Seine Krimis gehen unter die Haut

Der Berner Peter Beck (52) hat gerade seinen dritten Krimi veröffentlicht. Der selbstständige Sozialpsychologe weiss, wie Menschen ticken. Am liebsten sind ihm Aussenseiter.

Liest pro Woche mindestens einen Krimi: Autor Peter Beck.

Liest pro Woche mindestens einen Krimi: Autor Peter Beck.

(Bild: Nicole Philipp)

Mirjam Comtesse

Das Bücherregal in Peter Becks Wohnung nahe dem Eigerplatz in der Stadt Bern verrät seine Leidenschaften: Es ist prall gefüllt mit Krimis, Reiseführern und organisationspsychologischen Fachbüchern. Der Sozialpsychologe reist gerne – und schreibt neben seinem Brotjob viel beachtete Kriminalromane. Gerade ist sein dritter unter dem Titel «Die Spur des Geldes» erschienen. Der Londoner Verlag OneWorld bringt seine Reihe auch auf Englisch heraus. Eine Ehre, die nur wenigen Schweizer Autoren zuteil wird.

Dabei sah es zunächst überhaupt nicht danach aus, als würde der Berner jemals ein Buch veröffentlichen. Er arbeitete lange bei der Schweizerischen Post, zuletzt in der Geschäftsleitung der Briefpost. Im Jahr 2008 wurde seine Stelle im Rahmen einer Reorganisation aufgehoben. Zwar bot man ihm einen neuen Posten an. Doch Peter Beck wagte lieber den Schritt in die Selbstständigkeit. Er hilft seither Managern und Chefs, Veränderungen in Firmen so zu gestalten, dass diese von möglichst allen mitgetragen und akzeptiert werden.

Ungewöhnliche Hauptfigur

Der Anfang verlief harzig. «Ich merkte, dass ich nicht fünf Tage in der Woche damit verbringen kann, Kunden anzuwerben», erzählt der heute 52-Jährige. Er erinnerte sich daran, dass er schon immer gerne geschrieben und gelesen hat. «Ich verschlinge bis heute mindestens einen Krimi pro Woche. Manchmal denke ich dabei: Das könnte ich besser», sagt er.

«Ich verschlinge bis heute mindestens einen Krimi pro Woche. Manchmal denke ich dabei: Das könnte ich besser.»

Also nutzte er die Gelegenheit und begann, einen eigenen Kriminalroman zu verfassen. Als Hauptfigur wählte er explizit keinen Kommissar oder Detektiv, sondern eine einzigartige Figur: Tom Winter, Sicherheitschef einer Berner Privatbank. Dieser handelt nach dem Prinzip «Tote Kunden sind schlecht für das Geschäft» und kommt in seiner Funktion auf der ganzen Welt herum. Dank seinen eigenen Reiseerfahrungen weiss Peter Beck genau, wie die exotischen Orte riechen und aussehen.

Die Bankbranche kennt er durch seine Arbeit als Unternehmensberater. «Mittlerweile habe ich Kunden, mit denen ich so gut befreundet bin, dass ich sie auch mal nach spezifischen Details fragen kann, die ich in meinen Büchern verwenden will», sagt der Autor.

Gerne wird Tom Winter als Schweizer Antwort auf James Bond bezeichnet. Für seinen Verlag OneWorld, der ein Hörbuch auf Englisch herausgegeben hat, musste Peter Beck sogar sagen, ob der sprechende Schauspieler eher wie Roger Moore oder wie Daniel Craig klingen solle. «Natürlich sagte ich Daniel Craig», erzählt Peter Beck. Denn sein Held ist keiner, der mit Gadgets und viel Firlefanz ausgestattet jeden Angreifer elegant aushebelt, sondern einer, der wie der moderne Bond in einer Rangelei auch mal einstecken muss.

Er sehe aber Tom Winter ohnehin nicht in der Tradition von James Bond, sagt der Autor. «Von der Geisteshaltung her ähnelt er eher Lisbeth Salander.» Das ist die skurrile Hackerin, die in Stieg Larssons Weltbestsellern eine entscheidende Rolle spielt. Zwar ist Tom Winter deutlich weniger geschickt mit Computern, doch: «Er ist wie Lisbeth ein Einzelgänger und Individualist. Wenn er findet, dass etwas richtig ist, dann tut er es, egal was andere davon halten. Das kann auch Selbstjustiz sein.»

«Es war eine Zangengeburt, bis ich endlich einen Verlag gefunden hatte und das erste Buch gedruckt vor mir lag.»

Peter Beck mag Aussenseiter-Typen, die unbeirrt ihren Weg gehen. Bei seiner Arbeit als Unternehmensberater sucht er ebenfalls gezielt nach solch starken Persönlichkeiten: «Das sind die Leute, die nicht vor dem Chef kuschen, sondern sich getrauen, auf Augenhöhe mit ihm zu reden.» Wer Wandel anstrebe, müsse unbedingt auch diese Mitarbeiter einbeziehen.

Vierter Krimi in Arbeit

Inzwischen hat sich Peter Beck sowohl im neuen Beruf als auch als Autor etabliert. Seine Geschichte klingt im Nachhinein, als wäre der Erfolg vorgezeichnet gewesen. Dabei lief vor allem seine Autoren-Karriere zunächst gar nicht so vielversprechend an: «Es war eine Zangengeburt, bis ich endlich einen Verlag gefunden hatte und das erste Buch gedruckt vor mir lag», sagt er. Noch heute sei er weit davon entfernt, vom Schreiben leben zu können. Pro Buch verdiene er höchstens ein paar Tausend Franken. Er schreibe auch nicht aus finanziellen Gründen, sondern «weil es mir unheimlich viel Freude bereitet».

Gerade hat Peter Beck mit dem vierten Krimi angefangen. Er will noch nichts darüber verraten. Immerhin sagt er aber, wen er als idealen Schauspieler sähe, um Tom Winter zu verkörpern. Natürlich ist es ebenfalls ein Einsamer-Wolf-Typ: «Einer wie Clint Eastwood. Einfach etwas jünger.»


Peter Beck: «Die Spur des Geldes», Emons-Verlag, 429 S.
Buchvernissage: 15.5., 20 Uhr, Orell Füssli im Loeb, Bern.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...