«Superman war Sozialist, Batman der ultimative Kapitalist»

Der Autor des meistverkauften Batman-Comics legt ein Buch über Superhelden vor. Grant Morrison glänzt mit Insiderwissen und zeichnet die Einflüsse seines Genres auf Kultur, Gesellschaft und Politik nach.

«Sie kehren zurück, um uns geduldig daran zu erinnern, wer wir sind und was wir sein könnten»: Superhelden in einem Werbebild von DC Comics. (2011)

«Sie kehren zurück, um uns geduldig daran zu erinnern, wer wir sind und was wir sein könnten»: Superhelden in einem Werbebild von DC Comics. (2011)

(Bild: Keystone)

Mit «Superhelden» legt Grant Morrison ein ebenso unterhaltsames wie informatives Standardwerk über das Genre Comic vor. Der Schotte erzählt die Geschichte von Superman, Spider-Man und Co. und stellt diese in den historischen Kontext.

Morrison, einer der erfolgreichsten Comicautoren aller Zeiten, muss es wissen: «Wir lieben unsere Superhelden, weil sie sich weigern, uns aufzugeben. Wir können sie zu Tode analysieren, sie sterben lassen, verbannen, sie der Lächerlichkeit preisgeben – und dennoch kehren sie zurück, um uns geduldig daran zu erinnern, wer wir sind und was wir sein könnten.» So lautet sein Fazit.

Insiderwissen und Fakten

Morrison selbst hat mit «Batman: Arkham Asylum» die bis dato meist verkaufte Graphic Novel geschaffen und schrieb für «X-Men» bis «Justice League». «Superhelden» strotzt daher vor Insiderwissen und Fakten, ist aber alles andere als eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas nur für Fans.

Der Autor beleuchtet das Genre, fachkundig, liebevoll, kritisch und mit Humor. Man erfährt etwa, wer der erste Transvestit unter den Superhelden war, dass der geistige Vater von «Wonder Woman» auch den Lügendetektor erfunden hat und warum Superman seine Unter- über der Strumpfhose trägt.

Politische Einflüsse

Morrison veranschaulicht die Entwicklung von Figuren wie Batman und Spider-Man, geprägt von Mode, Zeitgeist und Weltgeschichte, schildert die Rivalität der dominierenden Verlage DC und Marvel und beschreibt die Stärken (und kleinen Schwächen) von grossen Comic-Künstlern wie Jack Kirby, Stan Lee, Frank Miller und Alan Moore.

Seine Reise durch den Kosmos der Superhelden beginnt, als Jerry Siegel und Joseph Schuster 1938 in einer Zeit der weltweiten Depression Superman schufen. «Superman hat als Sozialist begonnen, Batman war jedoch der ultimative kapitalistische Held, was dabei helfen mag, seine derzeitige Popularität und Supermans relativen Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu erklären», schreibt Morrison.

Anti-Drogen-Code umgangen

Der Feldzug des Psychiaters Frederic Wertham gegen Comics beendete den ersten Boom. Superman würde die Autorität der Eltern untergraben, weil diese eben keine Superkräfte haben, wetterte der «Experte». Batman und Robin würden Homosexualität fördern.

Die Verlage schritten zur Selbstzensur und führten den «Comics Code» ein. Man hielt sich penibel an die Vorgaben und stellte «gleichzeitig die Beziehungen der Nachkriegszeit als Brutstätten der Abnormalität dar, in denen Frauen zänkische Weiber und Männer ewige, verantwortungsscheue Jungs waren», so Morrison.

Verboten war die Darstellung von Drogenkonsum. Die Kreativen umgingen diese Hausregel, indem sie etwa «rotes Kryptonit» erfanden: Sobald Superman in dessen Nähe kam, war er auf einem Trip, in den LSD-Erfahrungen des einen oder anderen Zeichners/Texters einflossen.

Fehlt noch Automan

«Superhelden» trägt den schlampig übersetzten Untertitel «Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman und Co. lernen können», ist aber sonst gut ins Deutsche übertragen. Viele Seiten widmen sich Comic-Verfilmungen, ein ganzes Kapitel dreht sich allein um Batman auf der Leinwand.

Zur Zukunft der Superhelden meint Morrison: «Unsere Technologien erlauben uns bereits, Autos mit unseren Gedanken fernzusteuern. Was hält also jemanden davon ab, Automan, der menschliche Pkw zu werden?»

rub/sda

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