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E-Mobilität in der SchweizJeder fünfte Neuwagen fährt elektrisch

Licht und Schatten am Schweizer Markt für neue Personenwagen: Die Branche steht vor ihren schlechtesten Jahr seit Mitte der 1970er Jahre, doch die E-Autos sind trotz Hindernisse hoch im Kurs.

Ein Elektroauto wird an einer Ladestation an der Gotthard-Raststätte in Schattdorf aufgeladen.
Ein Elektroauto wird an einer Ladestation an der Gotthard-Raststätte in Schattdorf aufgeladen.
Foto: Keystone

Laut einer Umfrage des Automobilclubs TCS wächst bei den Konsumenten der Wunsch, sich ein Elektroauto anzuschaffen. Zwar bestehen beim Umstieg von Verbrennungsmotoren auf elektrische Antriebe weiterhin Hindernisse – etwa das Fehlen einer Ladeinfrastruktur – dennoch verzeichnet auto-schweiz, die Vereinigung der offiziellen Automobil-Importeure, einen Rekord.

Laut Verband beträgt der Marktanteil von Fahrzeugen mit alternativen Antreiben im September 34,9 Prozent, davon entfallen auf Elektroautos und Plug-in-Hybride 20,2 Prozent. Damit kann jeder fünfte neue Personenwagen, der im September immatrikuliert wurde, elektrisch fahren und am Stromnetz aufgeladen werden, heisst es in einer Mitteilung.

Und der Trend könnte weitergehen: Laut TCS gab in einer Befragung knapp jede zehnte Person an, sich in den nächsten drei Jahren vermutlich ein Elektroauto anzuschaffen zu wollen. Weitere insgesamt 44 Prozent haben demnach den Wunsch, sich in vier Jahren oder später ein solches Fahrzeug zuzulegen.

Kosten und Infrastruktur als Hürden

Als Hauptgrund für einen Umstieg werden dabei in erster Linie Klimaüberlegungen genannt, gefolgt vom Glauben an die Technologie und zunehmend auch finanzielle Überlegungen, wie es weiter heisst. Das hänge damit zusammen, dass E-Fahrzeuge bezüglich Anschaffungs- und Betriebskosten im Vergleich zu herkömmlich betriebenen Fahrzeugen zunehmend konkurrenzfähiger würden, wie der TCS weiter schreibt.

Die hohen Anschaffungskosten werden aber auch bei den Hürden genannt, welche die Konsumenten bisher davon abhalten, sich ein E-Auto zuzulegen. Als das grösste Problem wird aber das Fehlen einer brauchbaren und zugänglichen Ladeinfrastruktur sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz genannt. Dies und die Praktikabilität in der Nutzung würden die Kernherausforderung für eine erfolgreiche Verbreitung der Elektromobilität bleiben, so der Auto-Club. Aufgrund der Befragungsergebnisse wolle man der Forderung nach dem Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur Nachdruck verleihen.

Auto wurde in Corona-Krise wichtiger

Die Corona-Krise habe bei der Schweizer Bevölkerung zu einer Neubeurteilung zahlreicher Aspekte des Lebens geführt und beeinflusse auch das Mobilitätsverhalten, schreiben die Autoren der Umfrage weiter. Bei der Frage nach der Wichtigkeit nannten 46 Prozent das Auto als meist genutztes Fortbewegungsmittel, das sind 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Beim Öffentlichen Verkehr sank dieser Wert um drei Punkte auf 29 Prozent.

Diese Kombination von dem Wunsch nach der Sicherheit, den der Individualverkehr biete, und Nachhaltigkeit sei Treibstoff für die weitere Verbreitung der E-Mobilität, folgert der TCS.

Die Umfrage wurde vom TCS in Zusammenarbeit mit dem gfs.bern zwischen dem 18. und 20. August unter 1'001 Teilnehmenden durchgeführt.

Schlechtestes Autojahr seit 50 Jahren

Mit lediglich 163’556 Neuimmatrikulationen nach neun Monaten steuert der Gesamtmarkt auf das schlechteste Autojahr seit Mitte der 1970er Jahren zu, als die Öl-Krise die Nachfrage nach Fahrzeugen einbrechen liess, heisst es in einer Mitteilung von auto schweiz weiter. Prognostiziert wurden von 240'000 Zulassungen bis Jahresende – ein Minus von rund 23 Prozent zum Vorjahr. Angesichts der anhaltenden Auswirkungen der Coronakrise dürfte dies nur mit Mühe erreicht werden, so der Verband.

Gemäss Mediensprecher Christoph Wolnik wären in diesem Jahr ohne Coronakrise deutlich mehr Fahrzeuge mit Alternativ-Antrieb in die Schweiz gekommen. Die zahlreichen Werksschliessungen während des Lockdowns im März und April hätten sämtlichen Prognosen einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Wir freuen uns über den hohen Marktanteil der neuen Antriebssysteme. Allerdings wird dieser durch den starken Einbruch des Gesamtmarkts teuer erkauft», so Wolnik.

SDA/step

116 Kommentare
    Thomas Jobs

    Leitartikel zur Meinungsfreiheit

    Je suis immer noch Charlie – und Sie?