Hunderte Einsprachen gegen neue Ostanflüge

Die Pläne des Flughafens, die Ostanflüge anders zu führen als bisher, stossen auf grossen Widerstand – aus allen Himmelsrichtungen. Auch die Stadt Zürich hat Einsprache erhoben.

Umstrittenes Anflugregime: Passagierflugzeug beim Ostanflug über Kloten. Foto: Sebastian Schneider (Keystone)

Umstrittenes Anflugregime: Passagierflugzeug beim Ostanflug über Kloten. Foto: Sebastian Schneider (Keystone)

(Bild: Keystone Sebastian Schneider)

Liliane Minor@MinorLili

Der Ostanflug auf Piste 28 ist so, wie er heute stattfindet, nicht gerade optimal. Denn die Anflugroute kreuzt sich in der Luft mit der Abflugroute jener Maschinen, die auf den Pisten 34 und 32 nach Norden starten und kurz vor der deutschen Grenze nahezu rechtwinklig abdrehen müssen. Das will der Flughafen mit einem neuen Betriebsreglement ändern: Sowohl An- als auch Abflugrouten werden so verschoben, dass sich startende und landende Flugzeuge nicht mehr in die Quere kommen können.

Gestern ist die Einsprachefrist gegen die Pläne abgelaufen. Und wie erwartet stossen sie nicht auf Gegenliebe. Laut Urs Holderegger, dem Mediensprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl), sind mehrere hundert Einsprachen eingegangen, und zwar aus allen Himmelsrichtungen. Zu grossen Teilen handle es sich allerdings um vorformulierte Schreiben, welche von Gemeinden und Fluglärmorganisationen zur Verfügung gestellt wurden.

Norden wehrt sich

Am meisten Einsprachen kamen laut Holderegger aus den Gemeinden nördlich des Flughafens. Sauer stösst dem Norden vor allem auf, dass schwere Maschinen gemäss dem neuen Reglement rund 300 Meter tiefer als bisher abdrehen dürfen. Das dürfte zu spürbar mehr Lärm führen. «Wir wehren uns aber auch gegen den politisch motivierten Willen, den Fluglärm einseitig über dem Norden zu kanalisieren», sagt Hanspeter Lienhart (SP), Stadtrat in Bülach und Präsident der IG Nord. Schon heute werde fast die Hälfte aller Flugbewegungen über dem Norden abgewickelt. «Das reicht», heisst es in einer Medienmitteilung der IG Nord.

Zahlreiche Schreiben trafen auch aus der Region Zurzach ein. Dort ist künftig ebenfalls deutlich mehr Lärm zu erwarten, weil nach Norden startende Maschinen nicht mehr nach Osten, sondern nur noch nach Westen abdrehen dürfen.

Einsprache erhoben hat auch die Stadt Zürich. Denn die neue Nordabflugroute führt in einem weiten Bogen via Zurzach, das Limmattal und schliesslich über die nordwestlichen Stadtquartiere, dann weiter über Opfikon und Wallisellen. Das verursache deutlich mehr Lärm als bisher, schreibt Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP). Zürich zweifelt auch daran, dass die Umstellung aus Sicherheitsgründen überhaupt nötig ist. Betroffene aus Südgemeinden wenden sich vor allem gegen den geplanten Bau neuer Schnellabrollwege. Das zementiere die Südanflüge, glauben sie.

Angst vor mehr Bewegungen

Der Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO) und die in der Region Ost zusammengeschlossenen Gemeinden sprechen sich vor allem deshalb gegen das neue Betriebsreglement aus, weil dieses aus ihrer Sicht das dringendste Problem nicht löst. Tatsächlich nannte der offizielle Sicherheitsbericht aus dem Jahr 2012, der den Anstoss für das neue Anflugkonzept gab, einen ganz anderen Punkt als grösstes Sicherheitsrisiko: Dass Flugzeuge, die nach Süden starten, nicht geradeausfliegen dürfen, sondern aus lärmpolitischen Gründen nach Westen abdrehen müssen. BFO und Region Ost fordern deshalb die Einführung des Südstarts geradeaus. Die Stadt Zürich kritisiert im Gegenteil, dass der Südstart geradeaus noch immer nicht vom Tisch sei.

Vehement ist die Ablehnung der neuen Flugrouten auch in Süddeutschland. Grund: Künftig werden die Flugzeuge, die von Osten her auf Piste 28 landen, über Süddeutschland in den Endanflug aufgereiht. Damit würden die Sperrzeiten faktisch ausgehebelt, kritisiert eine breite Allianz von Politikern aller betroffenen Landkreise. Eine Befürchtung teilen alle Anwohner rund um den Flughafen: Dass das neue Betriebsreglement dem Flughafen mehr Spielraum und damit mehr Flugbewegungen ermöglicht.

Es kann noch Jahre dauern

Bis die neuen Flugrouten geflogen werden dürfen, kann es noch Monate dauern, möglicherweise sogar Jahre. Noch bis Januar läuft die Anhörung der Kantone und betroffenen Landkreise, dann werden die Einsprachen ausgewertet und dem Flughafen zur Stellungnahme vorgelegt. Anschliessen dürfen sich die Einsprecher noch einmal äussern. Vorgeschrieben ist auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Und wenn das neue Betriebsreglement dann bewilligt werden sollte, können Betroffene sich dagegen auf dem Rechtsweg wehren.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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