Wie geht es den Tieren auf dem Ballenberg?

Authentische oder artgerechte Haltung? Das Freilichtmuseum Ballenberg löst das Dilemma mit einigen Kniffen, um Hasen und Kühen gerecht zu werden.

Gerne zu zweit: Kaninchen dürfen sich auf dem Ballenberg der Tradition zum Trotz beschnuppern.

Gerne zu zweit: Kaninchen dürfen sich auf dem Ballenberg der Tradition zum Trotz beschnuppern. Bild: zvg /Manfred Meienberg

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Die Kühe sind grösser geworden. Sie passen nicht in den historischen Stall auf dem Ballenberg. Ihre Schlafstätten – die Läger – sind zu kurz. Früher war das anders, die Rinder und Kühe waren noch nicht so hochgezüchtet. «Es ist nicht tiergerecht, die Kühe heute in solchen Ställen zu halten», sagt Manuel Strasser, Präsident des Fördervereins Bauernhoftiere auf dem Ballenberg.

Der Verein setzt sich nicht nur für das Tierwohl ein. Er will den Besucherinnen und Besuchern des Freilichtmuseums die Vielfalt der ländlichen Tierwelt zeigen – und auf Unterschiede zwischen früher und heute aufmerksam machen.

Tiere auf dem Ballenberg gibt es erst seit 1995. Sie bevölkern die historischen Bauernhäuser jeweils ab April. Ende Oktober, wenn das Museum für den Winter schliesst, verlassen sie den Ort. Grossvieh wie Kühe und Pferde werden dann zurück zu ihren Besitzern transportiert, die ihr Vieh im Sommer dem Ballenberg zur Alpung überlassen. Kleintiere wie Hühner und Kaninchen werden Ende Saison meist an interessierte Besucherinnen und Besucher verkauft. Unverkaufte Tiere werden dem Züchter zurückgegeben.

Externe Ställe

So weit, so organisiert. Doch auch während des Sommers gilt es auf einiges zu achten. Neben den Lägern ist auch die Beleuchtung im historischen Kuhstall auf dem Ballenberg nicht mehr zeitgemäss. «Früher waren die Kühe im Sommer viel mehr auf den Weiden, deshalb war ein heller Stall nicht so wichtig», sagt Strasser. So sind die Rinder im Freilichtmuseum möglichst oft draussen – und den Rest der Zeit in einem ­externen, tiergerechten Stall.

Auch bei den Kaninchen stellen sich Probleme: Die Ställe bei den historischen Häusern haben kleine Abteile, in denen die Kaninchen einzeln gehalten wurden. Dabei leben Kaninchen gerne in Gruppen. Als Kompromiss wurden zwischen den Abteilen Durchgänge geöffnet, sodass die Kaninchen nun von einem zum anderen Abteil hüpfen können.

Bei einem Stall hat man sogar eine Kaninchentreppe eingebaut, damit sie auch die Etage wechseln können. «Die Ställe wurden umgebaut und renoviert», sagt Agronom Strasser. Der Grund, warum sie früher einzeln gehalten wurden, ist einfach: Mehrere Rammler, also Männchen, kann man nicht auf engem Raum halten, weil sie sich sonst ins Fell geraten. Und Kaninchenhaltung war gerade für arme Leute wichtig, damit sie ab und zu Fleisch essen konnten.

Tradition, neu interpretiert

Neben den aufgepeppten historischen Ställen gibt es im Museum aber auch einen neuen Kaninchenstall mit grosser Grünfläche, wo die Tiere in einer Gruppe ­gehalten werden. «Man darf und soll Traditionen neu interpretieren», findet Manuel Strasser. «Wir wollen den Besucherinnen und Besuchern erzählen, warum es früher anders war. Nicht weil man es schlechter mit den Tieren meinte, sondern weil die Umstände anders waren.»

Freilichtmuseum Ballenberg,Hofstetten bei Brienz. Am 21. 5. ab 14 Uhr Führungen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.05.2017, 14:50 Uhr

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