Zum Hauptinhalt springen

Munition in Oberländer Seen«Keine negative Beeinflussung des Seewassers»

Die fast 5000 Tonnen alte Munition in Thuner- und Brienzersee beeinträchtige das Seewasser nicht, kommt auch die jüngste Analyse des VBS zum Schluss.

Unter der pittoresken Oberfläche des Thunersees liegen über 4500 Tonnen Munition.
Unter der pittoresken Oberfläche des Thunersees liegen über 4500 Tonnen Munition.
Foto: Archiv/bpm

Die Räumung der verbleibenden Munition im ehemaligen Munitionsdepot in Mitholz wird für den Bund zum Jahrhundertprojekt: Die aufwendige Bergung, Entschärfung und Entsorgung der rund 3500 Tonnen Munition wird insgesamt wohl über 20 Jahre dauern und deutlich über eine Milliarde Franken kosten.

Wesentlich einfacher machte es sich der Bund vor gut 70 Jahren: Von Mai 1948 bis im Frühling 1949 versenkte die Armee rund 2500 Tonnen Artilleriemunition im Thuner-, Brienzer- und Vierwaldstättersee. Im Thunersee kamen Hunderte Tonnen Rückstände aus dem explodierten Lager in Mitholz hinzu.

Die Armee versenkt Munition im Thunersee.
Die Armee versenkt Munition im Thunersee.
Foto: Archiv/VBS

Diese kostengünstige Art der «Entsorgung» war noch bis in die 1960er-Jahre gang und gäbe: Die Armee und die eidgenössischen Munitionsbetriebe in Thun und Altdorf liessen Fabrikationsrückstände, Fehlchargen und Altmunition im grossen Stil in den nahen Seen verschwinden. Allein der Brienzersee wurde so zur letzten Station von rund 280 Tonnen Munition, im Thunersee werden insgesamt sogar rund 4600 Tonnen vermutet.

Analyse gibt Entwarnung

Ob und wie sich die versenkte Munition auf die Gewässer auswirkt, überprüft der Bund seit den Nullerjahren regelmässig. Am Dienstag publizierte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS nun die Resultate der jüngsten Analyse, für die im Sommer 2019 Sedimentproben entnommen worden waren. Der Bericht kommt zum Schluss, dass sich «keine negative Beeinflussung des Seewassers» erkennen lasse.

«In der grossen Mehrzahl der Sedimentproben konnten keine Konzentrationen über der Nachweisgrenze festgestellt werden», schreibt das VBS. Nur in einzelnen Proben der Sedimentkerne seien Spuren von Sprengstoff der versenkten Munition nachgewiesen worden. Aber selbst hier lägen die Konzentrationen «zumeist deutlich» unter den relevanten Konzentrationswerten der Altlasten- und Gewässerschutzverordnung.

«In der grossen Mehrzahl der Sedimentproben konnten keine Konzentrationen über der Nachweisgrenze festgestellt werden.»

Aus dem Bericht des VBS

Aufgrund der grossen Menge versenkter Munition sei zu erwarten gewesen, dass bei einzelnen Proben Sprengstoff nachgewiesen würde, steht in der Mitteilung weiter. Die jüngste Analyse bestätige aber dennoch, dass die Bereiche weder überwachungs- noch sanierungsbedürftig seien.

Das Schadstoffpotenzial bleibe aber unverändert hoch. Aus diesem Grund führen Bund, Kanton und die Aufsichtskommission Vierwaldstättersee das seit 2012 laufende «Explosivstoffmonitoring» weiter. So sollen weiterhin im Rhythmus von zehn Jahren Sedimentproben entnommen und untersucht werden.

Zusätzlich wird das Seewasser alle fünf Jahre analysiert, «um eine allfällige Änderung des Ist-Zustandes frühzeitig erkennen zu können», wie das VBS schreibt. Die Situation werde nach jeder Analyse neu beurteilt und allfällig notwendige Massnahmen würden daraus abgeleitet.

Monitoring wird weitergeführt

2012 hatte das VBS auf eine Bergung der Munitionsreste verzichtet. Es stützte sich dabei auf Untersuchungen, die zwischen 2006 und 2010 durchgeführt worden waren und aufgezeigt hatten, dass die Munition von Sedimenten bedeckt ist und 25 Zentimeter bis 2 Meter unter dem Seeboden liegt.

Für die jüngste Untersuchung waren im Sommer 2019 insgesamt 17 1,5 Meter lange Sedimentkerne aus den Seeböden entnommen und unter anderem im Labor Spiez auf Sprengstoffe wie TNT und Nitroglyzerin sowie Schwermetalle wie etwa Blei oder Quecksilber untersucht worden.

Die detaillierten Resultate sind im Schlussbericht des VBS zusammengefasst.

Bereits 2008 barg die Armee für Untersuchungen Munition aus dem Thunersee, wobei diese Plattform zum Einsatz kam.
Bereits 2008 barg die Armee für Untersuchungen Munition aus dem Thunersee, wobei diese Plattform zum Einsatz kam.
Foto: Archiv BOM