betrachten, so der Fotograf.

Die Leoniden sind nach dem Sternbild Löwe (lat.: Leo) benannt, aus dessen Richtung sie scheinbar auftauchen. Ihren Ursprung haben die Meteore in der Trümmerwolke des Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Sobald Bruchstücke des Kometen in die Erdatmosphäre eintreten, verglühen sie und werden zu Sternschnuppen. Weil sich die Erde in die entgegengesetzte Richtung des einfallenden Meteorstroms bewegt, sind diese besonders schnell.

Im Dezember folgt das nächste Spektakel

Etwa alle 33 Jahre kreuzt die Erde die Umlaufbahn des Kometen Tempel-Tuttle. Dann ist mit besonders vielen Sternschnuppen zu rechnen. Es kommt in diesem Fall zu einem Meteorstrom mit mehreren Tausend Meteoren pro Stunde. Gemäss der Internationalen Meteor-Organisation wird dies allerdings erst wieder im Jahr 2099 der Fall sein. In den Jahren 2031 sowie 2064 wird die Leoniden-Sternschnuppensaison allerdings dennoch überdurchschnittlich ausfallen.

Und wer die Leoniden in diesem Jahr verpassen sollte, der kann sich auf den Dezember freuen. Dann nämlich werden die sogenannten Geminiden wieder aktiv. Sie sind der stärkste Meteorstrom des Jahres und erreichen ihren Höhepunkt um die Zeit des 14. Dezember herum mit etwa 150 Sternschnuppen pro Stunde.

4 Kommentare
    Marc Schäfer

    Warum dauert es noch 77 Jahre bis wir wieder in den Genuss der Sternschnuppen von Tempel-Tuttle kommen, wenn die Erde doch alle 33 Jahre die Umlaufbahn dieses Kometenstroms kreuzt ?

    Ich freue mich auf eine Antwort.