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Warum sind in Friedberg die Särge so schwer?

Krimi der Woche: Schwarzer Humor aus der österreichischen Provinz, raffiniert angerichtet. In Rudolf Ruschels Debüt «Ruhet in Friedberg».

Seine Nebenbeschäftigung bei einem Bestattungsunternehmen dürfte ihn zu diesem ersten Roman inspiriert haben.
Seine Nebenbeschäftigung bei einem Bestattungsunternehmen dürfte ihn zu diesem ersten Roman inspiriert haben.
Christian Kerber

Der erste Satz

Bevor Hubert Döller im Alter von 48 Jahren als Elfriede Statzinger begraben wurde.

Das Buch

Zuerst sind die beiden Aushilfsbestatter nicht so sicher, ob es nur an ihrem bösen Kater liegt, dass ihnen der Sarg so verdammt schwer vorkommt. Doch spätestens beim nächsten Besäufnis im Wirtshaus ist Andi sicher, dass in der Holzkiste, die sie heute auf den Friedhof geschleppt haben, mehr als nur eine Leiche lag. Er überzeugt auch seinen Kumpel Fipsi davon. Und alsbald finden sie heraus, dass in der örtlichen Bestattung kriminelle Nebengeschäfte laufen.

Die Freunde Andi und Fipsi sind die Hauptfiguren in «Ruhet in Friedberg». Das Romandebüt des Österreichers Rudolf Ruschel ist in der österreichischen Provinz angesiedelt. In Friedberg, einem Nest, wo einer, der aus der Reihe tanzt, «wochenlang auf jedem Stammtisch Gesprächsthema Nummer eins» ist, denn dort «wird doch jeder Schas aufgeblasen zum Riesenbohei».

Ruschel erzählt eine ziemlich schräge Geschichte rund um die Bestattung in dieser Kleinstadt, wo Beerdigungen «mehr Volksfeste als Trauerfeiern» sind: «Die Leute kommen zusammen, ein jeder tratscht, erzählt, was gibt es Neues, was macht der Hof, wie geht’s mit der Gesundheit, auweh, aha, bla bla bla. Traurig ist eigentlich niemand, ausser vielleicht die Kinder und die Behinderten.»

Locker und beiläufig lässt Ruschel gesellschaftliche und auch politische Themen einfliessen.

Das kommt alles höchst vergnüglich daher, dabei wird die Geschichte schwarz und schwärzer. Der leutselige Pfarrer verschwindet plötzlich, ein anderer Bestattungshelfer ebenso. Die Serbenmafia tritt auf den Plan.

Andi und Fipsi widmen sich daneben nicht nur der Alkoholvernichtung beim Rebhansel, sondern auch der Literatur. Und dann wird auch noch Andis Freundin schwanger. «Wenn dem Andi sein Vater wüsste, dass er mit einer Muslima, na dann gute Nacht. Blitzenterbung und Hochkantrausschmiss. Andis Vater war schliesslich der Bürgermeister und als solcher musst du ja selbst in Österreich eine gewisse Weltgewandtheit haben. Doch privat hatte der Vater nicht viel mit der Welt am Hut, sondern war mehr von der Marke pseudokatholischer Stammtischbruder mit einem kleineren Horizont als eine Oblate.»

Locker und beiläufig lässt Ruschel gesellschaftliche und auch politische Themen einfliessen. Dabei erzählt er ganz im eher volkstümlich wirkenden österreichischen Duktus. Das kommt streckenweise ziemlich geschwätzig daher. Aber das muss es. Warum, erfährt man am Schluss, denn dass nach dem Prolog am Anfang des ersten Kapitels ein Anführungszeichen stand, hat man da längst vergessen oder als Druckfehler abgetan. Und der Krimi erweist sich am Ende als noch einen Zacken raffinierter, als man eine Zeit lang gedacht hat.

Die Wertung

Der Autor

Rudolf Ruschel, geboren 1986 in Niederösterreich und dort aufgewachsen, studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien. Seine Nebenbeschäftigung bei einem Bestattungsunternehmen dürfte ihn zu seinem ersten Roman «Ruhet in Frieden» inspiriert haben. Er lebt als Autor und Texter in Hamburg und «schreibt Geschichten über das Leben, um zu überleben».

Rudolf Ruschel: «Ruhet in Friedberg», BTB, München 2020. 304 S., ca. 16 Fr.
Rudolf Ruschel: «Ruhet in Friedberg», BTB, München 2020. 304 S., ca. 16 Fr.

Alle weiteren Besprechungen finden Sie in der Collection «Krimi der Woche».

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