Ba-, ba-, ba-bumm seit 20 Jahren

Die Sportfreunde Stiller melden sich nach 3 Jahren mit «Sturm & Stille» zurück – und erfinden sich auf dem Album nicht neu.

Das erste Lied vom Album: «Raus in den Rausch». Quelle: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MWF5m1cilOg" target="_blank">Youtube.com/VertigoTV</a>

Marina Bolzli@Zimlisberg

Zögerliche Keyboardklänge, Streicher im Hintergrund, und dann: ba-, ba-, ba-bumm. Das Schlagzeug, es hämmert wie eh und je: ba-, ba-, ba-bumm. Aber erst die Stimme, aufgedreht und ein bisschen näselnd, macht alles klar.

Ein Gefühl der Geborgenheit stellt sich ein. Das Lied kennt man, seit 20 Jahren. Das ist Peter Brugger von Sportfreunde Stiller. Immer wieder ist man dem Lied begegnet. Ba-, ba-, ba-bumm. Auf Festivals, auf Partys, im Radio. Aber halt, das kann ja gar nicht sein. Denn das Lied ist neu, das ganze Album ist neu.

Sportfreunde Stiller, die Münchner mit dem fröhlichen Mitsing-Sound, sind zurück. «Sturm & Stille» ist ihr siebtes Studioalbum, das erste seit 3 Jahren. Und man darf gut und gerne behaupten: Die drei Jungs, die äusserlich mittlerweile wie in die Jahre gekommene Studenten wirken, haben sich darauf nicht neu erfunden. Das Erfrischende daran: Das behaupten sie auch gar nicht. Die drei machen seit 20 Jahren denselben optimistischen Deutschpop mit im Chor gesungenen Refrains und foutieren sich um Kritiker- und Expertenmeinungen.

Bassist Rüdiger Linhof sagt dazu: «Für uns war Pessimismus nie eine Option.» Unverdrossen singen Sportfreunde Stiller in «Raus in den Rausch», jenem ersten Lied: «Ich will neue Wege wagen, Zähne in das Leben schlagen.» Zwei Songs später, in «Sturm & Stille», singt Peter Brugger, umrahmt von Oh-Oh-Oh-Chören: «In Sturm und Stille bin ich für dich da, so gut es geht.» Liebe, Lebenslust, Zuversicht und noch ein bisschen Dankbarkeit. Die Themen der Sportfreunde Stiller.

Auf Biegen und Brechen

Das alles wäre wohl nur schwer zu ertragen, besässen Brugger, Linhof und Schlagzeuger Florian Weber nicht etwas: viel Selbstironie. So behaupten sie etwa in «Keith & Lemmy»: «Wir alle sehen wie Keith Richards aus irgendwann; wir alle gehen wie Lemmy raus irgendwann.»

Und man beginnt sich gleich vorzustellen, wie die drei sich in nochmals 20 Jahren präsentieren werden. Auch «Lumpi», elektronisch treibend, ist ein gelungener Abgesang auf die Leistungsgesellschaft. «Lass den Lumpi von der Leine, du weisst schon, was ich meine.» Aber diese Zeile weist auch schon auf eine Schwachstelle der von ihren Fans Sportis genannten Musiker hin: die Reime. Auf Biegen und Brechen.

Das klingt dann zum Beispiel in «Keith & Lemmy» so: «Lächelnd sagt er: Das alles ging ein bisschen schnell, doch das Leben war nicht nur ein Fest, es war ein Festival.» «Festival» so ausgesprochen, dass es sich auf «schnell» reimt.

Auch auf dem Album: «Das Geschenk»

Quelle: Youtube.com/VertigoTV

Tiefsinn nur als Bonus

Doch Sportfreunde Stiller können auch anders: Da singen sie ohne Pathos, und gerade deshalb eindringlich, von Bootsdramen auf dem Mittelmeer («Ein Dienstag im April») und finden in «Kind von Traurigkeit» für die ewigen Zweifler treffende, schon etwas pathetischere Worte: «Bist du ein Kind von Traurigkeit, dann singe ich ein Lied für dich, hörs dir an, wenns in dir schreit, damit du nicht vergisst, dass du nicht ­alleine bist.»

Schade, sind gerade jene zwei Lieder nur als Bonustracks auf der De-luxe-Variante des Albums erhältlich. Als ob Sportfreunde Stiller sich davor fürchten würden, ihren Fans etwas mehr Tiefsinn zuzumuten.

Album: «Sturm & Stille» (Vertigo Berlin/Universal Music). Konzert:13. 1. 2017, Bierhübeli, Bern.

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