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Ingeborg-Bachmann-Preis geht an Olga Martynova

In Klagenfurt ist der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen worden. Beste Autorin 2012 ist die deutsche Olga Martynova. Der zweite Preis geht an einen Studenten des Literaturinstituts in Biel.

Die Ausgezeichneten: Cornelia Travnicek, Inger-Maria Mahlke, Lisa Kränzler, Olga Martynova und Matthias Nawrat an der Preisverleihung in Klagenfurt. (8. Juli 2012)
Die Ausgezeichneten: Cornelia Travnicek, Inger-Maria Mahlke, Lisa Kränzler, Olga Martynova und Matthias Nawrat an der Preisverleihung in Klagenfurt. (8. Juli 2012)

Die aus Russland stammende deutsche Lyrikerin und Essayistin Olga Martynova erhält den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis. Martynova gewann die Gunst der Jury mit «Ich werde sagen Hi».

Dabei handelt es sich um einen verschmitzt-witzigen Text über einen verliebten Jungen, der Autor werden will und dabei fabulierend fast durch die ganze Menschheitsgeschichte streift, von Adam und Eva bis zur Nazizeit. Die 50-jährige Autorin, die erst seit 20 Jahren in Deutschland lebt, erhielt dafür den mit 25'000 Euro (30'000 Franken) dotierten Hauptpreis.

Auszeichnung für Student des Literaturinstituts

Mit Matthias Nawrat, der in Polen geboren ist und derzeit am Schweizer Literaturinstitut in Biel seinen Abschluss macht, wurde ein weiterer Autor aus dem Osten, ebenfalls für eine skurrile Pubertätsgeschichte ausgezeichnet: «Unternehmer» handelt von einer Familie, die sich ihre Schrotthändler-Existenz schönredet.

Seit Donnerstag haben an den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt 14 Autoren ihre noch unveröffentlichten Texte vorgestellt. Der Hauptpreis Der Hauptpreis ist mit 25'000 Euro dotiert, der zweite mit 10'000 Euro.

Jandl hielt Laudatio

Die Laudatio für Martynova hielt Juror Paul Jandl. Er hatte Martynova selber vorgeschlagen. «Muss man bei Adam beginnen, um zu erklären worum es in der Literatur geht? Man muss nicht, aber man kann. Die Gartenpforte, das Hintertürchen ins Paradies ist die Literatur», sagte Jandl. In Martynovas Erzählung ginge es um eine Kindheit, die ende und «um die Sinnlichkeit gut gefüllter Damenstrümpfe». Martynova sei eine grosse Schriftstellerin.

Martynova, die sowohl Texte auf Russisch als auch auf Deutsch schreibt, verliess Anfang der 90er Jahre ihre Heimat Russland und zog nach Deutschland. Sie lebt heute in Frankfurt am Main und verfasst unter anderem Beiträge für die Wochenzeitung »Die Zeit« sowie die Tageszeitungen «Frankfurter Rundschau» und «Neue Zürcher Zeitung».

Publikumspreis an junge Österreicherin

Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Literatur im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 1977 vergeben. Gestiftet wurde die Auszeichnung von der österreichischen Stadt Klagenfurt im Gedenken an die 1973 verstorbene, aus Klagenfurt stammende Schriftstellerin und Lyrikerin Ingeborg Bachmann.

Der 3sat-Preis in Höhe von 7500 Euro ging an die Deutsche Lisa Kränzler für eine zärtlich-brutale Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen. Auch den mit 5000 Euro dotierten Ernst-Willner Preis erhielt eine Deutsche: Inger-Maria Mahlke erzählte von einer alleinerziehenden Bäckerei-Angestellten, die «Karriere» macht als Domina.

Das Publikum war mit der Jury uneins und entschied sich für die junge Österreicherin Cornelia Travnicek; der Publikumspreis ist mit 7000 Euro dotiert.

dapd/sda/mw

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