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Alle Hodler in einem Katalog

Mehr als 700 Landschaftsgemälde: Morgen werden die ersten beiden Bände des Katalogs zum Gesamtwerk von Ferdinand Hodler vorgestellt. Projektleiter Paul Müller über die Entstehungsgeschichte und neuste Erkenntnisse.

Alle Hodler in einem Katalog.
Alle Hodler in einem Katalog.
zvg

«In Ausstellungen sind immer nur die schönsten Hodler-Gemälde zu sehen», so Paul Müller, Projektleiter des Hodler-Gesamtkatalogs beim Schweizerischen Institut für Kunstgeschichte (SIK-ISEA). Die ersten beiden Bände des Catalogue raisonnés mit sämtlichen Landschaftsbildern des Schweizer Künstlers werden morgen in Zürich vorgestellt. Darin enthalten sind nicht nur die bekannten Darstellungen, sondern auch Werke, die einen experimentellen Charakter aufweisen oder weniger gelungen sind. Da Müller und sein Team alle Bilder begutachtet haben, können sie Hodlers Schaffensprozess nachvollziehen und neue Erkenntnisse präsentieren: «Hodler malte einen Landschaftsausschnitt zum Teil dreissig Mal, was schon einen seriellen Charakter hat. So lotete er die formalen Möglichkeiten an einem einzigen Sujet aus», erklärt Müller.40 Jahre VorarbeitStreng genommen dauerten die Arbeiten am Gesamtkatalog zu Ferdinand Hodlers Œuvre ganze 57 Jahre. Denn seit der Gründung des SIK im Jahr 1951 wurden fortlaufend die Gemälde des produktiven Künstlers (1853 Bern bis 1918 Genf) erfasst und inventarisiert. «Der Hodler-Katalog war eine Art Gründungsgedanke», sagt Müller, der 1981 seine Arbeit beim SIK aufnahm. Schon damals wollte er einen Catalogue raisonné zu Hodler herausgeben. Das Projekt war jedoch zu teuer. Erst Mitte der Neunzigerjahre sagte der Nationalfonds zu, das umfassende Projekt in einstelliger Millionenhöhe zu finanzieren.Dank der Vorarbeit des Instituts waren bereits über 1000 Hodler-Werke verzeichnet, also über 40 Prozent der Gemälde. Über Inserate, Schriften und das Internet riefen die Projektleiter Paul Müller und Oskar Bätschmann Sammler auf, ihnen Bilder zu melden, um so das Gesamtwerk zu erschliessen. «In den letzten Jahren kam uns der Kunstmarkt mit den hohen Hodler-Preisen entgegen», so Müller. Manch ein Werk sei an Auktionen aufgetaucht.Soweit möglich, begutachtete das Team jedes Gemälde persönlich. «Auf diese Weise konnte wir uns etwa die Rückseiten genau ansehen. Diese verraten beispielsweise anhand von Museumsstempeln sehr viel über die Echtheit und die Geschichte eines Werks», erklärt Müller. Die Authentizität der restlichen Bilder musste das Team über deren Herkunftsberichte, also die Provenienzen, über Briefe Hodlers oder hochwertige Abbildungen prüfen. Jene Bilder, die nicht hundertprozentig Hodler zugeschrieben werden konnte, sind im Katalog in der Rubrik «Fragliche Zuschreibungen» zusammengefasst. Darunter befinden sich auch Werke, die der Hodler-Biograf Carl Albert Loosli auf schlecht aufgelösten Schwarzweissfotografien abgebildet hat.Neuste TechnologienAuf diese Weise kamen für die ersten zwei Landschaftsbände 627 Gemälde Hodlers, 52 fragliche Zuschreibungen sowie 70 Fälschungen und irrtümliche Zuschreibungen zusammen.Bei den Kommentaren zu den einzelnen Werken gingen die Herausgeber einen neuen Weg: Da sie erstmals für einen umfassenden Katalog neuste Kunsttechnologie einsetzten, konnten sie bis dato unbekannte Erkenntnisse zu den einzelnen Bildern gewinnen. Röntgenaufnahmen, Infrarot und ultraviolettes Licht konnten unter der Farbschicht verborgene Bleistiftlinien freilegen und zeigen, dass Hodler die Leinwände oftmals auf einen neuen Rahmen aufspannte, um so den Bildausschnitt seinem Sichtfeld anzupassen. Nie ganz vollständigDass alle Hodler-Gemälde im Catalogue raisonné verzeichnet sind, ist schier unmöglich. Auch bei anderen Gesamtkatalogen, etwa von Giovanni Giacometti, tauchen immer wieder bis anhin unbekannte Werke auf. «Bei Hodler werden wir diese in einem Onlinekatalog erfassen», so Müller. Wie der Katalog selbst ist auch die Onlineaktualisierung ein wichtiges Arbeitsinstrument für Kunstwissenschafter, Händler und Museen. Doch auch für Kunstsammler, wie Müller auf Grund der bisher eingegangenen Bestellungen feststellen konnte: «Es ist natürlich auch für die Besitzer ein Qualitätsmerkmal, wenn das eigene Hodler-Bild erfasst wurde.»Für Müller geht die Arbeit nun weiter, denn der Catalogue raisonné ist erst vollständig, wenn auch die Bände zu Hodlers Bildnissen, Figurenbildern sowie zu seiner Biografie abgeschlossen sind.

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