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Teils dramatische Lage in Grossbritannien«Krankenwagen bilden vor den Spitälern Warteschlangen»

Im britischen Königreich sind die Spitäler am Anschlag, Experten warnen vor einem Kollaps.

In der Notaufnahme wird Schlange gestanden: Rettungssanitäter kümmern sich vor dem Guy’s Hospital in London um einen Patienten.
In der Notaufnahme wird Schlange gestanden: Rettungssanitäter kümmern sich vor dem Guy’s Hospital in London um einen Patienten.
Foto: AFP

«Die Ärzte sind verzweifelt», sagt Dr. Chaand Nagpaul, Ratsvorsitzender der BMA (British Medical Association). «Manche von Ihnen vergleichen ihr Arbeitsumfeld gar mit einem Kriegsgebiet.» So seien die Krankenstationen überfüllt, und die Wartelisten würden immer länger. «Krankenwagen bilden vor den Spitälern Warteschlangen, weil nun so viele Menschen an Corona erkrankt sind», sagt Nagpaul.

Die Ansteckungszahlen in England steigen drastisch. Am Montag befanden sich in den Spitälern 26’626 Covid-Patienten – rund 30 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Das Land hat den Spitzenwert an Spitaleinweisungen vom April schon längst übertroffen. War der Höchstwert in der ersten Welle noch bei 18’374, liegt er heute rund 40 Prozent darüber.

Laut Nagpaul merke man nun die Auswirkungen von Weihnachten. Die BMA warnte, dass «massive Massnahmen» vonnöten seien, um die Verbreitung des Coronavirus, vor allem deren neue Variante, zu verlangsamen.

Experten warnen vor Kollaps

Auch der NHS (National Health Service) sieht dringenden Handlungsbedarf. «Ohne weitere Massnahmen besteht ein grosses Risiko, dass der NHS in den nächsten 21 Tagen in einigen Bereichen überfordert sein wird», heisst es in einem am Montag erschienenen gemeinsamen Statement der vier Chief Medical Officers. In den vier Landesteilen des Vereinigten Königreichs stünden viele Bereiche des Gesundheitssystems bereits unter massivem Druck.

So spitzt sich die Lage auf den Intensivstationen zu. Krankenschwestern beklagen, dass sie sich bereits an den Grenzen ihrer Belastbarkeit befänden. Ist es sonst üblich, dass sich jeweils eine Pflegekraft um einen Patienten kümmert, müssen sie zurzeit bis zu drei betreuen.

Laut Danny Mortimer, Chef der NHS Confederation, müsse das Personal nun aufgrund des grossen Drucks bei den Pflegestandards Kompromisse machen. «Es wird weniger Personal geben, die Menschen werden länger warten müssen, und Ambulanzen werden erhebliche Verspätung haben», sagt Mortimer. «Unser Team wird nicht zulassen, dass der NHS kollabiert, aber wir brauchen die Hilfe der Öffentlichkeit.»

Weiteren Lockdown verhängt

Die britische Regierung hat auf die Warnungen von medizinischen Experten reagiert. Am Montag verkündete Premierminister Boris Johnson den dritten Lockdown. Die Alarmstufe wurde von 4 auf 5 erhöht. Level 5 ist die höchstmögliche Stufe und bedeutet, dass der NHS womöglich bald nicht mehr in der Lage ist, einen weiteren Anstieg an Fällen zu bewältigen.

lif

16 Kommentare
    Fabio Rossi

    Und trotzdem stand Skifahren bei vielen Briten an oberster Stelle der Prioritäten. Falls diese Pandemie tatsächlich mal vorüber ist, wird man sich in späteren Jahren ob der totalen Überforderung und Dummheit der europäischen Länder ganze Bücher schreiben können. Ob man wenigstens daraus lernt nicht mehr am falschen Ort zu sparen? Habe meine Zweifel.