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10 wichtige AntwortenKnigge für den See

Wie viele Gläser Wein liegen drin? Und gilt da auch Rechtsvortritt? Auf Schweizer Gewässern herrscht gerade Dichtestress – wir klären die wichtigsten Fragen, damit Sie gut an anderen vorbeikommen.

Wer darf ein Motorboot mieten?

Warum nicht mal mieten? So ein kleines Motorboot braucht weniger Vorwissen als gedacht.
Warum nicht mal mieten? So ein kleines Motorboot braucht weniger Vorwissen als gedacht.
Foto: Hauke-Christian Dittrich (Keystone)

Viele haben in diesem Sommer das Motorboot für sich entdeckt. Wenigstens ein bisschen das Gefühl von Weite spüren, wenn man schon nicht ans Meer reist. Und der Corona-konforme Sicherheitsabstand lässt sich auf offenem Gewässer auch besser einhalten als in der überfüllten Badi. Ein Motorboot mieten kann jeder – jedenfalls bis zu einer Leistung von 8 PS (Achtung: auf dem Bodensee nur bis 6 PS). Andreas Gehri, der eine Bootsvermietung am Thunersee betreibt, erklärt: «In der Regel sind das Vier- bis Fünfplätzer, die bis ungefähr 12km/h schnell fahren. Und dies, findet er, sei genau die richtige Geschwindigkeit, um «gemütlich zu cruisen».

Wer mehr PS mag, der macht den Motorbootschein. Oder sucht sich einen Freund, der ihn hat. Es reicht nämlich, wenn pro Gefährt eine Person die Bootsprüfung in der Tasche hat – auch die anderen an Bord dürfen dann (auf seine Verantwortung) das Boot lenken. Das gilt auch für Segelschiffe: Eine kundige Person an Bord reicht.

Wie viele Gläser Wein sind erlaubt?

Nicht verboten: Sich auf einem Gummiboot fortbewegend Bier trinken.
Nicht verboten: Sich auf einem Gummiboot fortbewegend Bier trinken.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die Frage, wie viele Gläser Rosé in der Strandbar drinliegen, bevor es über den See zurück nach Hause geht, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Auf dem Wasser gilt wie auf der Strasse die 0,5-Promille-Grenze. Allerdings sind Freizeitkapitäne wie Gummiböötler, Wind- und Kitesurfer, Pedalofahrer oder Besitzer von weniger als 2,5 Meter langen Motorbooten seit Januar 2020 von dieser Regel befreit.

Wer ein Boot steuert, muss aber zwingend fahrtüchtig sein. Ab welchem Pegel dies nicht mehr der Fall ist, sagt das Gesetz jedoch nicht. Der beste Weg, eine Busse zu vermeiden, ist also, keinen Unfall zu verursachen.

Wer hat Vortritt?

Das Segelboot hat immer Vortritt, das Motorboot und das Pedalo müssen warten.
Das Segelboot hat immer Vortritt, das Motorboot und das Pedalo müssen warten.
Foto: Urs Jaudas

Mit ein paar PS unter dem Hintern fühlt sich manch ein Neu-Böötler wohl wie ein Easy Rider auf einem menschenleeren Highway. Sobald sich jedoch jemand seitwärts nähert, ist fertig Freiheit: Motorboote müssen allen anderen den Vortritt lassen – mit Ausnahme von Surfern. Rechtsvortritt gilt nur, wenn zwei gleichartige Gefährte aufeinandertreffen.

Ansonsten herrscht auf dem See eine ganz klare Hierarchie. Immer freie Fahrt haben Kursschiffe, dahinter folgen Güterschiffe und Berufsfischer. Als Nächstes sind Segelschiffe an der Reihe, danach Ruderboote und SUPs und erst dann Motorboote. Fährt man frontal auf ein anderes Schiff zu, gilt der Rechtsverkehr. Ausser einer der beiden gibt zwei kurze Töne ab: Das bedeutet, dass man nach links ausweichen wird.

Das Kursschiff hornt – was will es damit sagen?

Es kommt darauf an, wie viele Sekunden es hornt und wie oft hintereinander. Bei einmal kurz Hupen weicht es nach rechts aus, bei zweimal nach links, und bei dreimal geht es rückwärts. Ein langer Ton von vier Sekunden bedeutet, dass das Schiff seinen Kurs beibehält. Gar nicht gut sind ganz viele kurze Töne hintereinander: Es droht Zusammenstossgefahr.

