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Feministische Vorreiterin Lessing ist tot

Die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Die Britin veröffentlichte mehr als 50 Bücher. Ihren Durchbruch feierte sie mit einem der wichtigsten feministischen Werke.

Afrika prägte sie und ihr Werk entscheidend: Die britische Schriftstellerin Doris Lessing.
Afrika prägte sie und ihr Werk entscheidend: Die britische Schriftstellerin Doris Lessing.
Keystone
Sie sei in ihrer Londoner Wohnung friedlich eingeschlafen, sagte ihr Agent und langjähriger Freund Jonathan Clowes.
Sie sei in ihrer Londoner Wohnung friedlich eingeschlafen, sagte ihr Agent und langjähriger Freund Jonathan Clowes.
Keystone
Das Leben dort schilderte Lessing als karg und trostlos, die Kindheit als schwierig und unglücklich
Das Leben dort schilderte Lessing als karg und trostlos, die Kindheit als schwierig und unglücklich
AFP
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Die Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing ist tot. Sie starb am Sonntagmorgen im Alter von 94 Jahren, wie ihr Agent und langjähriger Freund Jonathan Clowes bestätigte. Die 1919 im heutigen Iran geborene britische Schriftstellerin erhielt den Nobelpreis 2007.

Lessing sei am Sonntag in den frühen Morgenstunden in ihrer Londoner Wohnung friedlich eingeschlafen, erklärte Clowes. «Es war ein Privileg, für sie zu arbeiten, und wir werden sie sehr vermissen.»

Ein einzigartiger Geist

Er würdigte Lessing als «wundervolle Schriftstellerin mit einem faszinierenden und einzigartigen Geist». Lessings Verleger Nicholas Pearson vom Verlag Harper Collins nannte seine Autorin «ein grosses Geschenk an die Weltliteratur».

Lessings umfangreiches Werk umfasst neben Prosa auch Lyrik und autobiografische Schriften. Ihr Anfang der 60er-Jahre erschienener Roman «Das goldene Notizbuch» machte sie in den 70er-Jahren zu einer der Leitfiguren des internationalen Feminismus. Das Buch erschien 1978 in deutscher Übersetzung. Lessing selbst lehnte die Titulierung als Feministin stets ab.

Gregor Gysis Tante

Die als Doris May Tayler im heutigen Iran geborene Offizierstochter zog mit ihrer Familie 1925 in die britische Kolonie Südrhodesien (heute Zimbabwe), wo sie auf einer Farm aufwuchs. Nach Kloster- und Mädchenschule brach die 14-Jährige ihre Schullaufbahn ab und arbeitete in Salisbury, dem heutigen Harare, als Kindermädchen, später als Telefonistin, Sekretärin und Journalistin.

1945 heiratete sie in zweiter Ehe den deutschen Kommunisten Gottfried Lessing, wodurch sie Schwägerin von Klaus Gysi, dem späteren Minister für Kultur und Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR, wurde und Tante von dessen Sohn Gregor Gysi, dem heutigen Fraktionschef der Partei Die Linke im Bundestag.

Mit Kommunisten gebrochen

Seit 1949 lebte die Schriftstellerin in England, wo 1950 ihr erster Roman «Eine afrikanische Tragödie» erschien, der sie schlagartig berühmt machte. Lessing schildert darin die Liebesbeziehung zwischen der weissen Frau eines Farmers und ihrem schwarzen Diener.

Wie ihre Protagonistinnen aus «Das goldene Notizbuch» engagierte sich Lessing politisch, unter anderem gegen Atomwaffen, Kolonialismus, Rassismus und gegen das Apartheid-Regime in Südafrika.

Ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Grossbritanniens kündigte sie nach der Niederschlagung des Ungarnaufstandes 1956 und Enthüllungen über die Gräuel des Stalinismus auf.

SDA/mrs

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