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Mein HobbyIn seiner Freizeit taucht er ab

Der 32-jährige Ivan Jivkov spielt Unterwasserhockey. Ein Sport, bei dem ihm öfters die Luft ausgeht und er sein Ego überwinden muss.

Ivan Jivkov spielt leidenschaftlich gerne Unterwasserhockey. Hier bei einer Trainingspause im Schwimmbad Melchenbühl in Gümligen.
Ivan Jivkov spielt leidenschaftlich gerne Unterwasserhockey. Hier bei einer Trainingspause im Schwimmbad Melchenbühl in Gümligen.
Foto: Raphael Moser

«Ready, go!», schreit jemand durch das Schwimmbad Melchenbühl in Gümligen. Die sechs Personen am Beckenrand, ausgestattet mit Badekappe, Schwimmbrille und Tauchmaske, stossen sich kraftvoll vom Rand in Richtung Beckenmitte ab. Das geht blitzschnell, und es spritzt. Fast gleichzeitig tauchen die Schwimmer unter. Kurz sind die Flossen zu sehen, dann ist es still, bis ein Kopf über Wasser ­erscheint.

Der Schwimmer schnappt nach Luft und taucht wieder ab, zwei Meter tief auf den Grund des Beckens. Dort unten wird Unterwasserhockey gespielt. Die Spielerinnen und Spieler halten einen dreissig Zentimeter langen Stock in der Hand. Sie kämpfen darum, den pinkfarbenen Puck ins gegnerische Tor zu bringen. Das Tor ist eine drei Meter breite Metall­rinne.

Gespielt wird mit Stock und Puck.
Gespielt wird mit Stock und Puck.
Foto: Raphael Moser

Immer wieder taucht einer der Spieler auf, schnappt nach Luft, taucht für etwa sechs Sekunden erneut ab. Nach zwanzig Minuten ist Spielende. Die Mannschaft schwimmt an den Beckenrand. Die Spielerinnen und Spieler ziehen Schnorchel und Tauchmaske ab. «Yes, das war ein schönes Tor», lobt Ivan Jivkov einen seiner Kollegen.

Später sagt er: «Unterwasserhockey muss man erleben, man muss einfach selber mitmachen.» Dieser Aufforderung ist der 32-jährige Gesundheitsökonom vor acht Jahren gefolgt, als er in einem Hallenbad in Zürich ein Unterwasserhockeyspiel mitverfolgt hat. «Einer der Spieler forderte mich auf mitzumachen, und ich zögerte nicht.»

Er probiere gern für ihn Unbekanntes aus, sagt Ivan Jivkov, «ich bin damals zwar fast ertrunken», sagt er und lacht, «fand den Sport aber trotzdem cool, war motiviert, mich der Herausforderung zu stellen und künftig mitzutrainieren».

Ideale Freizeitbeschäftigung

Heute trainiert der gebürtige Bulgare, der in Bern wohnt, mindestens einmal pro Woche Unterwasserhockey im Schwimmbad in Gümligen. Sein Team, Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, gehört dem Verein von Unterwasserhockey Schweiz an. Für Jivkov ist es die ideale Freizeitbeschäftigung. «Ich bin gerne im Wasser, aber alleine schwimmen empfinde ich als eher langweilig.»

Das Spiel unter Wasser erfordert einiges an Geschick.
Das Spiel unter Wasser erfordert einiges an Geschick.
Foto: Raphael Moser

Besonders gefordert sei bei diesem Sport die Lunge, die stark trainiert werde. So verwundert nicht, dass Unterwasserhockey ursprünglich in England als Wintertraining für Taucher ausgeübt worden ist. Dort wird die Sportart auch Octopush genannt. Weiter fordere Unterwasserhockey die Spieler auch mental. «Ständig versucht man noch einige Sekunden länger unter Wasser zu bleiben und lotet so seine Grenzen bewusst aus», sagt Jivkov.

Dank seines Hobbys habe er zudem einiges über Respekt und Vertrauen im Umgang mit anderen gelernt. «Man muss sein Ego überwinden und sich komplett auf die Teammitglieder verlassen, da unter Wasser nicht miteinander gesprochen werden kann.»

Familiäre Atmosphäre

Mit sechs Unterwasserhockey-Vereinen sei die Szene in der Schweiz überschaubar und familiär. Regelmässig nehmen die Teams an professionellen Wettkämpfen im Ausland teil, auch Ivan Jivkov. Dadurch pflegt er Kontakte zu Gleichgesinnten aus anderen Ländern. «Ich mag dieses internationale Flair und den Austausch.» Er sei kommunikativ und unterhalte sich gerne über seinen Lieblingssport.

Eine nächste Gelegenheit dazu bietet sich Jivkov an der jährlich stattfindenden Swiss Trophy im Juni im Schwimmbad Wislepark in Worb. Hier nehmen auch Clubs aus angrenzenden Ländern teil. Dann wird es wieder heissen: «Ready, go!»

 Ivan Jivkov hat dank dem Unterwasserhockey einiges im Umgang mit seinen Mitmenschen gelernt.
Ivan Jivkov hat dank dem Unterwasserhockey einiges im Umgang mit seinen Mitmenschen gelernt.
Foto: Raphael Moser

Weitere Infos zu Unterwasserhockey Schweiz: UWH.ch.

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