«Human Output ist eine Ressource»

Stilvoll aufs Klo gehen und erst noch etwas Gutes tun? Jojo Linder macht es möglich – mit dem Kompotoi, einem mobilen Kompostklo.

Heimelig seis im Kompostklo, und es rieche gut, sagt Jojo Linder. Foto: Reto Oeschger

Heimelig seis im Kompostklo, und es rieche gut, sagt Jojo Linder. Foto: Reto Oeschger

Sie vermieten Komposttoiletten, ein Scheissjob?
Im Gegenteil – ein Rock-’n’-Roll-Job! Mit unserem Kompotoi tourten wir im Sommer von Festival zu Festival. Wir versuchen, aus etwas Unangenehmem etwas Angenehmes zu machen.

Etwas Angenehmes?
Denken Sie mal an die üblichen Miet-Toiletten. Da überlegt man sich doch zweimal, ob man wirklich muss, oder? In unseren Holzklos ist es heimelig – und es riecht nach frischem Einstreu. An den Wänden hängen Infos und gute Sprüche.

Witze als Klolektüre?
Wir haben Partnerschaften mit anderen ökologisch denkenden Firmen. Wir wollen die Leute motivieren, sich Gedanken über ihren «Scheiss» zu machen, und ­geben eine ökologische Alternative. Es geht darum: wortwörtlich beim Scheissen Gutes zu tun.

Ein mobiles Klo, das nicht stinkt?
Auf jedem WC stinkt es kurz. Aber durch eine Lüftung und die Holzspäne wird der Geruch schnell neutralisiert.

Wie funktioniert Ihr Kompotoi?
Ganz normal wie ein Klo – ausser dass ich am Schluss meinen Human Output nicht mit neun Litern Trinkwasser runterspüle, sondern mit einer Portion Holzstreu. Im Moment muss man dies noch manuell tun. Wir sind allerdings an einem Einstreuspender dran.

Human Output – ist das der neuste Begriff für Scheisse?
So nennen wir das, ja. Alle sehen den Human Output als Abfall, dabei ist er eine Ressource, die man zu Dünger umwandeln kann. Heute wird er aber auf normalen WC mit hundert anderen Stoffen vermischt. Höchst ineffizient!

Was machen Sie damit?
Den wandeln wir in fruchtbaren Bodenverbesserer um. Eine wichtige Komponente ist das Beimischen von Pflanzenkohle. Unser Vorbild ist die hochfruchtbare Terra Preta, eine Erde, die im ­Amazonasgebiet gefunden wurde.

Und wie kamen Sie dazu?
Ich besuchte eine Veranstaltung über Permakultur, wo es diese Art von Klos gab. Es kann doch nicht sein, dass es das sonst nicht gibt, dachte ich mir und habe die Idee dann so lange unter Bekannten verbreitet, bis ich motivierte Leute mit Know-how fand. Die erste Buchung kam herein, bevor wir überhaupt etwas gebaut hatten. Da mussten wir einfach loslegen.

Kompotoi ist ein Verein. Wer ist dabei?
Das Kernteam besteht aus drei Umweltingenieuren, einem Schreiner und mir. Gemeinsam treiben wir das Projekt voran, bauen in Meilen die Klos, machen die Vermietungen und planen Beratungen, was Inhouse-Installationen betrifft.

Ein Kompostklo im Haus – denkbar?
Wir haben bereits einen Interessenten. Heute vermieten wir 12 mobile Kompotois. 2015 sollen 30 bis 60 dazukommen.

Wofür werden Kompotois gebucht?
Für Anlässe, wo ökologisches Bewusstsein und Ästhetik eine Rolle spielen. Die Kompotois eignen sich auch für Langzeitbaustellen. Es ist aber ein saisonales Projekt. Für Weihnachtsanlässe haben wir zwar einige Bookings, aber sonst lässt das Geschäft derzeit etwas nach.

Sind Sie im Vergleich zu Toi Toi überhaupt konkurrenzfähig?
Ja! Auch wenn wir je nach Anzahl Klos 20 bis 50 Prozent teurer sind. Gerade an Events, wo viel läuft, ist es uns wichtig, dass jemand zur Betreuung da ist und genug schnell reagieren kann, wenn die Klos geleert werden müssen.

Kann man davon leben?
Wir zahlen uns immerhin schon Teilzeitlöhne aus. Ich hatte schon immer das Ziel, in meinem Leben etwas Sinnvolles zu machen. Kompotoi ist ein Businessmodell, wo man verdienen, aber auch etwas Gutes tun kann. Wir wollen aber kein Monopol. Es sollen ruhig mehr Toiletten mit Kompostsystem auf den Markt kommen. Die Leute sollen sich mehr um ihren eigenen «Scheiss» kümmern.

Anlässlich des Welttoilettentags wird am Mittwoch ein Kompotoi auf dem Paradeplatz ausgestellt. www.kompotoi.ch

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