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«Heute brauche ich keine TV-Kameras mehr»

Einst kannte man sein Gesicht vom Fernsehen. Doch mit dem Ende des Schweizer Fensters von RTL/Prosieben verschwand auch Dani Nieth von der Bildfläche. Jetzt ist der mittlerweile 58-Jährige wieder aufgetaucht – als Ratgeberautor.

Heute: Dani Nieth als Gute-Laune-Coach im Auto unterwegs.
Heute: Dani Nieth als Gute-Laune-Coach im Auto unterwegs.
Andreas Blatter

Herr Nieth, haben Sie heute schon gejammert?Dani Nieth:Nein.

Auch nicht über das Wetter?Nein. Seit über einem Jahr ­schaue ich keine Wetterprognosen mehr. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

Ihr Zweckoptimismus überrascht ja nicht wirklich: Sie ­haben gerade ein Buch gegen das Jammern geschrieben.Ja, darin gehts auch darum, wie man sich die Technik des «Reframings» verinnerlicht. Das heisst, man muss die Umstände in neuen Zusammenhängen sehen.

Ein Beispiel?Als Referent und Businesstrainer bin ich viel auch mit dem Auto unterwegs. So ist es unvermeidlich, dass ich oft im Stau stecke. Kein Grund zum Sichärgern! Bei mir hat sich folgende Gegenstrategie bewährt: Statt zu fluchen, ziehe ich mir einfach eine Clownnase über und grinse in den Rückspiegel. Ich sehe mich dann kurz an und schmunzle über mein lächerliches Verhalten.

Müssen denn immer alle gut drauf sein, Jammern ist doch nicht nur schlecht?Doch, es bringt nichts. Auch medizinisch gesehen: Der Blutdruck steigt, falsche Botenstoffe werden ausgeschüttet...

Jammern oder gar sich aus­weinen kann doch aber auch entlasten?Eine ziemlich egoistische Haltung: Wenn ich meinen Frust bei jemand anders ablade, ziehe ich diesen Menschen auch noch herunter.

Im Gegenzug geht es aber dem Jammeri besser.Eben, egoistisch. Jammerer wollen vor allem Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dieser Mechanismus sitzt tief im Menschen drin. Schon Babys können das: Sie trotzen, quengeln und weinen, wenn sie Zuwendung wollen.

«Jammerer wollen vor allem Auf­merksamkeit auf sich ziehen.»

Dani Nieth (58), Buchautor und ehemaliger TV-Moderator

Liest man Ihr Buch, könnte man meinen, Jammern sei vor allem eine Schweizer Eigenschaft.Das würde ich nicht sagen. Aber diese Unsitte scheint tatsächlich eher in den deutschsprachigen Ländern verbreitet zu sein als im Rest der Welt.

Haben Sie ein Beispiel für diese Behauptung?Wenn wir jemanden fragen, wie es ihm gehe, kommt oft die Antwort: «Es muss halt...» Die Menschen im englischen Sprachraum dagegen sagen mit einem Lächeln: «I’m fine...»

Für Sie aber kein Grund zum Auswandern?Nein, nein. Ich bin zwar gerade von Australien heimgekehrt, wo meine Tochter geheiratet hat. Doch ich fühle mich ganz wohl in der Schweiz.

Hier haben Sie auch einen Namen... Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, ein Buch zu schreiben?Seit sechzehn Jahren gebe ich Kurse für Beziehungskommunikation und Eigenverantwortung. Da kommt einiges zusammen an Erfahrung und Arbeitsblättern. Also naheliegend, daraus ein Buch zu machen. Und ich muss sagen: Ich habe das alles unterschätzt.

Inwiefern?Es war eine Sisyphusarbeit und am Schluss ein «Saustress». Insgesamt rund drei Jahre hat mich das Buchprojekt beschäftigt.

Früher: Im TV-Talk mit Schauspielerin Ursula Andress (1999). Screenshot
Früher: Im TV-Talk mit Schauspielerin Ursula Andress (1999). Screenshot

Eine ziemlich einsame Angelegenheit auch. Vermissen Sie das Rampenlicht nicht?Ich stehe immer noch sehr gerne auf der Bühne – aber heute als Redner und Trainer. Ich mag den direkten Kontakt mit dem Publikum lieber, als in eine kalte Kameralinse zu moderieren.

Also keine Lust auf ein TV-Comeback als Talkmaster?Wenn es wirklich um den Menschen und seine Geschichten ginge, könnte ich es mir vorstellen. Doch heute setzen die TV-Stationen lieber auf plakative Streitkulturen als auf vertiefte Gespräche. Das ist nicht meine Welt.

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