Grüsst man sich auf dem Wasser?

Bitte recht freundlich: Auf dem See grüsst man sich – wie hier diese asiatischen Touristinnen auf dem Zürichsee.
Bitte recht freundlich: Auf dem See grüsst man sich – wie hier diese asiatischen Touristinnen auf dem Zürichsee.
Foto: Urs Jaudas

Die Winkefrage kann leicht verunsichern – man möchte freundlich sein, aber im Flugzeug klatscht ja auch niemand mehr. Auf Gewässern sind solche Bedenken allerdings nicht nötig: Man grüsst. Heisst: Kurz die Hand heben, wenn man sich in der Hafenanlage kreuzt oder im Pedalo aneinander vorbeizuckelt.

Wie schnell darf man mit dem Motorboot fahren?

Es gibt keine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf schweizerischen Gewässern, ausser auf dem Bodensee (40 km/h). Allerdings muss man mindestens 300 Meter Abstand zum Ufer einhalten, sein Tempo der Situation auf dem See anpassen und natürlich sein Boot unter Kontrolle haben. In der äusseren Uferzone (150 bis 300 Meter Distanz vom Ufer) gelten 10 Kilometer pro Stunde als Höchstgeschwindigkeit.

Ist Blüttle auf dem Boot oder SUP erlaubt?

Ja, solange sich niemand daran stört. Es gibt zwar kein nationales Gesetz, das Nacktheit en public untersagt; in den meisten Kantonen ist «unanständiges Benehmen» in der Öffentlichkeit jedoch verboten. Bloss: Was gilt als unanständig? Das liegt ganz im Auge des Betrachters. Wenn sich einer von füdliblutten Böötlern oder Paddlern belästigt fühlt, darf er Anzeige erstatten, und den Nackedeis droht eine Busse. Wer also den Drang verspürt, auf dem Boot oder SUP alle Hüllen fallen zu lassen, macht lieber einen weiten Bogen um Bünzlis, Kinder und Zartbesaitete.

Wo tanke ich möglichst günstig?

Schwierig. Die Sache ist die: Wem auf Schweizer Gewässern der Most ausgeht, der ist auf eine der wenigen, rund um das Ufer verteilten, speziellen Seetankstellen angewiesen. Dort kostet das Benzin deutlich mehr als an Strassentankstellen. «In allen Schweizer Seen muss man mit 10 bis 15 Rappen Aufpreis pro Liter rechnen», sagt Bootsvermieter Andreas Gehri. Begründet wird dies von den Betreibern unter anderem mit aufwendigen Gewässerschutzauflagen. Wer also beim Tanken unbedingt Geld sparen will, der lädt sein Motorboot auf einen Anhänger und tankt an einer Strassentankstelle. Ansonsten: weniger schnell fahren, das spart Benzin.

Wen soll man anrufen, falls etwas passiert ist?

Bei Notfällen auf dem See hilft die Seerettung.
Bei Notfällen auf dem See hilft die Seerettung.
Foto: Gesa Lüchinger

Am besten die lokale Seerettung; unter seepolizei.ch/seerettung sind die wichtigsten Adressen aufgelistet. Wer vergessen hat, sich die Telefonnummer zu notieren, kann es im Notfall über 117, 112 oder 118 versuchen.

Wie nahe darf man ans Ufer fahren?

Beim Ankern muss man maximal bis 25 Meter Abstand zu den Schilf- und Wasserpflanzen einhalten.
Beim Ankern muss man maximal bis 25 Meter Abstand zu den Schilf- und Wasserpflanzen einhalten.
Foto: Vereinigung der Schifffahrtsämter

So romantisch es wäre, gemütlich das Ufer entlangzutuckern: Für Motorboote ist das tabu. Zum Parallelfahren muss man mindestens 150 Meter Abstand zum Land einhalten. Einzig zum Ankern oder Anlegen darf man in die innerste Uferzone einbiegen – aber nicht näher als 25 Meter an Schilf- und Wasserpflanzen heran. Übrigens: Um zu wissen, ob man bereits genug weit draussen ist, gibt es einen Trick: Wer mit 10 km/h senkrecht aufs Wasser hinausfährt, hat nach ungefähr einer Minute die 150 Meter erreicht.