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«Das scheint mir kriminell»

Der Medizinhistoriker Christoph Mörgeli hat eine klare Meinung zu Gunther von Hagens Online-Shop für Leichenteile. Und er erklärt, welche Regeln für den Umgang mit Leichen in der Schweiz gelten.

Gunther von Hagens posiert in der Ausstellung «Körperwelten», die von September 2009 bis Februar 2010 in Zürich gezeigt wurde.
Gunther von Hagens posiert in der Ausstellung «Körperwelten», die von September 2009 bis Februar 2010 in Zürich gezeigt wurde.
Keystone
Die Ausstellung erregte einiges Aufsehen, weil die Leichen nicht nur bei alltäglichen Tätigkeiten gezeigt wurden...
Die Ausstellung erregte einiges Aufsehen, weil die Leichen nicht nur bei alltäglichen Tätigkeiten gezeigt wurden...
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Gunther von Hagens ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm unter anderem vor, ihm ginge es vor allem ums Geldmachen.
Gunther von Hagens ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm unter anderem vor, ihm ginge es vor allem ums Geldmachen.
Keystone
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Der deutsche Anatom und Plastinator Gunther von Hagens eröffnet einen Online-Shop, der Leichen und Leichenteile anbietet. Was denken Sie als Medizinhistoriker über von Hagen und von seiner neusten Idee?Christoph Mörgeli: Von Hagens ist ein grenzgängerischer Provokateur, der durchaus Erfolg hat. Er vertritt eine gewisse Wissenschaftsfeindlichkeit: «Seht her, das haben Euch die Mediziner stets vorenthalten.» Und dies trifft offenbar den Zeitgeist. Die Ausstellung «Körperwelten» war bereits grenzwertig. Mit der Idee, Leichenteile im Internet zu verkaufen, geht er aber zu weit. Von Hagens überschreitet die Grenzen von Legalität und der Ethik. Das scheint mir jetzt kriminell. In der Schweiz würde von Hagen jedenfalls strafrechtlich verfolgt. Ich gehe davon aus, dass die Justiz auch in Deutschland aktiv wird. Die rechtliche Situation ist durchaus vergleichbar. Ausserdem muss betont werden: Personen, die in der Schweiz wohnen und im Online-Shop von Hagens' Leichenteile einkaufen, machen sich unter Umständen strafbar.

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