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SommerserieIn sieben Tagen um die Welt

Im Ambulanzjet fliegt Yvonne Horisberger aus Interlaken rund um die Welt. Mit der Rega bringt die Intensivpflegefachfrau Patienten zurück in ihre Heimat.

Als Intensivpflegefachfrau fliegt Yvonne Horisberger mit Rega-Ambulanzjets in alle Welt.
Als Intensivpflegefachfrau fliegt Yvonne Horisberger mit Rega-Ambulanzjets in alle Welt.
Foto: PD/Rega

«Ja, es gibt sie, diese Momente, wo du an deine Grenzen kommst, dich wunderst, was du dir da antust, und einfach nur noch ins Bett fallen möchtest.» Nachdenklich blickt Yvonne Horisberger in die Ferne. «Und doch möchte ich diesen Beruf nicht hergeben.» Die Pflegefachfrau aus Interlaken fliegt als Intensivpflegefachfrau in den Rega-Ambulanzjets mit.

«Ja, es gibt sie, diese Momente, wo du an deine Grenzen kommst.»

Yvonne Horisberger, Intensivpflegefachfrau

Sie ist für die fachgerechte medizinische Betreuung von schwer kranken oder verletzten Patienten mitverantwortlich, die zurück in die Heimat geflogen werden. Doch warum liebt sie diesen herausfordernden Beruf, «wo man oft Unschönes sieht» und der ihr viel Belastbarkeit und Flexibilität abverlangt, so sehr?

Grosse Erleichterung

«Weil ich eins zu eins sehe und spüre, wie viel Gutes wir bewirken können.» Egal, wo in der Welt sie hinkomme und sich auf Bärndütsch vorstelle, sei die Erleichterung der Patienten und Angehörigen greifbar. Als ob eine gewaltige Last von ihren Schultern fiele. «Oft sagen sie dann, dass nun alles gut wird und sie sich schon fast
daheim fühlen.» Sobald sie im Flieger seien, könnten sie Verantwortung abgeben und endlich herunterfahren. «Dann können sie alles erzählen, verspüren plötzlich Appetit und danach Müdigkeit.»

Solche Momente seien «unbezahlbar», sagt die 49-Jährige freundlich lächelnd: «Sie zeigen, wie wichtig Support in schwierigen Zeiten ist.» Die Frage, wie lange sie schon als Intensivpflegefachfrau arbeite, beantwortet Horisberger präzis: «17 Jahre, 7 Monate und acht Tage» (Stand: 8. August 2020). Seit 1. Januar 2003 also. Wie sie bleiben die meisten länger im fliegenden Repatriierungs-Team der Rega.

Die Ambulanzjets Challenger 650 der Rega sind in der ganzen Welt für schwer erkrankte oder verunfallte Menschen im Einsatz. Drei Stück besitzt die Rega.
Die Ambulanzjets Challenger 650 der Rega sind in der ganzen Welt für schwer erkrankte oder verunfallte Menschen im Einsatz. Drei Stück besitzt die Rega.
Foto: PD/Rega

Über die Datumsgrenze

«Man muss für diesen Beruf geboren sein», erklärt die Oberländerin, die sich zunächst zur Spitalgehilfin, dann zur Pflegefachfrau und schliesslich am Inselspital zur Intensivpflegefachfrau ausbilden liess, bevor sie «zum richtigen Zeitpunkt» zur Rega fand. «Man muss das Unstete mögen. Du weisst nie, wo du als Nächstes bist, kämpfst mit dem Jetlag, schläfst mal im Flugzeug, mal in Indien und bist vielleicht erst drei Tage später wieder zu Hause.»

«Man muss das Unstete mögen.»

Yvonne Horisberger, Intensivpflegefachfrau

Unvergessen bleibt ihr eine «Reise in sieben Tagen um die Welt»: Ein Patient musste von Abu Dhabi via Zürich nach Kalifornien geflogen werden. Danach flog der Rega-Jet weiter, über Honolulu und Samoa nach Australien, um von dort zwei Patienten zurück in die Schweiz zu bringen. «Unterwegs waren wir sieben Tage und 43'200 Kilometer. Wir durchquerten zahlreiche Zeitzonen und die Datumsgrenze. Irgendwann weiss man Uhrzeit und Datum nicht mehr genau – verrückt!»

«Jedes Land, jeder Flughafen riecht anders.»

Yvonne Horisberger, Intensivpflegefachfrau

Auf der Weltkarte der passionierten Walbeobachterin und Kajakfahrerin sind mittlerweile 104 Länder eingetragen («jedes Land, jeder Flughafen riecht anders»), die sie mit der Rega bereits angeflogen und dabei Millionen Flugkilometer zurückgelegt hat. Für Yvonne Horisberger besteht kein Zweifel: Im Dienst der Rega werden für sie noch etliche Einsatzjahre dazukommen – und damit auf ihrer Weltkarte zweifellos neue überquerte Landesgrenzen.